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Was in der Sakhir-Wüste sonst noch geschah

08. April 2008 - 11:11 Uhr

Die Boulevard-Revue aus Bahrain: Für wen Lewis Hamilton Sonia Irvine stehen gelassen hat, welche VIPs da waren und vieles, vieles mehr...

Formula Unas
Red Bulls Formula Unas waren erneut das Highlight in der sonst trostlosen Wüste
© GEPA

(Motorsport-Total.com) - Bernie Ecclestone hat seinem Freund Max Mosley empfohlen, nicht nach Bahrain zu kommen, um nach dem von 'News of the World' enthüllten Nazi-Sexeklat nicht vom Sport abzulenken. Als dann auch noch Kronprinz Scheich Salman Bin Hamad Al-Khalifa dem FIA-Präsidenten schriftlich mitteilte, er sei am Rennwochenende nicht erwünscht, hatte Mosley sowieso keine Wahl mehr.

Doch während der Brite zu Hause blieb und sich den Grand Prix im Fernsehen anschauen musste, gab es im Fahrerlager kaum ein anderes Thema als den Fall Mosley. Diverse Automobilhersteller, nationale Verbände und ehemalige Protagonisten äußerten sich kritisch - der Rücktritt scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Aber interessant war, dass niemand von den aktuellen Fahrern oder Teamchefs den Mund aufmachen wollte - zumindest nicht bei laufendem Diktiergerät...

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Motor Sport Business Forum und FIA-Tagung

Sid Watkins und Ron Dennis
Sid Watkins und Ron Dennis waren schon vor dem Wochenende in Bahrain
© xpb.cc

Doch kommen wir zu den angenehmeren Seiten der Formel 1. Die Bahrain-Woche begann schon vor dem traditionellen Medien-Donnerstag mit dem Motor Sport Business Forum. Dabei handelt es sich um einen Seminarevent mit hochrangigen Vertretern aus der Motorsportindustrie. Einer der Hauptvortragenden war Ron Dennis - wie passend, gehört McLaren-Mercedes doch über eine staatliche Investmentgesellschaft zu 30 Prozent dem Königshaus von Bahrain.

Außerdem trommelte der ehemalige Formel-1-Arzt Sid Watkins über 150 Mediziner und Sicherheitsexperten zusammen, um ein Gipfeltreffen des FIA-Instituts abzuhalten, das nach seiner Amtsübergabe als Medizinischer Leiter an den Rennstrecken für mehr Sicherheit im Motorsport gegründet wurde. Von der Fahrergewerkschaft hörten sich der neue Vorsitzende Pedro de la Rosa und Direktor Mark Webber die Vorträge an.

Am Donnerstag ging es dann los mit den üblichen Interviewrunden und Pressekonferenzen. Die Kollegen von 'Premiere' ließen sich dabei etwas Besonderes einfallen: Moderatorin Tanja Bauer interviewte Sebastian Vettel in einem Beduinenzelt - Wunderlampe inklusive! Apropos 'Premiere': Jacques und Marc, wir lieben euren kompetenten Kommentar, aber hat euch schon mal jemand gesagt, dass man es jedes Mal zischen hört, wenn ihr eine Getränkedose aufmacht?

Hamilton bandelt mit Villeneuves Ex

Kylie und Dannii Minogue
Welche soll es denn sein, Lewis? Die Minogue-Schwestern: Kylie und Dannii
© xpb.cc

Wie immer lieferte Lewis Hamilton schon im Vorfeld des Trainingsgeschehens die obligatorische Frauengeschichte ab. In Melbourne hatte er Dannii Minogue kennen gelernt, die Ex-Flamme von Jacques Villeneuve und selbst ebenfalls singende Schwester von Superstar Kylie. Der Formel-1-Star und das Popsternchen verabredeten sich per SMS für Monaco zum Abendessen. Hamiltons Chancen scheinen gut zu sein: "Er ist perfekt", soll sein Schwarm gesagt haben.

Möglicherweise hat er sich darüber auch mit seinem alten Kumpel Adrian Sutil unterhalten, mit dem er nach Malaysia gemeinsam auf Koh Samui im Urlaub war, um Spaß zu haben und hart zu trainieren. Dabei gab Hamilton zu, dass er es hasst, im Meer weit rauszuschwimmen: "Die großen Weißen Haie mag ich nicht. Man sieht im Fernsehen immer, wie der Hai auftaucht und das frisst, was da an der Oberfläche schwimmt. In diese Lage möchte ich nicht unbedingt kommen..."

