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Wurz: "Verspürte eine seltsame Stimmung in mir"

09. Oktober 2007 - 08:33 Uhr

Der Österreicher erklärt, warum er sich gezwungen sah, seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt zu geben, und warum er schon in Sao Paulo nicht mehr fährt

Alexander Wurz
Alexander Wurz sagt der Formel 1 auf wiederschauen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nach 69 Grands Prix, 45 WM-Punkten, einer schnellsten Rennrunde aber keiner Pole Position und keinem Sieg ist für Alexander Wurz Schluss. Der Österreicher gab am Montag bekannt, dass er sein Cockpit bei Williams noch vor dem Saisonfinale in Sao Paulo räumen wird.

Die Entscheidung sei ihm schwer gefallen, wie der 33-Jährige im Interview mit der Nachrichtenagentur 'APA' erklärte. Aber er wollte unbedingt den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen. Es habe für ihn von Anfang an festgestanden, dass dieser gekommen ist, "wenn auch nur die geringsten Zweifel aufkommen". Er sei nun nicht mehr bereit, 110 Prozent zu geben.

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Alexander und Felix Wurz
Wurz freut sich, dass er nun mehr Zeit für die Familie hat
© xpb.cc

Wurz - der im September zum dritten Mal Vater eines Sohnes geworden ist - versichert, dass seine Familie dabei nur eine Rolle "im Unterbewusstsein" gespielt hat. Vielmehr war es "die Summe der Energieaufwände", die dazu führte, dass er sich dazu entschied, dieses Jahr den Formel-1-Helm an den Nagel zu hängen: "Ich habe jetzt zehn Jahre Stress gehabt. Das will ich mir nicht mehr ständig antun."

Wie es jetzt mit dem Rennfahrer aus Waidhofen weitergehen wird, steht noch nicht fest. Der ehemalige BMX-Weltmeister kann sich vorstellen, sein Wissen anderweitig in der Formel 1 einzubringen, derzeit laufen entsprechende Gespräche, auch mit seinem bisherigen Teamchef Frank Williams, mit dessen Team er "auf einer Wellenlänge" war, wie er versichert.

Alexander Wurz
Alexander Wurz steigt aus - und in der Formel 1 auch wohl nicht mehr ein
© xpb.cc

Nun müsse er jedoch "unbedingt einen Gang zurückschalten", möchte in Zukunft nicht mehr zu jedem Rennen reisen - egal, welche Rolle er annimmt. Stattdessen will er sich um ein Thema kümmern, das er mangels Zeit bisher nicht richtig verfolgen konnte: das Thema Sicherheit im Straßenverkehr. Diesbezüglich habe er einen "ultragroßen Haufen Arbeit" zu erledigen.

Aus dieser Saison nimmt Wurz den dritten Rang aus Montréal mit, den er als "fast ein bisschen kitschig" empfindet, schließlich gab er dort genau zehn Jahre zuvor sein Debüt. Aus der Formel 1 nahm Wurz auch seine Frau Julia mit, die einst als Pressedame bei Benetton arbeitete: "Meine Frau ist die größte Trophäe, die ich in zehn Jahren Formel 1 gewonnen habe", meint Wurz, der der "glücklichste Mensch der Welt" ist, wenn er bei seiner Familie sein darf. Und für sie hat er nun endlich ausreichend Zeit.

Alexander Wurz
Alexander Wurz sammelte in Montréal noch einmal einen Pokal
© xpb.cc

Auf seine Saison ist Wurz stolz, die er mit 13 WM-Punkten beendet: "Ich bin echt zufrieden mit dieser Saison", erklärte er im Interview mit der Zeitung 'Österreich'. "Ich habe mitgeholfen, das Auto schneller zu machen und Williams in der Konstrukteurs-WM von der achten an die vierte Stelle zu bringen."

Er müsse jedoch auch zugeben, dass er bei dem besagten Rennen in Montréal auf dem Podium stehend "zum ersten Mal diese seltsame Stimmung" in sich gespürt hat: "Schließlich hat mir der letzte Biss gefehlt."

Kazuki Nakajima
Kazuki Nakajima wird in Sao Paulo vermutlich im Auto von Wurz sitzen
© xpb.cc

Schon beim Saisonfinale in Sao Paulo sitzt Wurz nicht mehr im Auto. Damit macht er vermutlich Testfahrer Kazuki Nakajima Platz, der beim Rennen in Brasilien eine Empfehlung für das kommende Jahr abgeben soll. Wurz bestätigt, dass sein vorzeitiges Aussteigen eine Entscheidung von Frank Williams war, die getroffen wurde, weil man so gut miteinander auskommt: "Ich bin glücklich, dass ich gesund aus diesem Sport herausgekommen bin - das ist unbezahlbar."

Man darf sich schon heute sicher sein, dass Alexander Wurz im Motorsport bleiben wird - womöglich als Berater oder Manager in der Formel 1, mit Sicherheit jedoch in anderen Rennserien: "Motorsport bleibt meine Leidenschaft. Ich will etwas nochmal die 24 Stunden von Le Mans fahren."