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Honda setzte alles auf die Karte Brawn

06. Dezember 2007 - 11:51 Uhr

Nick Fry ist heilfroh, dass es mit der Verpflichtung von Ross Brawn als Teamchef geklappt hat, denn einen Alternativplan hatte Honda nicht

Ross Brawn und Nick Fry
Nick Fry ist sehr stolz darauf, dass er Ross Brawn verpflichten konnte
© Honda

(Motorsport-Total.com) - Am Dienstag war Neo-Teamchef Ross Brawn bei den Testfahrten in Jerez erstmals am Honda-Kommandostand - und er zeigte sich von seinen ersten Eindrücken angenehm überrascht. Der Brite ist davon überzeugt, dass er die zuletzt krisengeschüttelte Truppe, die ja unbestritten über erstklassige Ressourcen verfügt, wieder an die Spitze führen kann.

Verantwortlich für Brawns Verpflichtung war übrigens ausgerechnet sein Vorgänger als Teamchef, Nick Fry, der künftig nur noch in den strategischen Bereich involviert sein wird, sich aber nicht mehr ins sportliche Geschehen einmischen soll - mit der Ausnahme natürlich von Personalentscheidungen. Fry wollte Brawn unbedingt als Heilsbringer nach Brackley holen und nahm deshalb schon früh mit dem Ex-Ferrari-Mann Kontakt auf.

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Sechs Monate Überzeugungsarbeit

Bis er seinen Landsmann zur Unterschrift gebraucht habe, seien allerdings "sechs Monate harter Arbeit" notwendig gewesen: "Als ich ihn zum ersten Mal kontaktiert habe, waren wir nur eines von vielen Teams, das in Kontakt mit ihm stand, aber ich denke, ich habe den Unterschied gemacht. Ich erhielt von ihm eine positive Reaktion, auch eine sehr freundliche - er bekundete sein Interesse", erinnerte sich Fry gegenüber 'autosport.com'.

"Er wollte mit uns aber nicht sprechen, solange er noch mit Ferrari sprach, also hielt ich einfach auf einer regelmäßigen, freundlichen und gesellschaftlichen Ebene Kontakt zu ihm", meinte er weiter. In dieser Phase sah es nicht immer gut aus: "Gegen Jahresmitte dachte ich ehrlich gesagt, dass er zu Ferrari zurückkehren würde, aber mir war auch klar: Wenn es nicht Ferrari wird, dann wir! Diesbezüglich hatte ich ein sehr gutes Gefühl."

Um zu unterstreichen, wie sehr Honda ihn möchte, lud Fry Brawn zu einer gemeinsamen Reise nach Japan ein, wo die höchste Managementebene klarstellte, dass sie das Formel-1-Genie unbedingt haben will. Das war am Freitag - am Montagabend war die Tinte unter dem Vertrag trocken: "Ich wollte Ross unbedingt haben. Wenn wir ihn nicht bekommen hätten, dann hätten wir mit den bisherigen Leuten weitergemacht", gab Fry im Nachhinein zu.

Keine Eifersüchteleien

Zu internen Eifersüchteleien wird es also voraussichtlich nicht kommen, denn auch wenn Fry seinen bisherigen Posten als Teamchef abgeben musste und sich nun nur noch Geschäftsführer nennen darf, war er es ja selbst, der es so haben wollte. Denn die Zielsetzung für ihn ist klar: "Meine Aufgabe ist es, das Beste aus dem Honda-Team herauszuholen - in welcher Form auch immer", erklärte er in Jerez.

"Ross hat in Wahrheit einen ähnlichen Job wie bei Ferrari, denn auch dort kam er zu vielen Meetings mit Jean (Todt; Anm. d. Red.). Ich halte Jean für einen guten Manager, aber Ross war bei Ferrari mehr als nur ein Ingenieur. Bei uns wird er Ingenieur sein, aber auch bei Entscheidungen mitbestimmen. Ich fand es immer gut, wie Ross und Jean zusammengearbeitet haben, und ich möchte selbst ähnlich mit Ross zusammenarbeiten", erläuterte Fry.

Konkrete sportliche Ziele werden bei Honda für 2008 nicht definiert, weil man weiß, dass nach der Katastrophensaison 2007 erst einmal aufgeholt werden muss. Spätestens 2009 will man aber auf die Siegerstraße zurückkehren: "Ross Brawn wäre nie zu Honda gegangen, wenn er nicht daran glauben würde, Weltmeisterschaften gewinnen zu können. Das wird aber vielleicht noch nicht im nächsten oder übernächsten Jahr passieren", meinte Fry abschließend.