Von 'RTL' wurde der McLaren-Mercedes-Star gemeinsam mit einem weiteren seiner deutschen Freunde, Nico Rosberg, zum Interview eingeladen. Rosberg enthüllte dabei, dass die beiden vor einigen Jahren in Japan ihr Hotelzimmer teilen mussten - und spontan aus Übermut einen Ringkampf über zwei Stunden starteten! Wer damals als Sieger hervorgegangen ist, darüber gingen die Meinungen allerdings auseinander. Nur in einem waren sie sich einig: "Wir sind immer noch Freunde!"

GP2-Asia-Titel für Renault-Testfahrer

Heinz-Harald Frentzen
Heinz-Harald Frentzen gab in der neuen Speedcar-Serie sein Renncomeback
© AP

Mindestens genauso viel Spaß hatten die vier Renault-Piloten Fernando Alonso, Nelson Piquet Jr., Romain Grosjean und Sakon Yamamoto, als sie am Strand von Bahrain eine vom Team organisierte Extra-Trainingsschicht einlegten. Alonso und Piquet hatten dann sportlich gesehen nicht mehr viel zu lachen, Testfahrer Grosjean aber schon: Der junge Franzose sicherte sich vorzeitig den ersten Titel in der neuen GP2-Asia-Meisterschaft.

Im Rahmenprogramm der Formel 1 wurden auch zwei Speedcar-Rennen ausgetragen. Beide Male hieß der Sieger Uwe Alzen, aber beide Male wurde Alzen nachträglich disqualifiziert! Die Speedcars üben dank des hohen Preisgeldes eine magische Faszination auf ehemalige Grand-Prix-Piloten aus: Zusätzlich zu den regulären Startern Alesi, Herbert und Co. waren in der Sakhir-Wüste auch Heinz-Harald Frentzen und Jacques Villeneuve mit von der Partie.

Für Villeneuve war es der erste Besuch im Formel-1-Fahrerlager seit seinem unfreiwilligen Abtritt in Hockenheim 2006. Der Ausflug diente aber nicht in erster Linie dem Rennfahren, sondern der Sponsorensuche. Sein NASCAR-Engagement war nämlich nicht so erfolgreich wie erhofft, sodass er nun jemanden braucht, der ihm ein Auto finanziert. Craig Pollock kann ihm dabei nicht mehr als Manager helfen - die beiden haben sich getrennt.

Alte Bekannte im Fahrerlager

Jean Todt
Nach Malaysia auch in Bahrain mit von der Partie: "Napoleon" Jean Todt
© xpb.cc

Aus der Generation vor "HHF" und "JV" kamen zwei Ex-Fahrer nach Bahrain, die man sonst nicht oft sieht: Jody Scheckter, 1979 letzter Ferrari-Weltmeister vor Michael Schumacher, sorgte mit seinem Interview mit 'Motorsport-Total.com' für Aufsehen, in dem er sich darüber beschwerte, dass den Fahrern im Fall Mosley ein Maulkorb verpasst wurde, und Riccardo Patrese besuchte Rubens Barrichello, der ihm dieses Jahr den Rekord für die meisten Grand-Prix-Teilnahmen wegnehmen wird.

"Dass ich ein ganzes Wochenende vor Ort bin, das hat es seit meinem letzten Grand Prix nicht mehr gegeben", sagte Patrese. "Ich war am Donnerstag ein paar Mal in Monaco, denn dort lebe ich, aber ich wollte mir nur den Paddock anschauen und das Training beobachten. Ich komme mir dabei immer vor wie ein Tourist. Jetzt arbeite ich für den Fernsehsender 'Sky', daher weiß ich besser, was so vor sich geht. Da muss ich immer auf dem Laufenden sein!"

Am Freitag tauchte Ex-Ferrari-Teamchef Jean Todt schon wieder vor Ort auf. Der "Napoleon" in Ruhestand ist bekanntlich sauer darüber, dass sein Freund Michael Schumacher in letzter Zeit so oft Motorrad fährt. Frank Williams musste indes wieder einmal zähneknirschend dabei zusehen, wie seine englische Box von Jackie Stewart, Fred Goodwin und Peter Philips in Schottenröcken eingenommen wurde - im Auftrag von Williams-Sponsor RBS (Royal Bank of Scotland).

Williams-Pressesprecher auf Rekordjagd

Tanja Bauer und Sebastian Vettel
'Premieres' Tanja Bauer interviewte Sebastian Vettel im Beduinenzelt
© GEPA

Williams-Pressesprecher Liam Clogger scheint sich indes einen Sport daraus zu machen, 2008 alle Rennstrecken laufend gegen die Stoppuhr zu bewältigen. Im Vergleich zu Australien und Malaysia wirkte er am vergangenen Wochenende schon etwas besser in Form. Nach den 5,412 Kilometern zeigte die Stoppuhr eine Zeit von 24 Minuten und 30 Sekunden an. Zum Vergleich: Der Schnellste des Qualifyings, Felipe Massa, kam in Q2 auf 1:31.188 Minuten.

