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Whitmarsh: "Lewis ist stark im Kopf"

07. April 2008 - 14:52 Uhr

Martin Whitmarsh enthüllt im Interview, dass Lewis Hamiltons Frontflügel in Bahrain schon vor dem Auffahrunfall mit Fernando Alonso gebrochen ist

Martin Whitmarsh
Martin Whitmarsh ist optimistisch, dass sich Lewis Hamilton nicht unterkriegen lässt
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Der Auffahrunfall zwischen Lewis Hamilton und Fernando Alonso gestern in Bahrain sorgte nach dem Rennen für hitzige Diskussionen, denn einige Herren im Fahrerlager unterstellten Alonso, dass er absichtlich vom Gas gegangen sein könnte - was von Renault mit konkreten Daten widerlegt wurde. Nun ist die Ursache für den Crash bekannt: Hamilton verlor den Frontflügel schon vor dem Zusammenstoß und hatte deswegen plötzlich keinen Anpressdruck mehr, wie McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh im Interview bestätigte.

Frage: "Martin, Lewis Hamilton ist normalerweise ein guter Starter, aber das war in Bahrain nicht der Fall. Was ist passiert?"
Martin Whitmarsh: "Es war ein Prozedurfehler. Sein Motor war in der falschen Einstellung und das führte dazu, dass das Anti-Stall aktiviert wurde. Daher wurde er von allen überrumpelt, als er losfahren wollte."

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Whitmarsh stellt sich hinter seine Fahrer

"Es ist nicht unser Stil, unseren Fahrern in der Öffentlichkeit die Schuld zu geben."
Martin Whitmarsh

Frage: "Er hat zugegeben, dass er vergessen hat, den richtigen Knopf zu drücken..."
Whitmarsh: "Ja, aber es ist nicht unser Stil, unseren Fahrern in der Öffentlichkeit die Schuld zu geben. Ist die Prozedur klar? Ist sie einfach genug? Wir müssen uns alle Details anschauen."

Frage: "Man ist daran gewöhnt, Lewis' Erfolge zu feiern, aber Bahrain war nicht sein Wochenende. Trotzdem macht er einen sehr positiven Eindruck, nicht wahr?"
Whitmarsh: "Ich glaube, er ist enttäuscht, aber sehr stark im Kopf. Er hatte ein brauchbares Qualifying, aber wegen eines Trainingsunfalls war der Freitag nicht sein größter Tag, ebenso wenig wie der Sonntag. Er wird aber das Selbstvertrauen nicht verlieren. Er glaubt an sich und weiß, dass er es hinbekommen kann. Er wird nach Hause fliegen, sich neu aufbauen und in Spanien stärker zurückkehren."

Frage: "Er hat die Strategie umgestellt, nachdem er in der zweiten Runde auf Fernando Alonso aufgefahren ist. Habt ihr die Unfallursache schon festgestellt?"
Whitmarsh: "So etwas ist für uns an der Boxenmauer eine interessante Situation, denn man sieht den Zwischenfall und muss schnell reagieren, ihn hereinholen, das Auto reparieren, die Benzinoptionen in Betracht ziehen, die ihm bei der Aufholjagd helfen könnten, und so weiter. Zu jenem Zeitpunkt wussten wir aber nicht, wie es sich entwickeln würde."

"Die Leute sind gleich nach dem Rennen zu uns gekommen und haben uns gefragt, ob Fernando absichtlich gebremst hat. Das kann man nicht sofort beantworten. Daher wird einem unterstellt, dass man ausweicht, aber in Wahrheit weiß man es einfach nicht. Erst als ich in den Ingenieursraum ging und mir die Details anschaute, wurde mir klar, dass sich der Frontflügel bei Lewis schon zwei Sekunden vor dem Unfall gelöst hatte, daher hatte er auf einmal keinen Anpressdruck mehr. Wir haben noch nicht analysiert, wie es dazu kommen konnte, aber wir vermuten, dass die Struktur durch einen vorherigen Kontakt geschwächt war."

Vorheriger Kontakt schuld am Gebrechen?

"Es gibt keine Beweise dafür, dass Fernando irgendetwas falsch gemacht hat."
Martin Whitmarsh

"Um Lewis gegenüber fair zu sein, muss ich erwähnen, dass der Flügel auch einfach so gebrochen sein kann, aber das ist noch nie zuvor passiert, daher ist ein Kontakt die wahrscheinlichste Ursache. Es gibt jedenfalls keine Beweise dafür, dass Fernando irgendetwas falsch gemacht hat. Durch den Aufprall wurden andere Elemente von Lewis' Auto ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen, nicht nur der Frontflügel. Daraus musste er dann das Beste machen."

