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Wie stark ist Ferrari wirklich?

27. Februar 2008 - 23:05 Uhr

Für die meisten Experten ist Ferrari 2008 der erklärte WM-Favorit, es gibt aber auch Stimmen, die die Roten nicht einsam an der Spitze sehen

Felipe Massa
Felipe Massa war in Barcelona der schnellste Tester: 1:20.508 Minuten
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Ferrari war im zurückliegenden Testwinter das einzige Team, das auf jeder Strecke zumindest an einem Tag scheinbar mühelos Hammerzeiten aus dem Ärmel schütteln konnte, sodass die Mannen um Titelverteidiger Kimi Räikkönen als erklärte WM-Favoriten in die neue Saison starten. Aber wie stark ist Ferrari wirklich?

Die vergangenen zwei Testwochen in Barcelona wiesen zwar Felipe Massa mit 1:20.508 Minuten als Gesamtschnellsten aus, aber heute konnte Jarno Trulli unter Qualifyingbedingungen eine ebenfalls beachtliche Bestzeit von 1:20.801 Minuten erzielen. Man weiß: Ferrari hat am vergangenen Freitag genau wie Toyota heute ein Qualifying simuliert - womit man sich die Frage stellen muss: Beträgt der Vorsprung auf Toyota wirklich nur drei Zehntelsekunden?

Zeiten variieren von Strecke zu Strecke

Dies kann zweierlei bedeuten: Entweder ist Toyota stärker als erwartet oder Ferrari doch nicht so überlegen, wie viele glauben. Renault-Chefingenieur Pat Symonds ist einer der wenigen Verfechter dieser Theorie, wie er der Internetseite von 'auto motor und sport' anvertraute: "Die Rundenzeiten sind nicht immer eindeutig, das Bild schwankt von Strecke zu Strecke." Dies sei in diesem Jahr wegen der knappen Abstände noch extremer als sonst.

Fernando Alonso
Renault hat offenbar noch nicht gezeigt, was wirklich im R28 steckt
© xpb.cc

Symonds sieht Ferrari zwar an der Spitze, aber nicht in einer eigenen Welt, sondern mit einem starken Verfolgerpaket in Schlagdistanz: "Nach unseren Berechnungen ist McLaren Teil dieser großen Gruppe, zu der auch noch BMW, Red Bull, Williams und wir gehören. Da liegen je nach Strecke nur drei Zehntel zwischen dem Besten und dem Schlechtesten. Die Tagesform entscheidet", gab der analytische Brite zu Protokoll.

Renault also doch so stark? Symonds' Aussage legt den Verdacht nahe: Fernando Alonso hat noch nicht gezeigt, was wirklich im R28 steckt - genau wie übrigens auch das BMW Sauber F1 Team, das sich in Sachen F1.08 am ehesten um die Zuverlässigkeit Sorgen machen muss. Die anfänglichen Balanceprobleme hat die Designmannschaft um Willy Rampf laut Nick Heidfeld inzwischen beseitigt, "Hirschgeweih" und Co. scheinen ihren Zweck zu erfüllen.

Aber dann ist da noch Niki Lauda, der felsenfest davon überzeugt ist, dass Ferrari in Melbourne nicht zu schlagen sein wird - seiner Meinung nach haben die Roten momentan "unter vollen Rennbedingungen 0,5 bis 0,8 Sekunden" Vorsprung. Ferrari-Generaldirektor Jean Todts Kommentar geht ebenfalls in diese Richtung: "Wir sind zufrieden, die Situation ist ermutigend. Aber wir müssen die Rennen abwarten - hoffen wir auf das Beste", sagte er der 'Gazzetta dello Sport'.

Todt ist vorsichtig optimistisch

Michael Schumacher
Stellt dem neuen Ferrari erstklassige Noten aus: Michael Schumacher
© xpb.cc

"Wir haben zwei exzellente Fahrer und es sieht so aus, als sei auch das Auto gut", fügte er optimistisch an. Am meisten Zuversicht schöpft der "Napoleon" der Italiener aber aus den Aussagen von Michael Schumacher nach dessen Aushilfstest am Montag in Barcelona: "Er hat mich am gleichen Abend angerufen und gesagt, dass er zufrieden ist. Er hat mir gesagt, die Situation ist ermutigend - und wenn Michael das sagt, kann ich es auch sagen. Aber warten wir ab."

Kein Geheimnis mehr: Ferrari hat die Umstellung auf die Einheitselektronik hervorragend gemeistert und den V8-Motor sehr fahrbar gemacht, was in diesem Jahr eines der großen Erfolgsgeheimnisse sein könnte - weil die Fahrer erstens mehr Vertrauen ins Auto haben, wenn sich die Kraftentfaltung leichter kontrollieren lässt, und weil zweitens die Reifen weniger schnell verschlissen werden. Das haben auch die Ferrari-Kunden Toro Rosso und Force India schon erfreut festgestellt.

Unterm Strich sind aber alle Vermutungen eben nur Vermutungen, niemand weiß wirklich, wer im Qualifying in Melbourne die Nase vorne haben wird. Ferrari und McLaren-Mercedes wirken am stärksten, aber was sich dahinter abspielen wird, ist völlig offen. Und somit gilt auch 2008 wieder eine alte Formel-1-Weisheit, die wohl die einzige Konstante im Spekulationsgewirr ist: "Only when the flag drops, the bullshit stops..."

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