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Surer "erstaunt" über jammernde Formel-1-Stars

22. Januar 2008 - 12:31 Uhr

David Coulthard und Co. finden es zu gefährlich, ohne Traktionskontrolle im Regen zu fahren, was Experte Marc Surer nicht nachvollziehen kann

Lewis Hamilton
Grand Prix in Fuji 2007: Gegen die Gischt hilft auch die Traktionskontrolle nicht...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Wenn am 16. März im australischen Melbourne endlich wieder die Formel-1-Motoren im Rennbetrieb dröhnen, wird etwas anders sein als in den vergangenen Jahren: Elektronische Fahrhilfen wie Traktionskontrolle und Co. sind nämlich ab der Saison 2008 verboten, was die Bedeutung des Fahrers wieder mehr in den Mittelpunkt rücken sollte.

Gerade die Fahrer hatten sich dafür in den vergangenen Jahren immer wieder eingesetzt, aber jetzt, wo ihr Vorschlag endlich in die Tat umgesetzt wird, entwickelt sich plötzlich eine Gegenbewegung: Einige der hochbezahlten Grand-Prix-Stars, allen voran David Coulthard, finden es nämlich zu gefährlich, speziell auf nasser Strecke ohne Traktionskontrolle zu fahren. Nach dem ersten Regentest des Winters in Jerez hatte sich auch Lewis Hamilton darüber beklagt, dass er gerade deswegen zweimal abgeflogen sei.

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Früher war es viel schwieriger

"Wir sind mit 1.000 PS im Regen ohne Traktionskontrolle gefahren, mit Turbos, die schlagartig eingesetzt haben."
Marc Surer

'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer ist über diese Diskussion "ein bisschen erstaunt", denn: "Wir sind zurück von 900 PS auf 750, wir haben sehr sichere Autos. Natürlich gibt es das Problem der Sicht im Regen, aber das hat ja mit den elektronischen Fahrhilfen nichts zu tun", analysiert er. Es sei zwar "müßig", immer von der Vergangenheit zu schwärmen, "aber wir sind mit 1.000 PS im Regen ohne Traktionskontrolle gefahren, mit Turbos, die schlagartig eingesetzt haben. Da haben die Räder auch im sechsten Gang durchgedreht."

Generell entsteht bei vielen Fans langsam der Eindruck, dass der Grand-Prix-Sport durch übertriebenes Sicherheitsdenken kaputt gemacht wird - niemand will lebensbedrohliche Unfälle sehen, aber dass die Fahrer wieder etwas mehr Einfluss zurückerlangen, wünschen sich im Grunde genommen alle. Diese Meinung ist in verschiedenen Diskussionsforen im Internet ebenso weit verbreitet wie übrigens auch im Büro von FIA-Präsident Max Mosley in Paris.

Mosley hat vor einiger Zeit das Argument ins Spiel gebracht, dass im Regen ohnehin niedrigere Kurvengeschwindigkeiten erzielt werden und das Verletzungsrisiko somit logischerweise geringer ist als im Trockenen. Die Häufigkeit der Unfälle ist im Regen allerdings größer. Surer hält dem entgegen: "Es ist immer gefährlich, im Regen zu fahren, aber wir wollen ja den besten Fahrer finden - und den findet man einfacher ohne Traktionskontrolle als mit."

Für die Jungen ist es zu einfach

"Es kann nicht sein, dass ein Fahrer aus der Formel 3 sich in den Formel 1 setzt und sofort die Zeiten der arrivierten Stars fährt."
Marc Surer

"Was man bis jetzt gesehen hat, dass es etwas mehr Abflüge gibt, tut der Formel 1 nur gut. Davor war es zu einfach. Es kann einfach nicht sein, dass ein junger Fahrer aus der Formel 3 sich in den Formel 1 setzt und sofort die Zeiten der arrivierten Stars fährt. Da stimmt etwas nicht! Genauso war es bisher. Ich glaube, jetzt hat sich das schon ein bisschen geändert. Das ist der richtige Weg", unterstützt der ehemalige Grand-Prix-Pilot das Verbot von Traktionskontrolle und Co.

Und er bringt auch eine konkrete Vision ins Spiel, wie die Formel 1 im Idealfall aussehen sollte: "Meiner Meinung nach braucht die Formel 1 keine Traktionskontrolle, dafür aber Slicks und 1.000 PS. Dann würde der Fahrer wirklich was gutmachen können, denn je schwieriger das Auto zu fahren ist, desto besser kann sich der wirklich gute Fahrer von den anderen absetzen." Zumindest die ersten zwei Punkte könnten ja schon ab 2009 erfüllt werden...

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