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Brundle: "McLaren kämpfte gegen das eigene Auto"

14. Oktober 2007 - 11:35 Uhr

Der ehemalige Formel-1-Pilot analysiert den Großen Preis von China aus Sicht des McLaren-Mercedes-Teams, der einmal mehr denkwürdig war

Lewis Hamilton vor Fernando Alonso
Lewis Hamilton fuhr in Shanghai auch ein Rennen gegen Teamkollege Alonso
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Martin Brundle war "nervös", als er Lewis Hamilton am vergangenen Rennwochenende in Shanghai hörte, wie er erklärte, dass er im Rennen nicht taktisch fahren wird, sondern mit dem Ziel, das Rennen zu gewinnen: "Er führte die Fahrermeisterschaft bei noch nur zwei zu fahrenden Rennen mit 12 Punkten Vorsprung an - er stand also quasi im offenen Mund des Gauls", umschreibt der Brite in der 'Times' die Situation vor dem Großen Preis von China.

Er habe diese Einstellung "enorm bewundert", gleichzeitig jedoch habe sie ihn "verwundert: "Es sah dann danach aus, als würde er das Rennen gewinnen, bis er im einzigen Boxengassen-Kiesbett strandete, das es auf einer Grand-Prix-Strecke gibt." Dies sorge nun dafür, dass er angesichts des auf vier Zähler geschrumpften Vorsprungs in Sao Paulo so fahren muss wie immer - voll am Limit.

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Der Brite vertritt wie viele Experten die Ansicht, dass man Hamilton nicht allein die Schuld für den Ausfall geben kann, man hätte ihn angesichts der runtergefahrenen Reifen früher an die Box holen müssen: "Aber es fällt leicht, nach dem Rennen weise zu sein, jedes Rennen aus der Kommentatoren-Box oder dem Sofa zu gewinnen. In der Hitze des Gefechts, mit dem WM-Titel zum Greifen nahe, müssen Entscheidungen gefällt werden - und die liefen ironischer Weise schief, als sie versuchten, keine Risiken einzugehen."

Bis dahin habe alles "perfekt" ausgesehen - der McLaren-Mercedes-Pilot zog auf der abtrocknenden Strecke dem Feld davon. Allerdings zollte er durch seine schnellen Rundenzeiten Tribut, weil er seine Reifen dadurch mehr beanspruchte: "Wenn die Reifen nur etwas zu heiß werden, dann werden sie spektakulär abgenutzt, selbst nach Formel-1-Standards, wo 100 Meilen für einen Reifen eine große Distanz sind."

Das Team wollte nach Ansicht des 48-Jährigen zu diesem Zeitpunkt nichts riskieren, weil zuvor einige Fahrer auf Trockenreifen gewechselt waren und prompt in einen Regenschauer kamen: "Als Hamilton vor seinem zweiten Stopp stand, sagten die Berichte inkorrekt mehr Regen und dann Trockenheit für den Rest des Rennens voraus. Wir waren jedes Mal überrascht, wenn er an der Boxeneinfahrt vorbei fuhr und eine weitere Runde drehte. Aber Räikkönen und Alonso fuhren auf dem ursprünglichen Reifensatz sogar noch länger, es war also nicht wirkliche ein Meisterschafts-Suizid."

Das Team habe Lewis Hamilton möglichst lange auf der Strecke gehalten, um das Risiko einer Fehlentscheidung bei der Reifenwahl zu reduzieren: "Sie machten sich Sorgen, dass Alonso im anderen Auto - der für ein paar Runden mehr Benzin an Bord hatte als Hamilton - davon profitieren würde, weil er in der Lage ist, die Reifenentscheidung später zu fällen."

McLaren-Mercedes-Teamchef Ron Dennis hatte nach dem Rennen ausgeplaudert, dass man in Shanghai nicht gegen Kimi Räikkönen im Ferrari sondern gegen Fernando Alonso fuhr. Das sieht auch Brundle so: "Man befand sich in der außergewöhnlichen Situation, dass McLaren gegen ihr eigenes Auto kämpfte, das von einem Mann bewegt wurde, der sich als ihr größtes Hindernis des Jahres herausgestellt hat. Die Ironie ist, dass die Feindseligkeit zwischen Alonso und dem Team womöglich ihre klares Denken gekostet hat."

Als Lewis Hamilton erst einmal im Kiesbett feststeckte, da bat er die Streckenposten per Handzeichen, ihn aus seiner misslichen Lage zu befreien und blieb im Auto sitzen, obwohl die Streckenposten ihn baten, aus dem Auto zu steigen - damit verstieß er gegen das Reglement: "Man kann Hamilton nicht die Schuld geben, dass er die Marshals bat, ihn rauszuschieben - das kommt durch den Instinkt des Wettbewerbs zustande und aus einer Situation des blanken Horrors", findet der 48-Jährige.

Es sei "ironisch", dass Hamilton unter schwierigsten Bedingungen in Fuji gewann und dann sein Auto bei der Einfahrt in die Boxengasse verlor: "Formel-1-Autos sind bei niedrigen Geschwindigkeiten schwerfällige Biester, sie sind eher für Kurvengeschwindigkeiten jenseits der 240 km/h ausgelegt", so der ehemalige Formel-1-Pilot. "Das sah armselig aus, aber ich kann versichern, dass so etwas sehr schnell passiert ist."

Beeindruckt war Brundle vom Verhalten des Formel-1-Neulings nach seinem Patzer, der jedem Mechaniker die Hand reichte und sich bei seinen Chefs an der Boxenmauer entschuldigte: "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie erniedrigend das ist".

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