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Domenicali: Konkurrenz ist nahe dran

11. Mai 2008 - 19:56 Uhr

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali freut sich über den Sieg in Istanbul, will aber nichts von einer roten Dominanz hören

Felipe Massa
Applaus, Applaus - Ferrari feiert den Sieg und Platz drei in Istanbul
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Mit den Plätzen eins und drei konnte die Scuderia in der Türkei ihren Vorsprung in der Konstrukteurswertung wieder ein Stück ausbauen. Bei den Fahrern belegen Kimi Räikkönen und Felipe Massa die Spitzenplätze - von einer Überlegenheit möchte Teamchef Stefano Domenicali deswegen aber nicht reden. Sein Augenmerk gilt vor allem den anstehenden Grand Prix' in Monaco und Kanada.

Frage: "Stefano, in diesem Rennen hat Ferrari den vierten Sieg geholt. Warum dominieren die roten Autos?"
Stefano Domenicali: "Ich denke nicht, dass die Formulierung "dominieren" richtig ist. Man muss sich nur einmal die Gesamtwertung anschauen, denn die Situation ist sehr eng. Es war sehr wichtig für uns, nach dem ersten Rennen in Australien eine Reaktion zu zeigen. Da hatten wir am Ende nur einen Punkt geholt - aber wir dominieren jetzt nicht. Das heutige Rennen hat gezeigt, dass unsere Konkurrenten sehr nahe dran sind."

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Räikkönen mit Problemen am Freitag

Frage: "Felipe hatte Kimi im Griff. Wie sehr haben Kimis Probleme vom Freitag sein ganzes Wochenende beeinflusst?"
Domenicali: "Naja, wenn man sich nicht so wie geplant vorbereiten kann, dann ist das immer so eine Geschichte. Vielleicht hätte ich da etwas anders ausprobiert, aber das Rennen heute war dann doch recht schwierig. Wir sollten nicht vergessen, dass wir in der ersten Kurve recht viel Glück hatten. Wenn man so ein Manöver fährt, dann kann man sich leicht einen Flügel abreißen oder einen Plattfuß einfangen, wie es Kovalainen passiert ist."

"Deshalb würde ich zunächst einmal positiv herausstellen, dass wir nach der ersten Kurve auf Rang sechs und nicht weiter zurücklagen. Natürlich war die Leistung von McLaren-Mercedes im Rennen wirklich herausragend. Ich habe schon immer gesagt, dass sie sehr stark sind und heute haben wir eine völlig andere Herangehensweise gesehen, als das noch in der Vergangenheit der Fall war."

"Um uns anzugreifen hat McLaren-Mercedes die Rennphilosophie geändert."
Stefano Domenicali

"Um uns anzugreifen hat McLaren-Mercedes die Rennphilosophie und auch das Qualifying geändert, vor allem bei Lewis. Das ist sehr wichtig, weil sie ja natürlich auch auf unsere Leistung reagieren müssen. Aber die Meisterschaft ist sehr, sehr lang, immer richtig hart und ich halte sie nach wie vor für starke Gegner."

Keine Beschädigung durch Kovalainen-Berührung

Frage: "Habt ihr nach dem Vorfall in der ersten Kurve darüber nachgedacht, Kimis Frontflügel aus Sicherheitsgründen auszutauschen?"
Domenicali: "Ja, das haben wir in Betracht gezogen. Glücklicherweise hat das Safety-Car die Autos eingebremst und so konnten wir das auf den Fernsehbildschirmen überprüfen, die Daten heranziehen und ihn im Vorbeifahren beobachten. Alles schaute normal aus und auch die Daten haben kein größeres Problem aufgezeigt, also haben wir uns zum Weiterfahren entschieden."

Frage: "Wurde die Reifenwahl am Start unabhängig von den Startpositionen getroffen?"
Domenicali: "Da werden eine Menge Dinge miteinbezogen, wenn man sich über die Reifen für den Rennstart Gedanken macht. Im Vorjahr haben wir genau gleich gehandelt. Damals sind wir als einzige mit weichen Reifen gestartet und das hat sich prima ausgezahlt."

"Im Vorjahr haben wir genau gleich gehandelt. "
Stefano Domenicali

"Am Freitag und Samstag waren wir mit der Leistung der weichen Reifen sehr zufrieden. Deshalb hatten wir noch einen neuen Satz übrig und es ist immer gut, diesen dann am Start einzusetzen. Das sind so die Dinge, die man bei der Entscheidungsfindung immer in Betracht ziehen muss."

