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Ein Standard für die Elektronik

12. November 2007 - 18:06 Uhr

Ein neuer Faktor für 2008: Kommendes Jahr startet die Formel 1 erstmals mit einer Standard-Elektronik - das Renault-Team erklärt Ihnen die Hintergründe

MF1 Racing-Ingenieure
In der Formel 1 bewegen sich die Autos ohne Computer keinen Meter
© MF1 Racing

(Motorsport-Total.com) - Um Sie auch in technischer Hinsicht auf die Saison 2008 vorzubereiten, werden Sie in den kommenden Wochen an dieser Stelle eine Reihe von Dossiers des Renault-Teams zum Thema Technik und Reglement finden. Den Anfang macht der neue, für alle Teams einheitliche Zentralrechner, die Standard Electronic Control Unit (ECU).

Auf dem Gebiet der Elektronik wird es in der kommenden Saison eine kleine Revolution geben: Das technische Reglement der FIA schreibt dann eine Einheits-Motorelektronik für alle Teams vor - eine der gewichtigsten Änderungen der vergangenen Jahre. Denn die ECU ist so etwas wie das Gehirn des Autos, sie entsprechend zu verändern und anzupassen ist keine leichte Aufgabe.

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Allzweck-ECU

Seit Renault vor rund zwanzig Jahren das erste elektronische System zur Steuerung des Turbo-Motors in der Formel 1 einsetzte, hat die Elektronik rasant an Einfluss gewonnen. Heute sind Bordrechner und Prozessoren aus dem Sport nicht mehr wegzudenken.

Es ist mittlerweile unmöglich geworden, den Wagen ohne eine ganze Reihe von Computern überhaupt zu starten. Die Chips überwachen, analysieren, zeichnen auf und kontrollieren beinahe alles, was im und um das Fahrzeug geschieht.

Die ECU fungiert dabei als Schaltzentrale - sie sendet und empfängt in Echtzeit, garantiert die korrekte Arbeitsweise aller Fahrzeugkomponenten und sammelt währenddessen riesige Mengen an Daten. All dies geschieht in wenigen Nanosekunden!

Über die Jahre hat Renault ein wahres Meisterstück geschaffen: die "Step 11" ECU besticht durch verschiedene Vorteile. Ein einzelnes Gerät statt zweier Instanzen sorgte für schnellere Reaktionszeiten, da die Kommunikationszeiten zwischen Motor und Chassis drastisch verkürzt wurde. Ihre Rechenleistung ist rund fünf Mal größer als die des Vorgängergerätes, die Aufzeichnungs- und Speicherkapazitäten sind sogar zehn, bzw. sechs Mal so groß.

Verglichen mit dem Magnetti Marelli "Step 10" System, wurde die Rechengeschwindigkeit verhundertfacht. Dieses miniaturisierte Stück Hightech musste nach dem Grand Prix von Brasilien verpackt werden und ist nun ein Fall fürs Museum.

Alles auf Anfang

In diesem Winter müssen sämtliche Teams eine möglichst schnelle Anpassung an die neuen Vorgaben bewältigen. Die ECU und ihr Programm werden für alle gleich sein. Die FIA verfolgt mit dieser Maßnahme das Ziel, den Einfluss der Elektronik auf die Fahrzeuge zu regulieren und mehr Kontrolle über Bereiche zu erlangen, die bisher aus vielen Grauzonen bestanden.

Die von McLaren Electronic Systems in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelte ECU wird in den Saisons 2008, 2009 und 2010 zum Einsatz kommen. "Die Box wird bis zu 500 Kilobyte an Daten pro Sekunde verarbeiten können", sagt der Hersteller.

So beeindruckend diese Leistung auf den ersten Blick klingen mag - sie ist deutlich niedriger als die der individuell entwickelten ECUs, die bis zur Saison 2007 zum Einsatz kamen. Auch der Einbau der neuen Geräte in die Fahrzeuge wird sich verändern, da sie ja nicht fahrzeugspezifisch angepasst sind.

Die vordringlichste Aufgabe aller Teams bei den Testläufen in Barcelona in dieser Woche wird also darin bestehen, sich unter Rennbedingungen mit der neuen ECU vertraut zu machen. Im Sommer erwies sich bei Tests der neuen Einheits-ECUs sogar das Starten der V8-Motoren teilweise als äußerst problematisch.

Weiterhin muss die Software für die neuen Geräte aufgespielt und die OnBoard-Systeme müssen entsprechend angepasst werden. Das dazu nötige Programm entwickeln die Teams selber - alternativ kann auch auf eine Standardsoftware, die mit der ECU geliefert wird, zurückgegriffen werden. Auch Reservegeräte können bereits angepasst werden - was im Ernstfall wertvolle Zeit sparen kann. Das Rennen gegen die Uhr hat begonnen!

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