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Haug: "Lewis hatte einen tierischen Speed"

11. Mai 2008 - 17:44 Uhr

Mercedes-Sportchef Norbert Haug freute sich nach Platz zwei durch Lewis Hamilton über den silbernen Speed und analysierte das Rennen

Norbert Haug
Haug, ich habe gesprochen: Zufriedene Bilanz nach dem Türkei-Grand-Prix
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Frage: "Herr Haug, wir haben heute ein tolles Überholmanöver von Lewis Hamilton gegen Felipe Massa gesehen..."
Norbert Haug: "Wir alle sind Racer, es war ein gutes Rennen. Wann wurde den Ferrari zum letzten Mal auf der Strecke überholt? Wir haben das hinbekommen, Lewis (Hamilton; Anm. d. Red.) hat das hinbekommen. Zuvor hat man ihn ein bisschen kritisiert, aber die Antwort gibt er immer auf der Strecke. Ohne jetzt euphorisch zu sein, aber das war toll und man hat gesehen, welchen Speed er hatte. Natürlich war der ursprüngliche Plan, von der Pole loszufahren, dann wäre vielleicht noch ein bisschen mehr gegangen. Aber schon die Ferraris zu splitten ist gut."

"Ich denke, wir können heute mit Fug und Recht behaupten, den gleichen Speed gehabt zu haben. Als Lewis frei fahren konnte, hatte er einen tierischen Speed. Wir waren vom Speed her in der gleichen Liga wie die Roten und für die Zuschauer war es nach Melbourne der unterhaltsamste Grand Prix."

Schlechter Start von Kovalainen

"Die rechte Reihe ist wie ein D-Zug vorbeigefahren."
Norbert Haug

Frage: "Sie sind am Start ganz gut weggekommen. Wie war das aus Ihrer Sicht?"
Haug: "Heikki (Kovalainen; Anm. d. Red.) ist leider vom zweiten Platz zurückgefallen. Die rechte Reihe ist wie ein D-Zug vorbeigefahren, dabei hatte ich gehofft, dass die innere Reihe unter dem Grip nicht so sehr leidet. Alle, die innen waren, haben Plätze verloren, auch Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.). Ich denke, das Trainingsergebnis hat Kimi letztendlich sein Rennen gekostet. Aber wenn Heikki da mitgefahren wäre, hätte ich mir viel davon versprochen, denn er hatte mindestens so eine gute Strategie wie Massa, anders als Lewis übrigens. Bei Lewis waren wir ein bisschen aggressiver, was aber der richtige Weg war."

Frage: "Warum musste Heikki Kovalainen in der zweiten Runde an die Box kommen?"
Haug: "Das war ein schleichender Plattfuß. In der Safety-Car-Phase verändert sich das Auto sehr stark, daher war es keine klare Entscheidung. Es war fast ein Sicherheitsstopp. Wenn er während der Safety-Car-Phase reinkommt, dann verliert er natürlich bei weitem nicht so viele Plätze und kann noch in die Punkte fahren, aber es war wie gesagt bei weitem nicht klar, dass es wirklich ein Plattfuß werden wird, sondern er hat nur gesagt, dass das Gefühl hinten ein bisschen unruhig war."

Frage: "Habt ihr den Reifen untersucht? War die Entscheidung richtig, ihn an die Box zu holen?"
Haug: "Es war ein Schnitt auf der Seite. Das muss von der Berührung zwischen ihm und Kimi gekommen sein."

Frage: "Lewis Hamilton kam in Runde 16 zum ersten Boxenstopp. Wann war klar, dass er auf eine Dreistoppstrategie geht?"
Haug: "Das war von Anfang an die Variante, die wir uns vorgestellt hatten. Wir waren grundsätzlich bis dahin flexibel, haben dann aber entschieden, dass das der richtige Weg ist - und so hat es sich auch herausgestellt. Es hat nicht so viel gefehlt."

Haug kritisiert kleine Rückspiegel

"Der Schlüssel zum zweiten Platz war der Überholvorgang gegen Massa auf der Strecke."
Norbert Haug

"Der Schlüssel zum zweiten Platz war der Überholvorgang gegen Massa auf der Strecke. So einen hat es schon sehr lange nicht mehr gegeben. Man muss fairerweise sagen: Massa konnte drei Runden länger fahren. Da reden wir von 7,5 Kilogramm Gewicht - das ist nicht die Welt, das sind zwei Zehntel. Benzinbereinigt war Lewis heute auf jeden Fall der schnellste Mann im Feld. Ein Spitzenreiter ist schon sehr lange nicht mehr überholt worden. Man hat dabei gesehen, dass das Thema Rückspiegel ein schwieriges ist, denn so richtig gesehen hat er Lewis nicht, sonst zieht er da glaube ich nicht mehr rein."

Frage: "Sie sind im Gegensatz zu Ferrari mit den harten Reifen ins Rennen gegangen. Die Reifenwahl war schwierig, nicht wahr?"
Haug: "Es war sehr schwierig, ja. Ferrari kam am besten damit klar, aber es haben viele darunter gelitten. Der Prime war bisher der härteste Reifen in diesem Jahr - und wir sind mit diesem harten Reifen tendenziell etwas besser zurechtgekommen. Lewis kommt tendenziell mit den härteren Reifen immer sehr gut zurecht."

Frage: "Um Ferrari abzufangen, müssen Sie sich noch ein bisschen strecken, nicht wahr?"
Haug: "Das stimmt. Wir haben den Abstand verkürzt um zwei Punkte, das muss man auch sagen. Dafür ist Massa nun gleich unterwegs wie Lewis. Wir wissen, dass wir mit Heikki Punkte verloren haben heute, aber für den aufgeschnittenen Reifen können wir nichts - das kann den anderen auch mal so gehen. Aber unser Speed ist da und darauf lässt sich aufbauen. Es waren zwei Teams, die an der Spitze fahren konnten, und dann war eine Lücke, zumindest hier und heute. Lewis hat die Ferraris heute sehr gut beschäftigt. Er hat jetzt sieben Punkte Rückstand. Da ist noch nichts verloren."

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