Hamilton schon früh als Dreistopper ausgemacht

Frage: "Wie glücklich seid ihr mit eurer Reifenwahl in Bezug auf das Rennergebnis?"
Domenicali: "Im Nachhinein ist es immer einfach, richtig oder falsch zu sagen. Der Grund, warum wir auch im zweiten Stint mit weichen Reifen gefahren sind war eigentlich hauptsächlich, dass Kimi seine schnellste Zeit auf seiner letzten Runde mit seinen weichen Pneus gefahren war und alles deutete darauf hin, dass die Reifen ihre Leistung ohne Probleme halten konnten."

"Danach haben sich dann beide über ihren zweiten weichen Reifensatz beschwert und hatten nicht das Material zur Verfügung, das wir erwartet hatten. Wir müssen uns das erst einmal verstehen und uns die Daten dazu anschauen, ob es mit diesem Setup besser gewesen wäre, einen anderen Reifensatz zu verwenden. Aber das ist Rennsport."


"Wir waren nach dem Boxenstopp eigentlich schon ziemlich sicher."
Stefano Domenicali

Frage: "Ab wann wart ihr euch zweifelsfrei sicher, dass Lewis auf einer Dreistoppstrategie unterwegs war?"
Domenicali: "Wir waren nach dem Boxenstopp eigentlich schon ziemlich sicher. Deshalb haben wir Felipe auch gesagt, dass er Vorsicht walten lassen sollte, als Lewis ihn angegriffen hatte. Wir wussten Bescheid darüber, dass er zu diesem Zeitpunkt viel leichter unterwegs war."

Freie Fahrt für Räikkönen und Massa

Frage: "Es sieht ganz danach aus, dass Kimi und Felipe ein Kopf-an-Kopf-Duell in der Weltmeisterschaft austragen. Welche Strategie werdet ihr künftig verfolgen?"
Domenicali: "Momentan lassen wir sie frei fahren, wie wir da schon immer betont haben. Sie fahren ihre Rennen ohne irgendwelche Taktiken in dieser Richtung. Die Interessen des Teams stehen im Vordergrund und darauf liegt unser Hauptaugenmerk. Wir werden da jetzt nichts an unserer Herangehensweise ändern, für die weitere Saison muss man einfach einmal abwarten."

Frage: "Felipe scheint besser geworden zu sein. Habt ihr in dieser Saison irgendwelche Fortschritte bei ihm entdecken können?"
Domenicali: "Er ist immer ein großartiger Fahrer und arbeitet hingebungsvoll für das Team. Wir haben schon immer betont, wie glücklich wir mit unseren beiden Fahrern sind. Wir halten das Potential dieser beiden Piloten für schlichtweg perfekt und es geht nicht darum, ihnen in schwierigen Situationen den Kopf zu halten."

"Nicht nur der Grand Prix, auch das ganze Wochenende war perfekt."
Stefano Domenicali

"Sie sind sehr gut integriert, respektieren und pushen sich gegenseitig und Felipe hat heute unterm Strich einfach ein tolles Rennen gefahren. Nicht nur der Grand Prix, auch das ganze Wochenende war perfekt."

Monaco-Qualifying nimmt Schlüsselrolle ein

Frage: "Das nächste Rennen ist in Monte Carlo. Was erwartet ihr auch davon?"
Domenicali: "Meiner Meinung nach stehen wir in den kommenden zwei Grand Prix in der Pflicht, weil die Rennen in Monaco und Canada im Vorjahr für uns recht schwierig waren. Wir gehen diese Rennen nun anders an. In der kommenden Woche haben wir in Paul Ricard einige Testfahrten und werden dann sehen, ob wir uns auf die richtige Art und Weise darauf vorbereitet haben.

"Ich denke, dass nicht nur McLaren-Mercedes sehr stark sein wird. Ich erwarte Renault und natürlich auch das BMW Sauber F1 Team sehr stark - vor allem auf einer Strecke, wo das Qualifying so unterschiedlich verlaufen kann. Monte Carlo wird sicherlich für alle ein sehr wichtiges Rennen werden."

Frage: "In Monte Carlo ist das Qualifying sehr wichtig. Wie schätzt du die dortige Quali-Performance von Ferrari ein?"
Domenicali: "Wie ich schon sagte, Monaco wird sehr, sehr schwierig werden. Ich erwarte die anderen sehr stark - nicht nur McLaren-Mercedes, sondern auch das BMW Sauber F1 Team und Renault. Deshalb müssen wir gründlich darüber nachdenken, wie wir das Qualifying angehen wollen."

"Monte Carlo wird sicherlich für alle ein sehr wichtiges Rennen werden."
Stefano Domenicali

"Denn das wird das Rennen sicherlich noch mehr beeinflussen als das auf anderen Kursen der Fall ist. Uns stehen also zwei arbeitsreiche Wochen ins Haus, in denen wir unsere Strategie überlegen und uns auch Gedanken über die der anderen machen müssen - vor allem natürlich für das Zeittraining."