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Stewart: Darum habe ich für Silverstone gekämpft

24. November 2007 - 14:54 Uhr

Jackie Stewart erklärt, warum er jahrelang gegen Windmühlen für den Grand Prix in Silverstone gekämpft hat - Regierung in der Kritik

Jackie Stewart
Jackie Stewart setzt sich seit Jahren intensiv für den Silverstone-Grand-Prix ein
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Bis inklusive 2009 ist die Zukunft des Formel-1-Rennens in Silverstone vertraglich abgesichert, doch ob die Königsklasse des Motorsports auch danach eine Heimat in Großbritannien haben wird, steht noch in den Sternen. Die Kritik der Verantwortlichen an den Anlagen auf dem ehemaligen Militärflughafen reißt nämlich nicht ab.

Ein Mann, der sich in den vergangenen Jahren immer wieder für Silverstone stark gemacht hat, ist Jackie Stewart, seines Zeichens zwischen 2000 und 2006 Präsident des britischen Rennfahrerklubs BRDC. Dem BRDC gehört das "Home of British Motor Racing", wie sich Silverstone gerne selbst nennt - was gleichzeitig Segen wie auch Fluch ist: Einerseits haben Leute das Sagen, die sich mit der Materie auskennen, andererseits fehlen private Investoren, wodurch das Geld meistens knapp ist.

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Amtsübergabe an Nachfolger Hill

"Wenn wir das Rennen verlieren, dann verlieren wir die gesamte britische Motorsportindustrie."
Jackie Stewart

Stewart lieferte sich während seiner Amtszeit einen Kampf gegen Windmühlen und fühlte sich während seines Lobbyings bei Regierung, Geldgebern und Klubmitgliedern, die ihm auch nicht immer freundlich gesinnt waren, zunehmend isoliert. Daher war es auch an der Zeit, für frischen Wind im BRDC zu sorgen, weshalb er seine Präsidentschaft aufgab. Sein Nachfolger Damon Hill gilt als recht beliebt und verfolgt im Wesentlichen die gleichen Ziele.

"Wenn wir die Finanzierung verlieren, um die Anlagen in Silverstone zu verbessern", erklärt Stewart, "dann verlieren wir den britischen Grand Prix, und wenn wir das Rennen verlieren, dann verlieren wir die gesamte britische Motorsportindustrie." Und darum geht es eigentlich: Zwar wollen die Puristen natürlich auch in Zukunft ihre Helden Rad an Rad fighten sehen, aber nüchtern betrachtet ist der weltweit einzigartige Motorsportindustriecluster in der Region wesentlich wichtiger.

"Die Premier League", zieht Stewart einen Vergleich mit der ersten Liga im Fußball auf der Insel, "wird immer als die am besten geführte Fußballliga, aber die Industrie, die die Dressen und Schuhe herstellt, ist in anderen Ländern beheimatet. Im Gegensatz dazu ist der britische Motorsport an eine komplette hier ansässige Industrie angekoppelt." Daher wünscht sich der Schotte auch mehr Engagement von der Politik.

Nur der Sportminister zeigt Interesse

"Die Motorsportindustrie umfasst ungefähr 3.000 zugehörige Firmen, bei denen insgesamt 50.000 Menschen beschäftigt sind."
Jackie Stewart

Als kürzlich der Masterplan zur Rettung von Silverstone präsentiert wurde, war auch Sportminister Richard Caborn mit von der Partie, der der Formel 1 noch verhältnismäßig freundlich gesinnt ist. Aber die Formel 1 und die Politik haben auf der Insel grundsätzlich eine schwierige Beziehung zueinander, seit Bernie Ecclestone 1997 einen Millionenbetrag an die Labour-Partei des damaligen Premierministers Tony Blair gespendet hat, um diesen in puncto Tabakwerbeverbot umzustimmen.

"Die Motorsportindustrie umfasst ungefähr 3.000 zugehörige Firmen, bei denen insgesamt 50.000 Menschen beschäftigt sind", stellt Stewart beeindruckende Zahlen in den Raum. "Diese Firmen setzen pro Jahr fünf Milliarden Pfund (knapp sieben Milliarden Euro; Anm. d. Red.) um und exportieren 60 Prozent ihres Outputs. Wenn wir den Grand Prix verlieren, dann verlieren wir Job für Job, Team für Team auch die Industrie nach Deutschland, Frankreich, Italien und irgendwann auch China."

Sieben von elf Formel-1-Teams in Großbritannien

Silverstone
Silverstone bezeichnet sich selbst als "Home of British Motor Racing"
© xpb.cc

Von den elf derzeitigen Formel-1-Rennställen sind nur vier nicht im Umkreis von Silverstone beheimatet: Ferrari in Maranello (Italien), das BMW Sauber F1 Team in Hinwil (Schweiz), Toyota in Köln (Deutschland) und Toro Rosso in Faenza (Italien). Durch diese Konzentration der anderen sieben Teams im Norden der britischen Insel haben sich dort natürlich auch die wichtigsten Zulieferer und sonstigen Partner angesiedelt.

Daher ist das Rennen so wichtig für Silverstone, und Stewart findet aus eben diesem Grund auch, dass nicht nach London übersiedelt werden sollte, wie es sich Ecclestone wünscht. Der Bau einer neuen Strecke macht in seinen Augen sowieso "keinen Sinn", denn "Silverstone braucht Investment, aber selbst jetzt sind die Anlagen bei weitem nicht die schlechtesten der Welt." Die Standards der neuen Hermann-Tilke-Bauten können freilich auch nicht gehalten werden.

"Nur zwei Formel-1-Strecken", beschwert sich Stewart über mangelnde Unterstützung seitens der Politik, "werden nicht von der Regierung unterstützt - wir und Indianapolis. Aber Indiana stellt wenigstens alle Verkehrsmittel gratis zur Verfügung, während wir dafür 500.000 Pfund (knapp 700.000 Euro; Anm. d. Red.) bezahlen müssen. Wir bitten nicht um eine Spende, sondern um ein Investment in ein Rennen und in eine Industrie, die fünf Milliarden Pfund zur britischen Wirtschaft beiträgt."

Stewart fordert 25 Millionen Pfund

"Es würde 100 Millionen Pfund kosten, Silverstone in eine moderne Strecke umzubauen."
Jackie Stewart

"Es würde 100 Millionen Pfund (knapp 140 Millionen Euro; Anm. d. Red.) kosten, Silverstone in eine moderne Strecke umzubauen", so Stewart. "Die Regierung müsste dazu nur 25 Prozent beitragen, denn es besteht die Möglichkeit einer staatlich-privaten Partnerschaft - und 25 Millionen Pfund sind wirklich wenig Geld, wenn man diese Summe damit vergleicht, was die Regierung in andere Sportarten und Projekte investiert."

Solange es kein klares Commitment der Regierung gibt, wackelt auch weiterhin die Finanzierung des Umbaus von Silverstone - Masterplan hin, Masterplan her. Und solange sich nichts tut, wird Ecclestone weiterhin skeptisch sein. Denn eines ist klar: Der Formel-1-Zampano wünscht sich zwar grundsätzlich den Verbleib des Rennens in seinem Heimatland, aber hätte er ein Herz für Sentimentalitäten, dann wäre er heute nicht Multimilliardär...

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