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Klien: "Testfahren ist nicht wirklich attraktiv"

18. Oktober 2007 - 21:01 Uhr

Christian Klien spricht über seine Pläne, 2008 ins Renngeschehen zurückzukehren, und seine Einschätzung des WM-Kampfes in São Paulo

Christian Klien
Hat schon nach einem Jahr genug vom Testfahren: Christian Klien
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Rücktritt von Alexander Wurz ist beim Saisonfinale in Sãu Paolo wie schon im Vorjahr an gleicher Stelle kein Österreicher mit von der Partie - auch nicht Christian Klien, der als Honda-Testfahrer zum Zuschauen verdonnert ist. Klien spekuliert allerdings mit einem Comeback, wie er im Interview mit 'Motorsport-Total.com' verriet.

Frage: "Christian, wie ist es hier in São Paulo?"
Christian Klien: "Im Moment regnerisch. Es ist immer wieder ein schönes Rennwochenende - das letzte, das Finale in diesem Jahr, sehr, sehr spannend. Die Strecke ist neu asphaltiert, also wird es ein spannendes und gutes Rennwochenende, glaube ich."

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Klien legt sich auf keinen WM-Tipp fest

Frage: "Vor allen Dingen weil es der erste WM-Dreikampf in einem Saisonfinale seit 1986 ist..."
Klien: "Es ist sicher sehr spannend. Die beste Ausgangsposition mit vier Punkten Vorsprung hat Hamilton. Aber trotzdem: Es kann sehr viel passieren. An und für sich ist die Strecke eine langsame, eine technische Strecke, was McLaren eigentlich besser liegen sollte. Also gehe ich einmal davon aus, dass die McLaren-Autos vorne liegen werden. Trotzdem: Es kann schnell was passieren - und dann steht Räikkönen schon in der Lauer."

Frage: "Dein Landsmann Alexander Wurz ist nicht hier. Was sagst du dazu?"
Klien: "Er hatte sicher seine guten Gründe. Es war seine Entscheidung. Mehr kann ich dazu nicht sagen, denn ich habe selber mit ihm noch nicht gesprochen."

"Jetzt ist an diesem Wochenende kein Österreicher mehr in der Formel 1."
Christian Klien

Frage: "Aber es ist enttäuschend für seine Fans und für die Österreicher, nicht wahr?"
Klien: "Sowieso. Jetzt ist an diesem Wochenende kein Österreicher mehr in der Formel 1 - schauen wir mal, wie es nächstes Jahr ausschaut. Sicher ist es ein bisschen enttäuschend, aber er hatte wie gesagt sicher seine guten Gründe. Das Leben geht weiter."

Frage: "Jetzt musst du in Brasilien die österreichischen Fahnen hochhalten, oder?"
Klien: "Ich hoffe es. Natürlich wäre es schön für mich, wenn ich ein bisschen zum Einsatz kommen würde, wobei das immer schwierig ist."

Frage: "Kannst du uns schon sagen, wie es mit deiner Zukunft aussieht? Können sich die Fans darauf freuen, dich wieder Rennen fahren zu sehen?"
Klien: "Ich versuche natürlich alles, um nächstes Jahr wieder ins Renncockpit zu kommen. Der Fahrermarkt ist ziemlich offen im Moment - es gibt einige Plätze, die frei sind. Das Testfahren ist dieses Jahr und auch nächstes Jahr nicht wirklich attraktiv, weil du einfach wenig zum Fahren kommst und deine Jahre vergeudest. Daher gilt meine ganze Konzentration in diesen Wochen einem Renncockpit."

Frage: "Wie sehr hängt das von Fernando Alonso ab?"
Klien: "Sobald er seine Entscheidung getroffen hat, wird das ganze Fahrerkarussell ein bisschen schneller ins Rollen kommen, aber man muss natürlich trotzdem jetzt schon mit den Teams in Gesprächen sein."

Frage: "Andere Serien wie die A1GP oder Amerika sind kein Thema für dich?"
Klien: "Im Moment konzentriere ich mich auf die Formel 1. Da musst du dich natürlich mit hundertprozentigem Einsatz dahinter klemmen, damit du diesen Schritt schaffst. Alles andere ist dann zweitrangig beziehungsweise im Moment noch nicht der Fall."

Als Testfahrer viel gelernt

Frage: "Wie viel hat dir das Jahr bei Honda gebracht?"
Klien: "Es war ein interessantes Jahr, denn als Testfahrer kannst du mehr mit den Ingenieuren zusammenarbeiten und mehr beim Team in England sein. Ein Jahr als Testfahrer ist okay, aber ein zweites ist schon wieder zu lange, weil dann bist du zu viel vom Renngeschehen weg."

Frage: "Zumal du ja keine Freitagstests fahren konntest..."
Klien: "Genau. Das ist natürlich auch ein Punkt, wo du einfach nicht mehr im Rampenlicht stehst. Trotzdem war es eine interessante Sache, mit einem großen Werksteam zu arbeiten, auch wenn wir sehr viele Probleme hatten und nicht da waren, wo wir uns das vorgestellt hatten. Ich konnte als junger Fahrer viel dazulernen. Es war an sich ein positives Jahr."

"Irgendein schwarzes Schaf trifft es dann immer."
Christian Klien

Frage: "Es gibt momentan eine sehr breite Front im Fahrerlager gegen Fernando Alonso - ganz egal wo. Spürst du das auch?"
Klien: "Sicher spürt man das, weil man es in den Medien liest. Es sind sicher dieses Jahr viele Sachen vorgefallen, die eigentlich nicht in den Sport gehören. Da ist es natürlich klar, dass da viel geschrieben wird. Irgendein schwarzes Schaf trifft es dann immer."

Frage: "Es ist schon wichtig, dass man eine Beziehung zum Team aufbaut, wenn man sich Lewis Hamilton anschaut, der bei McLaren-Mercedes groß geworden ist, nicht wahr?"
Klien: "Definitiv. Wenn du längere Zeit mit einem Team einen guten Kontakt hast oder mehrere Jahre für ein Team fährst, hast du zu jedem einzelnen Mechaniker bis hoch zum Teamchef ein gutes Verhältnis. Das bringt natürlich sehr viel. Lewis Hamilton wird schon jahrelang von McLaren unterstützt. Ron Dennis sieht ihn wie seinen Ziehsohn, daher wird er natürlich alle Unterstützung bekommen, ganz klar - vielleicht auch um einen Tick mehr Unterstützung als Alonso."

Frage: "Das hat er sich dann aber auch selbst erarbeitet, indem er sich mehr mit den Jungs beschäftigt hat, nicht wahr?"
Klien: "Erstens ist er Engländer und das Team ist ein englisches Team - das hilft natürlich, denn sie sprechen die gleiche Sprache. Er ist schon jahrelang von McLaren gefördert worden."

Frage: "Kennst du die Namen all deiner Mechaniker?"
Klien: "Keine Ahnung, nein. Es ist schwierig, 100 Namen auswendig zu wissen. Aber die von den Ingenieuren und von den engen Mechanikern ums Auto herum sollte man normalerweise schon kennen. Aber ich kann sie jetzt nicht aufzählen (lacht; Anm. d. Red.)!"

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