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Das große Doppel-Interview zur Formel-1-Zukunft im TV

17. Oktober 2007 - 13:47 Uhr

Carsten Schmidt, "Premiere" Vorstand Sports und New Business, und Manfred Loppe, "RTL"-Sportchef, im großen Interview

Lewis Hamilton
Die Verantwortlichen bei 'RTL' und 'Premiere' drücken Hamilton die Daumen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Frage: "Wie haben sich die Zuschauerzahlen in der Formel 1 in der ersten Saison nach dem Rücktritt von Rekordweltmeister und Quoten-Garant Michael Schumacher entwickelt?"
Manfred Loppe: "Die Formel 1 hat sich im Jahr eins nach Schumacher so dargestellt, wie man sich das erwarten konnte: Sie hat sich auch ohne ihn als nicht nur überlebensfähig, sondern als die neben Fußball populärste Sportart erwiesen."

"Natürlich hat es einen Zuschauerrückgang gegeben, allerdings auf einem Niveau, der unsererseits kalkuliert war und der sehr viel geringer ausgefallen ist, als viele es vermutet haben. Den durchschnittlichen Marktanteil von 40 Prozent und Zuschauerzahlen knapp unter sechs Millionen betrachten wir als ein entsprechend sehr gutes Ergebnis."

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Carsten Schmidt: "Die Zuschauerzahlen waren insgesamt im Rahmen unserer Erwartungen. Positiv festzuhalten ist jedenfalls, dass die Formel 1 das Fundament für ein hohes Interesse in der Zukunft gelegt hat. Das ist die Erkenntnis, die uns den Rückgang insgesamt gut verschmerzen lässt."

Frage: "Was hat das Interesse der deutschen Zuschauer mehr beeinflusst: Der neue Star Lewis Hamilton, die Leistungen der deutschen Hersteller Mercedes und BMW sowie deutscher Fahrer wie Nick Heidfeld, Nico Rosberg oder Sebastian Vettel oder einfach der spannende Saisonverlauf?"
Loppe: "Es sind weniger die Einzelfaktoren als vielmehr der Mix an Themen und Ereignissen, die neben der allgemeinen Faszination an diesem Sport das Zuschauerinteresse ausmachen. Die phantastische Erfolgsgeschichte des Lewis Hamilton, der fürchterliche Unfall des BMW-Piloten Robert Kubica, die starke Performance der deutschen Hersteller sowie fast aller deutschen Piloten und die spannende Zuspitzung der WM-Entscheidung sind nur einige von vielen Faktoren, die zum erneut großen Interesse an der Formel 1 beigetragen haben."

Schmidt: "Das ist eine Mixtur aus verschiedenen Faktoren. Natürlich ist ein frischer, sensationell erfolgreicher Typ wie Hamilton auch in Deutschland ein Gewinn für das Produkt. Aber wichtiger ist natürlich die deutsche Performance. Ob Fahrer oder Teams - unsere Zuschauer brauchen nationale Identifikation im spannenden Wettbewerb. Das war in dieser Saison besser als erwartet."

Frage: "Haben Skandale wie die Spionage-Affäre oder der teaminterne Streit bei den Silberpfeilen die Fans abgeschreckt oder eher sogar fasziniert und angelockt?"
Schmidt: "Das war keine Werbung für die Formel 1 und ist kein adäquates Promotionsmittel. 'Hart aber fair sollte das Motto sein'."

Loppe: "Einerseits sind Skandale wie die Spionage-Affäre nie gut für das Image eines Produkts, andererseits sorgen sie für Gesprächsstoff und können eine reinigende Wirkung haben. Auch teaminterne Reibereien, vermeintliche Wechselabsichten und tatsächliche Personalkarussels sind die natürlichen Zutaten in einem großen Spektakel. Das ist in der Formel 1 nicht anders als beim Fußball und zahlt aus unserer Sicht eher auf die Formel 1 ein, als das es ihren Wert schmälert."

Frage: "Was war Ihr persönliches Highlight in dieser Formel-1-Saison und was der Tiefpunkt?"
Schmidt: "Höhepunkt: Mit Bernie Ecclestone das Chaosrennen am Nürburgring zu verfolgen. Tiefpunkt: Die Spionageaffäre und ihre Ausmaße."

Loppe: "Ein Höhepunkt war für mich neben der konstanten Spitzenleistung von Lewis Hamilton sicherlich die rasante sportliche Weiterentwicklung von Nico Rosberg in einem scheinbar unterlegenen Auto. Der Tiefpunkt für mich war das Auftreten von Fernando Alonso, der sich Dinge geleistet hat, die im Sport einfach fehl am Platz sind."

Frage: "Werden die Fans Ralf Schumacher im nächsten Jahr noch in der Formel 1 sehen oder an seiner Stelle als fünften deutschen Fahrer neben Nick Heidfeld, Nico Rosberg, Adrian Sutil und Sebastian Vettel vielleicht GP2-Champion Timo Glock?"
Schmidt: "Ralf Schumacher sollte immer ein Thema für die Formel 1 sein. Er hat bewiesen, dass er schnell Auto fahren kann. Und ich denke, er wäre besonders ehrgeizig, es seinen Kritikern zu zeigen. Ich würde mir keine Saison ohne den Namen Schumacher als Fahrer wünschen."

Loppe: "Das kann man zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht beurteilen. Im Übrigen bin ich da der falsche Ansprechpartner."

Frage: "Welche Pläne hat Ihr Sender für das nächste Jahr für die Formel 1?"
Loppe: "Wir sind uns handelseinig, haben aber noch keine Unterschrift unter den Vertrag. Daran arbeiten wir jetzt. Was das nächste Jahr redaktionell angeht, werden wir nach dem Finale in Sao Paulo in Ruhe die Saison analysieren und dann unsere Schlüsse für die Zukunft ziehen."

Schmidt: "Wir werden die Formel 1 redaktionell noch umfangreicher aufbereiten. Ganz neu: Premiere ist weltweit der erste Sender, der die Formel 1 im Internet und über Mobilfunkgeräte übertragen wird - live und On-Demand. Mehr dazu im Februar 2008."

Frage: "Wer holt in Sao Paulo den WM-Titel?"
Schmidt: "Lewis Hamilton."

Loppe: "Ich würde mich freuen und gehe auch davon aus, dass Lewis Hamilton neuer Weltmeister wird."

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