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Barrichello: "Vor 300 Grands Prix höre ich nicht auf"

24. April 2008 - 22:09 Uhr

Rubens Barrichello in der FIA-PK über den Patrese-Rekord, die 2009er-Aerodynamik, das Comeback der Slicks und die Hoffnungen für Barcelona

Rubens Barrichello
Rubens Barrichello stellt in Barcelona den Rekord von 256 Grands Prix ein
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Rubens, in der Türkei wirst du deinen 257. Grand Prix fahren, wenn ich mich nicht irre. In Bahrain hast du nicht wie ein Fahrer ausgesehen, der zurücktreten will, denn du hast Fernando Alonso das Leben ganz schön schwer gemacht. Wie war das?"
Rubens Barrichello: "Es war nicht schön, es ging ja nur um den zehnten Platz. Ich wünschte, es wäre um den ersten oder zweiten gegangen. Das wäre viel besser. Er hatte Probleme mit seinem Heckflügel und ich hatte starkes Untersteuern. Leider ist das Überholen in der Formel 1 heutzutage fast unmöglich. Hoffentlich wird es mit den Slicks besser. Mit weniger aerodynamischen Hilfsmitteln und mehr Grip von den Reifen sollte sich da etwas tun. Sobald ich an ihm dran war, drehte ich die Drehzahl runter, weil ich sowieso nichts mehr tun konnte. Ich war auf der Geraden um fünf km/h langsamer als er."

"Aber ich bin sehr motiviert. Die Jungen haben alle die Nase voll von der Formel 1, weil sie zu viel zu tun haben, zu viel PR. Mein Leben wird hingegen immer besser. Im ersten Jahr bei Honda habe ich viel PR gemacht, aber sie haben das geändert und ich kann meine Energie jetzt auf das Auto konzentrieren. Ich habe hart gearbeitet. Vergangene Woche bin ich in Barcelona 140 Runden gefahren, was ich für phänomenal halte. So gesehen fühle ich mich noch jung. Ich glaube, dass noch viele Jahre in mir stecken. Vor 300 Grands Prix höre ich nicht auf!"

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Frage: "Glaubst du, dass du knapp davor stehst, Punkte zu sammeln?"
Barrichello: "Vergangene Woche haben wir uns gut gesteigert. Das erste Rennen war nicht berauschend, aber wir wären trotzdem fast in die Punkte gefahren. Aber da hat es viele Ausfälle gegeben, denn das erste Rennen ist immer verrückt. In Malaysia waren wir weit weg und in Bahrain waren wir besser, aber wir hatten nicht den Topspeed, um jemanden zu überholen."

"Wir sind nahe dran, ja. In Barcelona müsste unser Auto um einiges besser sein. Ich weiß nicht, wie stark sich die anderen verbessert haben, denn aus den Zeiten des Tests kann man kaum etwas herauslesen. Ich hatte Slicks drauf, andere weniger Benzin, wieder andere mehr - das war schwierig. Aber unser Auto ist auf jeden Fall besser geworden. Hoffentlich können wir konstant ins dritte Qualifying fahren, dann müsste das zu Punkten und mehr führen."

Frage: "Das wäre schön, um deinen Rekord zu feiern. Offensichtlich werden die Feierlichkeiten mehrere Wochenenden andauern..."
Barrichello: "Es gibt ein bisschen Verwirrung. Wenn man die Leute fragt, dann gibt es unterschiedliche Meinungen, also haben wir einfach die Türkei festgelegt, denn dann sind die Rennen gerechnet, an denen ich teilgenommen habe. Manche sind damit nicht zufrieden, sagen, dass das drei Rennen zu früh sind. Dann feiern wir halt drei Rennen lang - sehr brasilianisch!"

Frage: "Nach dem letzten Test gab es viele Diskussionen um das geplante Verbot der Reifenwärmer. In anderen Serien gibt es die doch auch nicht, aber in der Formel 1 scheint es ein Problem zu sein. Wie kommt das?"
Barrichello: "Ich denke, es gibt Vor- und Nachteile. Einerseits wollen die Leute mehr Überholmanöver sehen, was ich verstehen kann. Das wollen wir alle, aber die Formel 1 könnte dadurch ziemlich langweilig werden. Die Leute werden wieder ein Auto mit großen Tanks erfinden - und wer am längsten draußen bleiben kann, ist dann im Vorteil. Dann werden wir wie die IndyCar-Serie, die ich nicht schlecht finde, aber in der Formel 1 geht es um die Wettbewerbsfähigkeit und um das, was auf der Strecke geschieht."

"Außerdem bin ich meine ganze Karriere vor der Formel 1 ohne Reifenwärmer gefahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt. Du fährst mit kalten Reifen aus den Boxen raus und könntest dich schon in der Boxengasse drehen. Die erste Kurve ist wie auf Eis. Wenn es dann auch noch so kalt ist wie zum Beispiel im Vorjahr am Nürburgring, dann wird das mit den falschen Reifen sehr, sehr gefährlich."

Frage: "Glaubst du, dass die neuen Aerodynamikregeln für 2009 gut für die Formel 1 sind? Wird das Überholen dadurch einfacher?"
Barrichello: "Alle Fahrer wünschen sich weniger Aero und mehr mechanischen Grip, aber ob es gut oder schlecht ist, das werden wir erst sehen. Ich frage mich heute, warum die Rillenreifen eingeführt wurden. Wir sind Karts und Formelautos mit Slicks gefahren und ein Fahrer, der dann in die Formel 1 kommt, muss auf einmal mit diesen hässlichen Rillenreifen fahren. Bridgestone hat einen Superjob gemacht, denn die Reifen wurden immer schneller und schneller, aber als wir in der Vorwoche wieder mit Slicks gefahren sind, ging es trotzdem auf einen Schlag um zweieinhalb Sekunden schneller. So sollte es sein, wir brauchen die Slicks."

"Als ich 1998 zum ersten Mal mit Rillenreifen getestet habe, hatte ich einen Unfall, bei dem ich dachte, das Auto würde abbremsen, aber wegen des fehlenden mechanischen Grips drehte ich mich und es kam zum Crash. Ich halte das Griplevel der Reifen für wichtig. Wenn die ganze Lauffläche am Boden aufliegt, dann bringt das auch für die Sicherheit etwas."