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Brawn erwartet 2009 mehr Überholmanöver

30. April 2008 - 14:57 Uhr

Honda-Teamchef Ross Brawn sieht in den 2009er-Regeln großes Potenzial für mehr Überholmanöver - Verstellbare Frontflügel sollen Action bringen

Ross Brawn
Ross Brawn ist ein Fan der für 2009 geplanten neuen Formel-1-Regeln
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Es ist mal gerade Ende April 2008, bis zum kommenden Jahr vergehen noch deutlich mehr als 200 Tage. Dennoch ist das Jahr 2009 bei den Formel-1-Teams schon ein dringendes Thema, denn die umfassenden Regeländerungen für die kommende Saison bergen viele Chancen und Gefahren in sich. Die Königsklasse wir technisch umgekrempelt. Weg von aerodynamischen Spitzfindigkeiten, hin zu mehr mechanischem Grip.

Neben der Wiedereinführung der profillosen Slicks, stehen umfangreiche aerodynamische Beschneidungen an. Hinzu kommt die im Moment stark umstrittene neue Technologie der Energierückgewinnung (KERS). Die neuen Regeln haben vor allem ein Ziel: die Action soll besser werden, die Formel 1 soll wieder durch Überholmanöver glänzen. "Der Weg zu mehr mechanischen Grip bringt uns sicher dahin, dass die Autos besser einander folgen können", schätzte Honda-Teamchef Ross Brawn.

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Pilot verstellt den Frontflügel während der Fahrt?

Eine so genannte "Overtaking Group", bestehend aus vielen Technikern und Teamchefs, hat sich intensiv mit der Problematik beschäftigt. Die Arbeitsgruppe legt nach und nach immer wieder neue Ideen für eine Verbesserung der Überholsituation in der Formel 1 vor. "Mit verstellbarem Frontflügel kann der Pilot nachjustieren, wenn er einem anderen Auto folgt. Es verliert dann nicht seine aerodynamische Balance in Kurven", plauderte Brawn aus dem Ideen-Nähkästchen.

Slicks Reifen
Ohne Reifenwärmer ist die neue Generation Slicks den Piloten zu cool
© xpb.cc

Bislang sind die genauen Regularien für die Saison 2009 nicht veröffentlicht, doch zeichnen sich einige Komponenten als sehr wahrscheinlich ab. "Wir müssen mal abwarten, bei einigen Dingen haben wir vielleicht auch noch nicht alle Nebeneffekte gesehen", so der Brite. Gute Chancen darf man der Widereinführung von Slicks einräumen. Bei den Testfahrten vor zwei Wochen in Barcelona waren die Piloten durchweg vom hohen Gripniveau der neuen Generation von Bridgestone begeistert. Einziger Knackpunkt: die Abschaffung von Reifenwärmern gefällt den Fahrern gar nicht.

Die Pneus müssten von den Piloten selbst auf Arbeitstemperatur gebracht werden, was allerdings unter normalen äußeren Bedingungen bis zu drei Runden lang dauern kann. Die Fahrer meckern und wittern Gefahr mit kühlen Reifen. Honda-Teamchef Brawn sieht eher eine gute Chance darin: "Das könnte interessant werden, denn wenn du mit kalten Reifen auf die Bahn gehst, wirst du angreifbar sein. Andere Leute könnten ihre Chance zum Überholen bekommen."

Kalte Slicks als besonderes Actionelement

Die Reifenregeln könnten allerdings auch für eingeschränkte Strategiespielchen sorgen. Der Trend geht möglicherweise zu extrem langen Stints, um nicht unnötig Opfer der neuen, aber anfangs zu kalten Reifen zu werden. "Wenn du aber früh hereinkommst und dir Sprit und Reifen holst und dein Konkurrent macht das erst drei Runden später, dann kann es interessant werden. Wenn du nach den Stopps in Schlagdistanz bist, sind deine Reifen schon warm und du kannst angreifen."

"Wenn du mit kalten Reifen auf die Bahn gehst, wirst du angreifbar sein."
Ross Brawn

"Ich kann mir viele verschiedene Szenarien vorstellen. Ich glaube es ist nicht so einfach, wie man meint. Wer am längsten fährt, gewinnt - das wird so nicht funktionieren", schätzte der als genialer Stratege bekannte Brawn. "Und wenn die Reifen eine moderate Abnutzung aufweisen, werden sie nach und nach immer langsamer. Das könnte auch die Balance neu definieren."

Beim Blick auf die möglichen neuen Regeln für 2009 geht dem Honda-Teamchef offensichtlich das Herz auf. "Das ist doch das, was wir alle wollen. Wir können ein bisschen davon in der GP2 sehen. Es gibt aber noch viel mehr Potenzial", freute sich Brawn. Seine eigene Mannschaft soll für alle Eventualitäten gerüstet sein. Immer wieder betonte der ehemalige Ferrari-Stratege, dass man bei Honda viel Entwicklung für das kommende Jahr betreibe und sich gute Chancen für 2009 ausrechne.