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Todt über Stepney: "Er hat seinen Kopf verloren"

04. Oktober 2007 - 09:44 Uhr

Nach den schwerwiegenden Anschuldigungen von Nigel Stepney gegen Ferrari bricht nun erstmals Teamchef Jean Todt sein Schweigen

Jean Todt
Hat ein reines Gewissen: Ferrari-Teamchef Jean Todt bricht sein Schweigen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nachdem die meisten Leute im Fahrerlager die Spionageaffäre geistig schon zu den Akten gelegt hatten, weil sie es einfach nicht mehr hören könnten, geht nun wieder alles von vorne los: Nigel Stepney, der den Fall mit seinem Know-how-Transfer zu McLaren-Mercedes erst ins Rollen gebracht hat, erhebt nämlich schwere Anschuldigungen gegen sein Ex-Team Ferrari.

Demnach habe er nicht nur Informationen aus Maranello nach Woking geschleust, sondern er behauptet, umgekehrt auch Informationen von Ex-McLaren-Designer Mike Coughlan erhalten und diese für seine Arbeit bei Ferrari verwendet zu haben. Beweisen könne er dies jedoch nicht. Diese Aussagen sorgen natürlich für Aufruhr, denn sollten sie sich bewahrheiten, könnte der Fall ein zweites Mal neu aufgerollt werden.


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Stepney war sauer über Nicht-Beförderung

Angesichts dieser Entwicklung brach nun erstmals Ferrari-Teamchef Jean Todt sein Schweigen, indem er gegenüber der Londoner 'Times' weitgehend bekannte Hintergründe dazu lieferte, warum Stepney auf seinen Arbeitgeber überhaupt so sauer war. Dabei ging es primär über die Tatsache, dass Stepney nach dem Abgang von Ross Brawn mehr oder weniger übergangen wurde und nicht Chefstratege wurde, wie er es sich erhofft hatte.

"Er war ein schwieriger Charakter. Er war keine einfache Person, aber er war ein guter Mitarbeiter", so Todt. "Zwei oder drei Mal" habe er auch Stepney Entscheidungen toleriert, andere Aufgaben ausüben zu wollen: "Ich habe gesagt: 'Okay, er hat seine Meinung geändert.' Aber es war einmal zu viel. Wir konnten unsere Organisation nicht jede Woche ändern, also habe ich gesagt: 'Aus. Er wird nicht mehr für uns arbeiten.'"

Daraufhin habe Stepney "seinen Kopf verloren" und mit illegalen Handlungen sich selbst und Ferrari in eine unangenehme Situation gebracht: "Manchmal gibt es Leute, die die klare Sicht auf die Dinge verlieren, und das ist schade, denn wir alle tragen persönliche Verantwortungen. Es sollte einige Grenzen geben, Disziplin, und er wusste nicht, wie er sich diese Grenzen selbst auferlegen hätte sollen. Das Problem ist, dass er dafür nun einen hohen Preis zahlen muss."

Verfahren gegen Stepney läuft noch

Nigel Stepney und Ross Brawn
Nigel Stepney (links) wollte eigentlich die Nachfolge von Ross Brawn antreten
© xpb.cc

Stepney dürfte vor dem Grand Prix von Monaco versucht haben, Ferrari zu sabotieren, indem er ein weißes Pulver in die Tanks schüttete, was jedoch rechtzeitig aufgedeckt wurde. Später kamen dann auch seine verwerflichen Kontakte mit Coughlan ans Tageslicht. Natürlich leitete Ferrari sofort rechtliche Schritte ein und zeigte den entlassenen Mitarbeiter bei der Staatsanwaltschaft Modena ein. Das Verfahren läuft noch.

Angst, dass sich Stepneys jüngste Anschuldigungen bewahrheiten könnten, hat Todt offenbar nicht: "Ich habe so oft gelesen: 'Wartet, bis ihr alles wisst, was Ferrari gemacht hat!' Aber ich habe ein reines Gewissen, was meine Arbeit in den vergangenen 15 Jahren angeht, und glauben Sie mir, wenn Ferrari etwas getan hätte, dann wäre es nach all den Kontroversen längst herausgekommen", zeigte er sich zuversichtlich.

Die Werksspionage wurde übrigens durch den Mitarbeiter eines Copyshops aufgedeckt, bei dem Coughlan versucht hatte, das heikle Ferrari-Dossier auf CD-Rom zu brennen. Diesen Briten möchte Todt kennen lernen: "Ich habe vorgeschlagen, mich mit ihm zu treffen, um mich zu bedanken. Mir wurde geraten, damit zu warten, aber das ist definitiv jemand, den ich treffen und dem ich danken möchte", meinte der Franzose abschließend.

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