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Trulli: "Manchmal weinen wir gemeinsam"

13. Januar 2008 - 17:57 Uhr

In einem Formel-1-Rennstall ist Kooperation das A und O - Toyota und Trulli gewähren Einblicke in teaminterne Strukturen an der Rennstrecke

Jarno Trulli
Jarno Trulli kommt mit seinen Jungs gut aus - mit ihnen teilt er Freud und Leid
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - "Die Formel 1 steht niemals still" - dieses Zitat von Damon Hill kann man auf jeden Bereich des Ecclestone-Zirkus beziehen. Aus kleinen Werkstätten voller rennsportverrückter Mechaniker sind kleine Konzerne geworden, die 18 mal im Jahr ihr Hauptquartier wechseln. Und das ist mit einigen Aufwand verbunden.

Um einen Formel 1 überhaupt auf die Rennstrecke zu bringen, muss eine Umgebung geschaffen werden, die 80 Team-Mitgliedern sauberes Arbeiten ermöglicht. Die leere Garage muss eingeräumt und mit Werkzeugen, Computern und allerlei IT-Geräten ausgestattet werden. Insgesamt acht Stunden dauert es, bis eine Formel-1-Garage vollständig eingeräumt ist.

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Rennwagen in Einzelteilen

Neben den unzähligen Werkzeugen, Telemetrie-Geräten und sonstigen Zubehör schleppen die Teams auch einen riesigen Satz an Ersatzteilen mit - man will für jeden erdenklichen Zwischenfall gerüstet sein. Wer dabei lediglich an mehr Reifen und etwas zusätzliches Motoröl denkt, liegt völlig falsch.

Toyotas Teammanager Richard Cregan erklärt: "Man braucht normalerweise genug zusätzliche Teile im LKW, um damit ein zweites Auto bauen zu können. Im Endeffekt hat man so also immer vier vollständige Autos dabei, eines in Einzelteile zerlegt und drei zusammengebaute Wagen. Das ist zu Saisonbeginn etwas schwieriger, weil man ein neues Auto hat und neue Spezifikationen, aber so lautet das Ziel, was wir haben."

Das Wichtigste ist eine gute Atmosphäre

Als Teammanager obliegt ihm dabei weniger die technische Seite, als vielmehr dafür Sorge zu tragen, dass alle Team-Mitglieder, Fahrer, Ingenieure, Mechaniker, Marketing-Angestellte, Catering-Personal und PR-Leute einen angenehmen Arbeitsplatz haben: "Wir können von der Logistik-Abteilung aus die Performance des Wagens nicht so sehr beeinflussen, aber wir können mit Sicherheit die Atmosphäre schaffen, die es den Leuten ermöglicht, gut zu arbeiten."

In der Formel 1 zu arbeiten, ist ein Knochenjob und nur unter optimalen Arbeitsbedingungen kann man diesen bewältigen: "Man hat recht oft sehr lange Tage und die Leute arbeiten bis spät in die Nacht. Es ist sehr wichtig, sicherzustellen, dass diese Leute die richtige Umgebung vorfinden, um ihre Aufgaben zu erledigen und das ist unsere Herausforderung", erklärt Cregan.

Apropos Knochenjob: Ein Renningenieur hat mehr Arbeitsstationen, als alle anderen Mitglieder eines Grand-Prix-Rennstalls. Von seinem Büro im Truck oder von seiner Station in der Garage während des Training, oder vom Kommandostand während des Qualifyings oder Rennens aus ist er ständig mit dem Fahrer in Verbindung. Er ist die Verbindung zwischen dem Fahrer und dem restlichen Ingenieur- und Mechanikerstab.

Die Zusammenarbeit zwischen Renningenieur und Fahrer

Alle Telemetriedaten nützen nämlich nichts, wenn man vom Fahrer kein Feedback erhält - nur wenn sich ein Pilot im Cockpit absolut wohl uns sicher fühlt, kann er seine Bestleistungen abrufen. Und ob das der Fall ist kann niemand besser beurteilen, als der Fahrer selbst. Und da Siege und Erfolg immer wichtiger werden, hängt der Renningenieur pausenlos an den Lippen des Fahrers, um jedes Detail über das Fahrverhalten zu analysieren und mit den Telemetriedaten zu verflechten.

Dabei ist es immens wichtig, dass ein Fahrer zu seinem Renningenieur ein gutes Verhältnis hat. Dies kann sogar über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Gianluca Pisanello kann sich als Renningenieur von Jarno Trulli nicht über ein schlechtes Verhältnis zum Italiener beschweren: "Jarno benimmt sich nicht wie ein Superstar. Er mag die einfachen Dinge, er mag es, mit Freunden zusammen zu sein, er steht nicht gerne im Rampenlicht. Aber das Wichtigste für mich ist, dass er, sobald er ins Auto springt, extrem schnell ist."

Wie stark das Verhältnis zwischen Trulli und seinen Mannen ist, beschreibt der Toyota-Pilot selbst: "Es besteht eine sehr starke Bindung zwischen einem Fahrer und seinen Mechanikern. Man darf nicht vergessen, dass unser Leben in ihrer Hand liegt. Sie arbeiten sehr hart an meinem Auto, sie machen sehr wenige Fehler und machen einen guten Job. Wir haben eine starke Beziehung miteinander."

Dabei durchläuft man gemeinsam alle Arten von Höhen und Tiefen: "Ich muss zugeben, dass ich sie im Laufe einer Saison mehr sehe, als meine Familie, weil wir mehr Zeit miteinander verbringen. Wir kommen gut miteinander aus, manchmal essen wir gemeinsam zu Abend, wir lachen und lächeln gemeinsam, manchmal weinen wir sogar gemeinsam, aber das ist Teil des Jobs."

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