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Glock: Ein Auto wie ein Maßanzug

10. Dezember 2007 - 20:41 Uhr

"Man muss eins sein mit dem Auto" - deshalb schneiderte Timo Glock in Jerez den Toyota TF107 genau auf seine Bedürfnisse zu

Timo Glock
Timo Glock überzeugte in Jerez durch eifrige - und lange - Arbeit
© xpb.cc

(MST/Speed-Academy.de) - Timo Glock mutierte in Jerez zu einem wahren Nachtmenschen. Bei seinen ersten Testfahrten für Toyota fuhr er vom Hotel Montecastillo an die Strecke, als es noch dunkel war. Und abends blieb er bis lange nach Sonnenuntergang auf der andalusischen Testbahn. "Es bringt ja nichts, wenn ich im Hotel liege und die Ingenieure sagen: 'Jetzt hätte man Timo noch was fragen können.'", begründet er. "Ich war immer so lange im Fahrerlager, bis sogar die Ingenieure sagten: 'Morgen ist auch noch ein Tag.'"

Zu Beginn der Testwoche passte Glock den Toyota an seine Bedürfnisse an. "Man muss als Fahrer eins sein mit dem Auto", weiß der Odenwälder. "Denn gerade in der Formel 1, in der alles sehr schnell und direkt geht, kommt es darauf an, dass man jede Reaktion des Autos sofort mitkriegt; dass man das Auto so gut kennt, dass man vorausahnen kann, wie es sich verhält; dass man immer genau weiß, was zu tun ist. Das geht nur, wenn man sich hundertprozentig mit dem Auto verwachsen fühlt."

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Glock feilte so lange an der Abstimmung seines TF107, bis der ihm passte wie ein guter Schuh. "Die Hauptaufgabe der ersten Tage war, den Wagen in ein Abstimmungsfenster zu bringen, das meinem Fahrstil taugt. Dabei haben wir schon vom ersten auf den zweiten Tag sehr große Fortschritte gemacht", blickt er zurück. "Es ging dabei vor allem um mechanische Änderungen, um das Auto an meinen Fahrstil anzupassen. Ich brauchte eine härtere Plattform, damit die Lenkbewegungen direkter umgesetzt werden als beim Basis-Setup, mit dem ich begonnen hatte. Das sind aber ganz normale Anpassungsarbeiten, die man konzentriert und schnell hinter sich bringen muss."

Blaue Flecke an den Beinen

Am Abend des zweiten Tages verzögerte sich der Feierabend bis 20.45 Uhr, weil Glock an der Box einen neuen Sitz aufschäumen lassen musste. "Ich hatte mit dem Sitz von Franck Montagny begonnen. Aber der ist erheblich größer als ich", verwies er auf den Toyota-Testfahrer aus Frankreich. "Franck saß deswegen auch ganz anders im Auto als ich, mit viel stärker angewinkelten Beinen. Wir haben seinen Sitz gepolstert, um mich unterzubringen. Aber das war nicht optimal. Unter den Oberschenkeln entwickelten sich bei mir Druckstellen, sodass ich nicht richtig bequem saß. Ich habe zwei dicke blaue Flecken unter den Beinen."

"Er arbeitet bis spätabends an der Strecke. Timo tut uns gut."
John Howett

Weil aber gerade eine optimale Sitzposition fürs Wohlfühlgefühl im Auto wichtig ist, erarbeitet Glock mit den Toyota-Technikern vor dem dritten Testtag noch einen neuen Sitz. Die Mühe wurde mit der fünftbesten Testzeit am Donnerstag belohnt. Einen Tag später war er mit der P6 nur unwesentlich langsamer. Toyota-Teamchef John Howett zeigte sich von Glocks Arbeitsweise beeindruckt. "Er arbeitet bis spätabends an der Strecke. Timo tut uns gut."

Glock selbst genoss dieses Lob und die Anerkennung der Ingenieure; manche Journalisten verglichen ihn bei einem Abendessen im Restaurant des Montecastillo sogar schon mit dem bekannt arbeitseifrigen Michael Schumacher. "Aber das ist nicht der Schumi-Weg", wiegelte Glock ab. "Ich gehe den Glock-Weg. Es ist doch ganz selbstverständlich, dass man hart arbeiten muss, um sich im Team einzufinden, in der Formel 1 zu etablieren und nach vorn zu kommen. Schumi hat sicher vorgemacht, wie so etwas geht. Aber ich habe mir das nicht von ihm abgeschaut - sondern ich arbeite so, wie ich es für richtig halte. Wenn das einige an Schumacher erinnert - umso besser. Das zeigt ja nur, dass ich nicht so falsch damit liege."