Die Williams-Piloten Nico Rosberg und Kazuki Nakajima genossen gerade ihre klimatisierten Hotelzimmer, als sich Clogger die Seele aus dem Leib joggte. Nakajima war - wie bescheiden - im Radisson einquartiert, wohingegen sich Rosberg das Ritz-Carlton leistete. Kostenpunkt: bis zu 1.900 Euro pro Nacht. Aber von überteuerten Hotelpreisen kann der Formel-1-Zirkus sowieso ein Liedchen singen. Eigenartig nur, dass die Preise gerade am Rennwochenende wie von Zauberhand ansteigen...

Die Schlagzeile des Samstags gehörte nicht Christian Kliens neuer Tätowierung ("Living on the edge" am linken Oberarm) oder der Renault-Produktinitiative für den Mittleren Osten, sondern eindeutig Robert Kubica, der sich die erste Pole-Position seiner Karriere sicherte. Damit trat er auch den Beweis an, dass der Begriff Pole-Position nicht aus dem Pferdesport stammt, wie viele behaupten, sondern aus seiner Heimat - die "Pole-auf-Pole"-Headlines waren vorprogrammiert.

Die Kubica-Diät

Bernie Ecclestone und George Lucas
Bernie Ecclestone mit Starregisseur und Formel-1-Fan George Lucas ("Star Wars")
© xpb.cc

Und wenn man Erfolg hat, fallen den weniger aufmerksamen Journalisten eben plötzlich Dinge auf, die sie vorher nie gemerkt haben. Dass Kubica über den Winter sieben Kilogramm abgespeckt hat, um die Gewichtsverteilung optimieren zu können, hat nämlich bei den ersten beiden Rennen noch niemanden gekratzt. Sein Diätgeheimnis: Die heiß geliebte Pasta wurde vom Speiseplan gestrichen, dafür mehr Obst und Gemüse zugeführt - und einfach weniger gegessen.

Als Kubica am Sonntag seinen dritten Platz auf dem Podium feierte, war Bernie Ecclestone schon gar nicht mehr in Bahrain. Der Formel-1-Boss stieg nach etwa einer Stunde des wahrlich nicht allzu aufregenden Rennens in seinen Privatjet und hob nach London ab. Vielleicht wollte er ja den Nachmittagstee mit Kumpel Max Mosley nicht verpassen. Übrigens: Ecclestones Töchter Petra und Tamara waren auch mal wieder im Paddock zu sehen.

Beeindruckend war diesmal die Liste an VIPs: Starregisseur George Lucas ("Star Wars") kam ebenso auf Einladung der Scheichs an den Bahrain International Circuit wie der britische Comedian Rory Bremner, Starjockey Frankie Dettori, der indische Cricketspieler Mohammad Azharuddin, Lord March von Goodwood sowie die Popband Simply Red, die ebenso ein Gratiskonzert gab wie der für den Grammy nominierte Rapper Akon.

Kein "Tears in Heaven", sondern die Zielflagge

Eric Clapton
Superstar Eric Clapton ("Tears in Heaven") durfte sogar die Zielflagge schwenken
© xpb.cc

Die absoluten Topstars auf dem Grid am Sonntag waren aber die amerikanischen Musiker Macy Grey ("I try") sowie Eric Clapton ("Tears in Heaven"). Clapton, ein leidenschaftlicher Auto- und Motorsportfan, sammelte mit seiner unbeholfenen Art viele Sympathien, denn trotz seines Ruhms ließ er es sich nicht nehmen, mit der eigenen Digicam (und leuchtenden Augen) den Ferrari F2008 zu fotografieren. Anschließend posierte er auch noch mit Bernie Ecclestone.

Zum Glück unterhielt sich Clapton nicht mit Nico Rosberg, denn der Weltmeistersohn, dessen Vater Keke übrigens erstmals in diesem Jahr vor Ort war, hört vor dem Start keine Clapton-Hits, sondern den hämmernden Superhit "Beautiful Day" von U2: "Damit komme ich immer in eine gute Stimmung", enthüllte der 22-Jährige augenzwinkernd. "Aber inzwischen kenne ich den Song schon fast auswendig. Vielleicht muss ich mir einen neuen suchen!"

Viel war also los in der Sakhir-Wüste von Bahrain - das könnte einen glatt darüber hinwegtrösten, dass das Rennen selbst nicht unbedingt die packendste Angelegenheit war. Und auch der Besuch war eher bescheiden: Knapp 100.000 Fans kamen laut Veranstalterangaben an allen drei Tagen, was zwar für den Wüsten-Grand-Prix sogar einen neuen Rekord darstellt, aber weit entfernt ist von europäischen Dimensionen...