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Hamilton: Rückendeckung von vielen Seiten

24. April 2008 - 13:14 Uhr

Nach seinen zuletzt enttäuschenden Auftritten in Malaysia und Bahrain sprechen viele Formel-1-Fachleute Lewis Hamilton Mut zu

Lewis Hamilton
Kann die viele Kritik nicht mehr hören: Lewis Hamilton vor dem Spanien-GP
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Ein Blick auf die Formel-1-Statistik der vergangenen fünf Rennen fördert das anhaltende Tief von Lewis Hamilton deutlich zutage. In den zwei Finalrennen der vergangenen Saison und den drei ersten Grands Prix dieses Jahres brachte es der britische McLaren-Mercedes-Pilot auf gerade einmal 16 Punkte. Zum Vergleich: im gleichen Zeitraum holte Kimi Räikkönen 39 Zähler, dessen Teamkollege sowie beide Piloten vom BMW Sauber F1 Team ebenfalls mehr als Hamilton.

"Wenn ein Fahrer große Ambitionen hat, dann kommt manchmal die Übermotivation ins Spiel", so erklärte Ex-Formel-1-Weltmeister Damon Hill den aktuellen Status gegenüber der 'Times'. Der Erfolg könne keineswegs als Selbstverständlichkeit genommen werden, so Hamiltons Landsmann weiter: "Es ist egal, ob du Alain Prost, Ayrton Senna oder Nigel Mansell heißt. Es ist immer schwieriger als du denkst, das ist der harte Kern des Geschäfts."

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Jeder macht Fehler

Auch Hamiltons McLaren-Kollege Pedro de la Rosa stellte sich hinter den Youngster: "Er hat sicherlich einige Fehler gemacht, aber zwei oder drei davon pro Saison sind ganz normal." Im gesamten Team scheint man den Glauben an die Fähigkeiten trotz der Schwächephase noch lange nicht verloren zu haben. Auch McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh sieht die Ursache der Hamilton-Probleme eher beim Team als beim Piloten selbst.

"Wenn du ein Formel-1-Fahrzeug überfährst, wird es generell niemals schneller."
Martin Whitmarsh

Man müsse dem Shootingstar der vergangenen Saison einfach wieder ein besseres Auto hinstellen, so Whitmarsh: "Ehrlich gesagt, ist es doch eine normale menschliche Reaktion, dass ein Fahrer das Auto überfährt, wenn das Setup schlecht ist, der Pilot nicht in Form ist, oder der Teamkollege Druck macht. Wenn du ein Formel-1-Fahrzeug überfährst, wird es generell niemals schneller."

"In Malaysia haben wir gemeinsam das Setup nicht richtig hinbekommen. Lewis ist nun einmal ein Siegertyp und er mag es einfach nicht akzeptieren, vielleicht zwischendurch einmal nur das zweitschnellste Auto zu haben. Wenn er jemanden entdeckt, der schneller ist, dann will er automatisch dieses Tempo mitgehen. Das ist doch besser, als wenn du jemanden hast, der das einfach als natürlich gegebene Reihenfolge so akzeptiert", hielt Whitmarsh gegenüber 'Autosprint' ein Plädoyer für den kritisierten Piloten.

Siegeslust und Verliererfrust

Gerade dieses Sieger-Gen sei durch nichts zu ersetzen, so der Geschäftsführer weiter: "Die Pleiten haben das ganze Team und auch Lewis selbst nur noch mehr motiviert. Er erwartet immer den Sieg. Auch in Bahrain hatte er gesagt, dass er das Gefühl habe, siegen zu können. Ich wäre enttäuscht, wenn er nicht für den Rest des Jahres an jedem Sonntagmorgen diese Einstellung hätte. So ein Selbstbewusstsein braucht man als wirklicher Champion."

Die guten Ergebnisse zum Beginn seiner Karriere haben die Erwartungshaltung gerade für dieses zweite Jahr nahezu ins Unermessliche steigen lassen. "Man kann diesen Druck nicht reduzieren", so Whitmarsh, "das geht uns allen gleich. Lewis, das Team und alle Fans wären doch enttäuscht, wenn er am Ende dieses Jahres nicht Weltmeister wird."

"Er hat in der ersten Runde in Bahrain vollkommen seine Fassung verloren."
Martin Brundle

"Das Team ist natürlich ein wenig in einem Zwiespalt, denn wir hätten es genauso gern, wenn Heikki Kovalainen Champion wird. Wenn es keiner der beiden wird, hätten wir versagt. Wir mögen dieses Wort nicht und wir sprechen auch nicht gern darüber, aber so ist nun einmal die Realität. Wir leben mit diesem Druck. Wir werden in sieglosen Zeiten kritisiert, aber diese Kritik kann niemals so heftig sein, wie unsere Selbstkritik ist", versuchte Whitmarsh den Druck wenigstens etwas von seinem Piloten zu nehmen.

Aber Hamilton bekommt nicht nur Streicheleinheiten. Es gibt auch Formel-1-Fachleute, die mit dem jungen Hoffnungsträger von McLaren-Mercedes hart ins Gericht gehen. Einer davon ist der frühere Pilot und heutige TV-Kommentator Martin Brundle: "Er hat in der ersten Runde in Bahrain vollkommen seine Fassung verloren. Er ist mit seinem Auto zielstrebig in Problemsituationen gefahren und hat geradezu nach Ärger geschrieen."