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Formel-1-Countdown 2008: Timo Glock

27. Februar 2008 - 11:27 Uhr

Vier Grands Prix hat Toyota-Neuzugang Timo Glock 2004 schon bestritten, 2008 ist aber seine erste volle Saison in der Formel 1

Timo Glock und Tadashi Yamashina
Ein Traum wird wahr: Timo Glock nach der Unterschrift mit Tadashi Yamashina
© Toyota

(Motorsport-Total.com) - Am 16. März beginnt mit dem Grand Prix von Australien in Melbourne die neue Formel-1-Saison. 'Motorsport-Total.com' veröffentlicht aus diesem Anlass jeden Tag einen Artikel aus der Countdown-Reihe - zu den fünf deutschen Stammfahrern und den elf Teams. Heute: Timo Glock.

Was viele schon wieder vergessen haben: Schon am 13. Juni 2004 hat Glock als damals 22-Jähriger im kanadischen Montréal seinen ersten Grand Prix bestritten! Im Vorfeld des Rennwochenendes hatten die Sponsoren von Stammfahrer Giorgio Pantano ihre fälligen Zahlungen nicht überwiesen, sodass Eddie Jordan der Geduldsfaden platzte und er seinem jungen Testfahrer die Chance auf das Debüt in der Königsklasse gab.

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WM-Punkte bei der Formel-1-Premiere

Timo Glock
In Montréal 2004 kam Timo Glock unerwartet zu seinem Grand-Prix-Debüt
© xpb.cc

Glock schlug sich auch durchaus achtbar, landete im Qualifying nur eine Position hinter seinem Teamkollegen Nick Heidfeld und fuhr im ausfallsreichen Rennen bis auf Rang sieben - also in die Punkteränge - nach vorne. Das erzählt freilich nur die halbe Wahrheit, denn eigentlich wurde er nur deswegen vom elften Platz nach vorne gespült, weil die Teams Williams und Toyota aufgrund von zu großen Bremsbelüftungen nachträglich disqualifiziert wurden.

Dennoch hatte er in der Königsklasse mal seine Duftmarke gesetzt, aber abgesehen von drei weiteren Renneinsätzen als Pantano-Ersatz im gleichen Jahr ergaben sich vorerst keine anderen Möglichkeiten in der Formel 1. Glock, 2001 Meister in der Formel BMW, 2002 Dritter in der Deutschen Formel 3 und 2003 Fünfter in der Formel-3-Euroserie, musste sich also nach neuen Alternativen umsehen - und landete 2005 als bester Rookie in der ChampCar-Serie.

Warum es damals nicht sofort mit der Formel 1 geklappt hat, erklärt Glocks Manager Hans-Bernd Kamps heute so: "Wir waren noch zu grün hinter den Ohren - der Manager wahrscheinlich sogar mehr als der Fahrer." Aber das auch freundschaftlich eng zusammengewachsene Duo verschaffte sich in Nordamerika Respekt und wagte 2006 den mutigen Schritt zurück in die GP2, um doch noch einen Anlauf auf den Grand-Prix-Sport zu unternehmen.

In der GP2-Saison 2007 ohne Konkurrenz

Timo Glock
In der GP2-Serie durfte Timo Glock im Vorjahr viel Champagner trinken...
© xpb.cc

Der Rest der Geschichte ist bekannt: Glock fuhr im hoffnungslos unterlegenen BCN-Auto dem Feld am Anfang des Jahres hinterher, wechselte dann aber in einer tapferen und finanziell nicht ganz simplen Hauruckaktion mitten in der Saison zu iSport und etablierte sich dort prompt als Nummer eins im Team und Spitzenfahrer in der Meisterschaft. 2007 folgte dann der Titel - als dritter GP2-Champion nach Nico Rosberg und Lewis Hamilton.

Nun also Toyota. Interessant daran ist, dass der 25-Jährige Speed-Academy-Juror ausgerechnet seinen Landsmann Ralf Schumacher beerbt. Doch abgesehen von der Nationalität haben die beiden wenig gemeinsam: Schumacher musste sich immer wieder teaminterne Kritik gefallen lassen, weil seine Arbeitsmoral gerade in schwierigen Zeiten angeblich oft zu wünschen übrig gelassen hat, wohingegen Glock als emsiger Arbeiter gilt, der selten vor den Ingenieuren zu Bett geht.

Eine Kämpfernatur wie aus dem Bilderbuch

Timo Glock
Als Testfahrer des BMW Sauber F1 Teams hat Timo Glock viel dazugelernt
© xpb.cc

"Ich denke, Toyota ist ein guter Einstieg für Timo", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Sven Heidfeld. "Er hat in der Vergangenheit echt mutige Entscheidungen getroffen: Aus den USA zurück und dann über ein schlechtes GP2-Team mitten in der Saison zu einem guten - also er hat die Formel 1 echt verdient! Jetzt muss er zeigen, ob er dem Druck gewachsen ist, denn er muss ein ganzes Team und das Auto mitentwickeln. Timo zeichnen Mut, Biss und extremer Ehrgeiz aus."

Glock hat heute zwar mit seinem Manager und der Deutschen Post zwei starke Partner im Rücken, aber er gehört nicht zu den verwöhnten Racing-Kids, denen alles in den Schoß gefallen ist - im Gegenteil: Wie kaum ein anderer musste er sich jeden Schritt in seiner Karriere beinhart erarbeiten, was sich auch auf sein Verhalten auf der Rennstrecke ausgewirkt hat. Sein Kämpferherz bescherte den Fans in der GP2 viele tolle Zweikämpfe - und fiel Toyota-Boss John Howett besonders auf.

Aber auch in der Formel 1 hat der Wersauer kein leichtes Spiel, denn sein Teamkollege Jarno Trulli - Monaco-Sieger von 2004 - gilt als einer der schnellsten Fahrer auf eine Runde: "Trulli wird sein Maßstab sein", weiß unser Formel-1-Experte Marc Surer. "Von dem wissen wir, dass er in der Qualifikation sehr schnell ist, aber im Rennen ist er zu knacken. An ihm muss sich Timo orientieren - egal ob der Toyota auf Platz zehn steht oder auf Platz drei."

Das Team ist das Sorgenkind

Timo Glock
Es wird ernst: Für Toyota bestreitet Timo Glock seine erste volle Saison
© xpb.cc

Der Schweizer macht sich um Glock "überhaupt keine Sorgen", denn "dass er talentiert ist und dass er es auf die Reihe kriegt, das hat er bewiesen, als er in Amerika und in der GP2 gefahren ist." Ein chronisches Sorgenkind ist dafür aber das Toyota-Team, das trotz des Jahresetats von geschätzten 400 Millionen Euro seit Jahren der Spitze hinterherfährt - und auch bei den Wintertests bisher nicht wirklich überzeugen konnte.

Eines spricht freilich für Glock: Er kommt als Jungspund und ohne Vorurteile neu ins Toyota-Team, kann somit vielleicht neue Impulse setzen und die Mannschaft motivieren. Gleichzeitig ist er aber für sein Alter schon recht erfahren - auch auf die Formel 1 bezogen, schließlich war er im vergangenen Jahr Testfahrer für das BMW Sauber F1 Team. Und auch 2008 hat er schon mehr als 5.500 Testkilometer zurückgelegt. Fleißiger war nur Nick Heidfeld...

Saisonstatistik 2007:

Fahrerwertung: -
Durchschnittlicher Startplatz: -
Bestes Ergebnis Qualifying: -
Bestes Ergebnis Rennen: -
Ausfallsrate: -
Bisherige Testkilometer 2008: 5.567 (2.)