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Rassismusaffäre: Webber erzürnt, Hamilton gelassen

13. Februar 2008 - 11:45 Uhr

Während die rassistischen Übergriffe an Lewis Hamilton abprallen, geht Mark Webber mit britischen und spanischen Medien hart ins Gericht

Reb Bull
Mark Webber kann die aktuelle Rassismus-Diskussion nicht mehr hören
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Mit viel Spannung war die Rückkehr von Lewis Hamilton nach Spanien erwartet worden. Nach den rassistischen Verunglimpfungen durch spanische Fans bei den Testfahrten in Barcelona vor gut einer Woche war man gespannt, wie der dunkelhäutige Formel-1-Star in Jerez empfangen werden würde. Bei seiner Ankunft auf der andalusischen Strecke passierte genau nichts - und zwar gar nichts. Und das ist auch gut so. Trotzdem sorgen die Vorfälle immer noch für Diskussionen.

Red-Bull-Pilot Mark Webber greift im Interview mit 'BBC Sport' nun die britischen und spanischen Medien scharf an: "Es waren einige wenige, die da außer Kontrolle waren, und an den paar Leuten wurde alles aufgehängt. Die einzelnen Verursacher müssen bestraft werden, aber die Sache jetzt auf den gesamten Sport oder ein ganzes Land auszuweiten, ist vollkommen falsch", so der Australier. Die Berichterstattung vor allem in den britischen Medien sei nach seiner Meinung total überzogen gewesen.

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"Da waren am Sonntag ganz viele Familien mit kleinen Kindern, und die willst du jetzt mit den Tätern in einen Sack stecken?", fragt Webber. Nach Aussage der Streckenbetreiber soll die Gruppe derer, die Hamilton bei den Testfahrten in Barcelona verhöhnt und verbal angegriffen hatten, nur etwa zehn Menschen umfasst haben. Einer davon hat sich bereits in britischen Medien zu Wort gemeldet und behauptet, alles sei nur Spaß gewesen und die Verkleidung ein Karnevalsgag.

Webber schließt Rassismus nicht aus

"Die Leute werden Lewis nicht mögen und sie mochten auch Michael Schumacher nicht."
Mark Webber

"Wir werden zwei Rennen in Spanien haben, die werden gut besucht sein und die Leute werden Lewis nicht mögen - aber so ist das nun einmal. Die Leute mochten auch Michael Schumacher nicht. Möglicherweise ist im Fall Hamilton wegen seiner Hautfarbe tatsächlich hier und da ein rassistischer Hintergedanke dabei, aber dann muss man eben einen Weg finden, solche Übergriffe zu verhindern", so Webber weiter.

Die Streckenbetreiber in Barcelona haben auf dringendes Ersuchen der FIA bereits einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, mit welchem ähnliche Vorfälle in Zukunft verhindert werden sollen. Darin ist unter anderem von schärferen Kontrollen die Rede, die Webber allerdings nicht gern sähe: "Wir wollen keine Flughafen-Kontrolle beim Grand Prix, wo dann irgendjemand deine Taschen durchsucht, um festzustellen, ob du auch nicht zu viel Make-up dabei hast."

Nach Ansicht des Australiers solle man die Kirche im Dorf lassen und einfach solide Kontrollmechanismen an den Strecken nutzen: "So professionell, wie wir organisiert sind, müssen wir es gar nicht so weit kommen lassen. Wir können das Problem viel eher an der Wurzel packen. Wir müssen einfach jetzt gegen die einzelnen Verursacher vorgehen." Die gesamte Situation sei mittlerweile völlig aus dem Ruder gelaufen, glaubt Webber.

Hamilton zieht Kraft aus Musik

"Du musst einfach über den Dingen stehen."
Lewis Hamilton

Vollkommen cool und gelassen nimmt derweil der Betroffene selbst die aktuellen Diskussionen um rassistische spanische Fans hin. Lewis Hamilton ließ sich bei seiner Rückkehr nach Spanien überhaupt nichts anmerken und tat das, was er am besten kann: Autofahren. Mit der Gleichgültigkeit eines alten Hasen fuhr er seinen neuen McLaren MP4-23 zur Tagesbestzeit bei den Jerez-Tests.

Hamilton zieht seine Kraft aus dem Kultfilm "Cool Runnings", wo eine Gruppe nur mäßig sportlicher, jamaikanischer Bobfahrer bei den Olympischen Spielen immer wieder belächelt wird und am Ende doch das Ziel erreicht. Der Brite sagte der 'Antigua Sun': "In dem Film gibt es das Lied 'Rise Above It' und genau das hat mir in harten Zeiten immer wieder geholfen - du musst einfach über den Dingen stehen."

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