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Haug: "Es war eine ganz simple Verwechslung"

19. Oktober 2007 - 20:28 Uhr

Mercedes-Sportchef Norbert Haug über die Untersuchung gegen Lewis Hamilton, den Trainingsauftakt in São Paulo und die WM-Situation

Norbert Haug
Mercedes-Sportchef Norbert Haug zieht nach dem ersten Tag zufrieden Bilanz
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Frage: "Herr Haug, Lewis Hamilton hat im ersten Freien Training zwei Sätze Regenreifen verwendet, was nicht gestattet ist. Was sagen Sie dazu?"
Norbert Haug: "Das hat er tatsächlich, aber das ist kein Drama. Das hat er den Stewards gemeldet. Viel wichtiger war, dass er schnell war - er ist insgesamt fünf gezeitete Runden gefahren heute Morgen, um die Strecke zu lernen. Es gab ganz offensichtlich eine Installationsrunde, und offensichtlich ist der Reifen nicht weiterverwendet worden. Das war eine ganz simple Verwechslung, aber kein großes Theater, glaube ich."

Frage: "Um 16:30 gibt es eine Anhörung bei der Rennleitung. Muss man eine Strafe befürchten? Alle Experten sagen, es wäre lächerlich..."
Haug: "Wir werden sehen. Wir müssen uns nicht mit Hypothesen beschäftigen. Wichtig ist, was jetzt in dieser trockenen Sitzung auf der Strecke passiert ist - für uns ist das jedenfalls interessant."

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Team rechnet nicht mit einer Strafe

"Man kann nur bestraft werden, wenn es sich um ein Vergehen handelt, das einen Vorteil bringt."
Norbert Haug

"Ich habe keine Ahnung, welche Strafe es dafür gibt, aber wenn man das mit Balanciertheit überlegt, dann kann man nur bestraft werden, wenn es sich um ein Vergehen handelt, das einen Vorteil bringt. Wir haben in diesem Jahr diesbezüglich schon alles Mögliche gehört und erlebt, deshalb macht es gar keinen Sinn, sich darüber Gedanken zu machen. Gedanken macht man sich besser darüber, ob man konkurrenzfähig ist, wenn es zählt. Das schien der Fall zu sein im zweiten Training."

"Keine Ahnung, wer mit wie viel Sprit unterwegs war, aber ich glaube, dass es vergleichbar war. Ich war durchaus beeindruckt von Lewis, der noch nie die Strecke gesehen hat. Gestern ist er mal hier rumgelaufen, und jede Runde ist er dann im ersten Sektor eine rote Sektorenzeit gefahren. Das war schon recht beeindruckend. Ob das für das Rennen etwas bedeutet, weiß ich nicht, aber für heute sah es schon mal ordentlich aus."

Frage: "Lewis Hamilton war heute Schnellster. Wie viel Druck kann so ein junger Mann, der seine erste Formel-1-Saison fährt, aushalten?"
Haug: "Er macht Kurve für Kurve sein Geschäft, macht das, was ihm Spaß macht, konzentriert sich auf das Auto, lernt die Strecke kennen. Er hat durchaus gemerkt, dass die Strecke bei Regen ihre Eigenheiten hat, aber ich habe ihn nicht neben der Piste gesehen, was sowieso bei allen Fahrern relativ selten passiert - und wenn das Auto gut ist, hilft das natürlich auch. Ich glaube, dass er mit dem Druck sehr gut umgehen kann. Hoffentlich zahlt sich das aus, was er das letzte Jahr investiert hat. Wir haben jetzt zwei Eisen im Feuer gegen Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.). Ich hoffe, dass er das umsetzt."

Frage: "Was hat es mit dem FIA-Aufpasser auf sich, der ab morgen bei Ihnen in der Box sein wird, und was wird er im Qualifying und Rennen tun? Auch da sagen die Experten, das ist eine lächerliche Angelegenheit..."
Haug: "Ach, das würde ich nicht sagen. Wenn so eine Anfrage kommt, dann sind wir offen dafür. Uns kann nichts Besseres passieren, als dass das bestätigt wird, was wir ohnehin die ganze Zeit sagen."

Haug nicht unglücklich über FIA-Aufpasser

"Keiner hat im Motorsport so einen ähnlichen Fall erlebt."
Norbert Haug

"Keiner hat im Motorsport so einen ähnlichen Fall erlebt, aber es kann nur unsere These bestätigen, dass es nicht sein kann, dass wir Ungleichbehandlung machen bei einem Punktestand, wie wir ihn jetzt haben. Jeder hat die Saison verfolgt."

"Ich glaube, wir sind in der glücklichen Lage, dass wir sagen können: Wenn alles bestens gegangen wäre, könnten unsere Fahrer maximal zehn bis 15 Prozent mehr Punkte haben. Das sieht bei anderen Fahrern anders aus, weil wir bisher sehr zuverlässig waren. Beide hatten einen Ausfall - einmal Alonso bei Aquaplaning in Fuji, und die Geschichte von Lewis in China ist ja noch in Erinnerung. Ansonsten haben sie fast alle möglichen Punkte gemacht - und das kann nur mit Gleichbehandlung passieren."

"Ich denke, all das, was wir gestern in der Pressekonferenz gehört haben, hat sich auch schon wesentlich vernünftiger angehört, deshalb wird auch in Spanien nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird, und in England auch nicht. Das muss man den Fahrern zugestehen, dass in der Emotion mal das eine oder andere angedeutet oder gesagt wird. Bei uns herrscht Gleichbehandlung - und der Kommissar und auch der von Ron Dennis eingeladene Vertreter des spanischen Automobilklubs werden sich von nichts anderem überzeugen."