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Wie gefährdet ist Melbourne wirklich?

04. Februar 2008 - 10:15 Uhr

Bernie Ecclestone droht dem Australien-Grand-Prix mit der Absage, aber wer genauer hinschaut, erkennt dies als Schuss vor den Bug

Ron Walker und Bernie Ecclestone
Enge Vertraute: AGPC-Chef Ron Walker und Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Seit 1996 wurde die Formel-1-Saison - mit einer einzigen Ausnahme - immer im Melbourner Albert Park eröffnet, aber seit Bernie Ecclestone vergangene Woche erstmals mit der Absage des Events gedroht hat, steht ein Fragezeichen hinter dem Australien-Grand-Prix. Wer genauer hinschaut, erkennt diese Drohung aber als Schuss vor den Bug.

Man muss wissen: Ron Walker, der Chef der Australian Grand Prix Corporation (AGPC), die das Formel-1-Rennen ausrichtet, ist einer der engsten Verbündeten des britischen Grand-Prix-Zampanos. Also wäscht eine Hand die andere: Walker tut sich schwer, seine Millionenverluste aus dem Steuertopf des Bundesstaats Victoria rückerstattet zu bekommen, aber eine Absage will auch niemand. Ecclestones Warnung könnte Walker das Leben also ein bisschen einfacher machen...


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AGPC braucht 20 Millionen Euro

Die AGPC hat mit der Formel 1 2007 einen Verlust von mehr als 20 Millionen Euro geschrieben, für den irgendjemand aufkommen muss. Die Politik will das aber nur ungern tun, schließlich ist der Grand Prix im idyllischen Albert Park gerade unter Umweltschützern ohnehin nicht unumstritten. Andererseits lässt der Formel-1-Zirkus Jahr für Jahr über 80 Millionen Euro in der Stadt, so dass Walkers Bitte um Unterstützung eigentlich gerechtfertigt erscheint.

Bekannt ist auch, dass Melbourne wesentlich weniger Gebühren an Ecclestone zahlt als etwa die asiatischen Events in Bahrain oder China, wo Geld keine Rolle spielt. Also schlug der Brite als Kompromiss ein Nachtrennen vor, das er wegen der günstigeren Sendezeiten in Europa besser verkaufen könnte. Diesbezüglich kam aber eine Absage von der Politik: "Wir haben klargemacht, dass es kein Nachtrennen geben wird", so Victorias Tourismusminister Tim Holding.

Holding betonte gleichzeitig, jeder Vorwurf, seine Regierung unterstütze die AGPC nicht, sei "schlicht und einfach falsch", aber: "Wir wollen den Grand Prix nicht verlieren, wir wollen aber auch den Preis dafür nicht bezahlen. Es muss ein Kompromiss sein." Erster Schritt in die richtige Richtung: Das Rennen am 16. März startet um 15:30 statt um 14:00 Uhr Ortszeit, so dass die europäischen Formel-1-Fans anderthalb Stunden länger schlafen können.

Vertrag läuft 2010 aus

"Dieser Kompromiss", freute sich Walker, "wurde von Herrn Ecclestone akzeptiert, aber gleichzeitig denke ich, dass das nur ein erster Schuss vor den Bug war, was die Verhandlungen mit der Regierung über eine Verlängerung unseres Vertrags angeht." Dieser läuft nämlich nur noch bis 2010 zu den aktuellen Konditionen - und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Ecclestone mehr Geld verlangen wird als bisher.

Skyline von Melbourne
Die Kulisse der Formel-1-Strecke in Melbourne ist sehr beeindruckend
© xpb.cc

Eine Berechtigung habe der Grand Prix auf jeden Fall: "Wir sind das bestbesuchte Formel-1-Rennen der Welt - niemand sonst hat 300.000 Zuschauer. Können wir ein Nachtrennen austragen? Nein. Das ist zu teuer. Aber wir haben uns ja auf den Kompromiss mit der veränderten Startzeit eingelassen. Dadurch werden wir in Europa mehr Zuschauer haben", gab Walker zu Protokoll - und er lobte seinen Freund Ecclestone demonstrativ als "einen der klügsten Geschäftsleute der Welt".

Kubica ist ein Fan von Melbourne

Der Formel-1-Zirkus selbst kommt sehr gerne nach Melbourne; der Event zählt neben Montréal in Kanada zu den beliebtesten und stimmungsvollsten auf dem Kalender. Robert Kubica findet auch die Strecke klasse: "Melbourne ist interessant. Ich bin ein großer Fan von Straßenkursen, daher ist der Australien-Grand-Prix einer meiner liebsten. Im Park fühlt man sich nicht wie auf einer Rennstrecke, sondern inmitten der Natur. Das ist ein tolles Gefühl", so der BMW Sauber F1 Team Pilot.

Fazit: Ecclestones warnende Aussagen in Richtung Australien waren wohl nur der Anfang des Vertragspokers um die Zukunft des Rennens, weil er natürlich sein Gegenüber unter Druck setzen möchte, um möglichst gute Karten zu haben. Dessen ist sich auch Walker durchaus bewusst: "Herr Ecclestone hat die Verhandlungen eröffnet. Lasst uns das Spiel beginnen!" Und auf einen positiven Ausgang hoffen...