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Hamilton: "Schade, dass es dazu gekommen ist"

31. Oktober 2007 - 15:26 Uhr

Der McLaren-Mercedes-Pilot beschreibt, wie die Beziehung zu seinem Teamkollegen Fernando Alonso im Verlauf des Jahres immer schwieriger wurde

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton bedauert, wie schlecht die Beziehung zu Fernando Alonso war
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Im Verlauf der Formel-1-Saison 2007 kam es im McLaren-Mercedes-Team zu Spannungen, weil Neuling Lewis Hamilton seinen etablierten Teamkollegen Fernando Alonso gehörig unter Druck setzte. In seiner Biografie, die demnächst unter dem Titel 'My Story' ('HarperSport', ab 5. November im Handel) veröffentlicht wird, verrät der junge Brite, dass sich das Verhältnis zu seinem spanischen Teamkollegen sukzessive verschlechterte.

Vor einem Jahr war es der damals noch amtierende Weltmeister, der den ersten Schritt machte und auf den damaligen GP2-Piloten zuging, um sich bei ihm vorzustellen: "Er kam vorbei und sagte 'Hallo, ich bin Fernando'", erinnert sich der 22-Jährige in dem von der Boulevardzeitung 'The Sun' veröffentlichten Ausschnitt seiner Biografie.

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"Davon war ich ziemlich beeindruckt."
Lewis Hamilton

"Er war der Weltmeister, er kämpfte zum zweiten Mal um den Titel-Gewinn. Es überraschte mich wirklich, dass er die Zeit hatte, 'Hallo' zu sagen. Davon war ich ziemlich beeindruckt", gibt der McLaren-Mercedes-Pilot rückblickend zu.

Doch als man in der Saison darauf gemeinsam für die "Silberpfeile" in der Formel 1 an den Start ging, distanzierten sich die beiden immer mehr: "Ich mag und bewundere Fernando, ich war aus diesem Grund traurig und enttäuscht, dass sich unsere Beziehungen - aus welchen Gründen auch immer - nicht verbesserte."

In den Augen von Hamilton habe es Alonso nicht geschafft, zu anderen Teammitgliedern eine Bindung aufzubauen, da er nicht zu einer Trainingswoche vor dem Start der Saison aufgetaucht war: "Ich dachte, dass Fernando derjenige sein würde, der versucht, für mich ein Exempel zu statuieren und zu zeigen, was zu tun ist, nicht, dass es andersherum ist."

Ganz im Gegensatz zu den Aussagen, die Fernando Alonso hin und wieder getätigt hat, versichert Hamilton, dass sein Teamchef Ron Dennis ihn bat, besonders viel Energie dafür zu investieren, dafür zu sorgen, dass sich der Rennfahrer aus Oviedo im Team willkommen fühlt. So versuchte Hamilton dies, indem er beispielsweise mit Alonso am Computer spielte.

"Ich glaube nicht, dass es Fernando erwartet hat, dass ihn ein Neuling so sehr herausfordert, schon gar nicht, dass er ihn schlägt."
Lewis Hamilton

"Ich glaube nicht, dass es Fernando erwartet hat, dass ihn ein Neuling so sehr herausfordert, schon gar nicht, dass er ihn schlägt", meint Hamilton. "Ron trieb mich immer an, Fernando dabei zu helfen, sich im Team gut zu fühlen. Ich versuchte dies, ich probierte viel, aber ich erreichte mit ihm nicht wirklich etwas."

Mitte des Jahres begann Alonso, sich darüber zu beschweren, dass das Team angeblich Lewis Hamilton bevorzuge. Die Stimmung begann zu kippen: "Nach dem Großen Preis von Frankreich sagte mir jemand, dass Fernando - der als Siebter ins Ziel kam - sagte, dass er glücklich war, dass mich die Ferrari geschlagen haben, so dass ich nicht die maximalen Punkte holen konnte."

In Ungarn gipfelte die Spannung in der Qualifikation, als Lewis Hamilton eine Anweisung des Teams ignorierte, seinen Teamkollegen vorbei zu lassen. Daraufhin revanchierte sich Alonso, indem er beim Boxenstopp so lange wartete, dass Hamilton keine weitere gezeitete Runde mehr fahren konnte.

"Das war wie mein schlimmster Albtraum."
Lewis Hamilton

"Das war wie mein schlimmster Albtraum", erinnert sich Hamilton, der versichert, dass er sich nicht mit Alonso streiten wollte. Stattdessen herrschte zwischen den beiden Funkstille, Alonso sprach kein Wort mehr mit seinem Teamkollegen: "Ich verspürte keinen Hass gegenüber ihm, aber ich hatte das Gefühl, dass es seine Sache ist, wenn er nicht sprechen oder eine ordentliche Arbeitsbeziehung haben möchte."

Hamilton unternahm erneut einen Versuch, rief seinen Teamkollegen an und fragte ihn, ob es sinnvoll sei, sich zu treffen. Er beteuerte, kein Problem mit ihm zu haben, aber er wolle die Spannungen aus der Welt schaffen. Alonso rief Hamilton zurück und war mit dem Treffen einverstanden, das wegen terminlicher Schwierigkeiten von Alonso um eine Woche nach hinten geschoben werden mussten.

Am Rande des Großen Preises der Türkei traf man sich zu diesem Gespräch im Hotel 'Conrad' - ausgerechnet in jenem Hotel, in dem sich Alonso ein Jahr zuvor Hamilton selbst vorgestellt hatte. In Alonsos Zimmer erklärte Hamilton seinem Teamkollegen, dass er ihn absolut respektiere, ihn zwar schlagen wolle, dies jedoch nichts mit dem Respekt zu tun habe, den er gegenüber ihm verspüre: "Er sagte so ziemlich dasselbe, wir gaben uns die Hand, und das war es dann."

Doch es hing nach wie vor dieselbe Spannung in der Luft. Hamilton gibt zu, dass er das Gefühl hatte, dass seine Versuche sinnlos waren, da Alonso sich nicht derart um eine verbesserte Beziehungen bemühte wie er selbst: "Schlussendlich sagte ich Ron 'Ich habe versucht, mit ihm zu sprechen, aber ich werde nicht von meinem Weg abkommen und mich um meine eigene Konzentration berauben, nur um ihn glücklich zu machen. Ich werde mich auf meinen Traum fokussieren'."

"Von da an war klar, dass alles passieren kann"
Lewis Hamilton

Beim Rennen in Spa-Francorchamps kam es anschließend zum harten Duell zwischen den beiden kurz nach dem Start, als sich Hamilton von Alonso von der Strecke gedrängt fühlte: "Von da an war klar, dass alles passieren kann. Wenn er aggressiv sein wollte, dann konnte ich dies auch. Dies war nicht gesund, aber ich fühlte, dass ich stark und aggressiv sein konnte, ohne irgendwelche unnötigen Risiken einzugehen. Es war wirklich schade, dass es dazu gekommen ist."

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