Frage: "Heikki Kovalainen ist wieder ein sehr starkes Rennen gefahren, aber auch sein Nachmittag verlief nicht ganz ohne Probleme..."
Whitmarsh: "Nein. Eine Zeit lang war sein Auto durch einen Bremsfleck auf den Reifen beeinträchtigt, nachdem er sich in der ersten Runde verbremst hatte. Als er zum ersten Boxenstopp kam, war sein rechter Vorderreifen bis auf die Karkasse abgefahren."

"Im zweiten Stint waren wir im Nachhinein betrachtet auf dem falschen Reifentyp, aber wir fuhren einen langen Stint, um einfach etwas auszuprobieren. Es hat uns zwar nichts gebracht, aber es hat auch nicht geschadet. Heikki ist die schnellste Rennrunde gefahren, was einerseits eine angenehme Nebenerscheinung ist, andererseits aber auch zeigt, dass wir unser Potenzial im Rennen nicht voll entfaltet haben. Das beweist nur, dass man heutzutage jedes Element eines Rennwochenendes perfekt hinbekommen muss."

Frage: "Heikki ist jetzt seit drei Rennen bei euch und hat jedes Mal gute Punkte geholt. Wie schätzt du seine Fortschritte ein?"
Whitmarsh: "Alles zusammen ist er nun seit elf Wochen bei uns, und er wird immer stärker und stärker. Wir haben im Team das Gefühl, das wir noch nicht das Beste von ihm gesehen haben. Lewis denkt darüber nach, was gut ist, denn er weiß, dass er sich steigern muss. Heikki und Lewis haben in ihren bisherigen 20 Grands Prix eine Menge gelernt. Sie sind sehr ambitioniert - und ich weiß, dass die Teams natürlich immer behaupten, dass ihre Fahrer regelrecht ineinander verliebt sind -, aber bei uns spürt wirklich jeder, dass sie sich gegenseitig respektieren. Sie wollen sich gegenseitig schlagen, aber sie sind offen und fair. Da gibt es viel Positives."

Respekt vor Ferrari und BMW

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton hatte gestern nicht den besten Tag seiner Formel-1-Karriere...
© xpb.cc

Frage: "Es gibt die Tendenz, die Weltmeisterschaft als Zweikampf zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes zu betrachten, aber jetzt muss man wohl auch das BMW Sauber F1 Team auf der Rechnung haben, nicht wahr?"
Whitmarsh: "Man muss BMW gratulieren. Ich weiß, dass wir ein bisschen unter Wert geschlagen wurden, aber ihre Autos waren sehr stark. Es ist klar, dass dies eine aufregende, enge Weltmeisterschaft wird - und das ist gut für das Formel-1-Publikum. Man muss zu jedem Rennen mit einem starken Auto kommen, man muss es richtig abstimmen und richtig einsetzen, die Fahrer müssen gut damit fahren. Wenn nur einer dieser Bereiche nicht stimmt, wird man unweigerlich zurückrutschen."

Frage: "Nach drei Überseerennen geht es nun in Europa weiter. Was steht für das McLaren-Mercedes-Team auf dem Programm?"
Whitmarsh: "Wir haben in ein paar Tagen einen Aerotest vor uns und dann testen wir nächste Woche in Barcelona - unser erster richtiger Test seit fünf Wochen. Es ist ungewöhnlich, dass die Teams in einer Phase ohne Tests so große Fortschritte machen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir vor einem großen Sprung stehen. Gleichzeitig respektieren wir aber auch die gute Arbeit von Ferrari und BMW und rechnen nicht damit, dass sie stehen bleiben werden."

Frage: "Wir hatten in drei Rennen drei verschiedene Sieger. Wann wird sich ein etabliertes Muster herauskristallisieren?"
Whitmarsh: "Ich bin mir nicht sicher, ob es dazu kommen wird, denn ich bin davon überzeugt, dass wir diese Saison noch andere Sieger sehen werden. Ich bin mir sicher, dass Heikki dieses Jahr einen Grand Prix gewinnen wird. Die Fahrer von BMW machen auch einen starken Eindruck - wir müssen darauf antworten und sie in Spanien schlagen. In zwei Rennen haben wir unser Leistungsniveau nicht ganz erreicht, aber in der Weltmeisterschaft liegt alles eng beisammen. Drei Teams und sechs Fahrer liegen innerhalb von einer Hand voll Punkten - ich glaube nicht, dass sich im Titelrennen irgendjemand frühzeitig absetzen wird."

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