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Wurz: "Da müssen wir nach Hollywood gehen"

14. September 2007 - 21:28 Uhr

Der Williams-Pilot kann sich mit dem Urteil gegen McLaren-Mercedes nicht anfreunden und erkennt keinen wahren Spionagefall

Alexander Wurz
Alexander Wurz kann nicht alle Aspekte bei der Urteilsfindung nachvollziehen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Alex, alle reden nur über ein Thema: die Spionage. Was hältst du davon?"
Alexander Wurz: "Spionage? Da müssen wir nach Hollywood gehen. In Wirklichkeit ist das ein wenig überspitzt, von oben bis unten. Ich hoffe, dass wir uns jetzt alle wieder auf das Sportliche konzentrieren können, weil es ist und bleibt weiterhin sein sauspannender Sport."

Frage: "Du warst selbst lange Zeit Testfahrer bei McLaren-Mercedes. Ist es nicht Usus, dass man andere Teams ausspioniert?"
Wurz: "Da müsste man das Wort Spionage erst genau definieren. Ich möchte das so nicht verwenden. Jeder untersucht den andere, wo er kann. Alle versuchen von jeden alles zu erfahren, das ist normal. Das kann man über Fotografien machen, wo man darüber die Gewichtsverteilung und die Radgeometrien berechnet. Das macht jeder, das ist gang und gäbe. Ich glaube, das ist auch nicht verboten. Es gibt diese Soundanalysen, damit weiß man, wie viel Leistung jemand hat und wie viel Drehzahl. Das ist Teil des Sportes, Teil dessen, sich an das Limit heranzutasten. Aber als Spionage würde ich das nicht bezeichnen."

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Frage: "Hältst du die Strafe für McLaren-Mercedes für gerechtfertigt?"
Wurz: "Auch in dem Fall muss ich ganz ehrlich sagen, dass das nicht ein Spionagefall war. Da hat ein Mitarbeiter aus Italien, über den es übrigens sonderbar leise geworden ist - den Herrn (Nigel) Stepney, Informationen geschickt an einen Mitarbeiter bei McLaren. Da kann ich noch nicht von Spionage sprechen. Spionage wäre es dann, wenn dafür viel Geld bezahlt worden wäre. Und wenn du die Informationen im Februar bekommst, kannst du meines Erachtens das Auto nicht mehr umkonstruieren. Das Auto für das nächste Jahr wird jetzt konstruiert, im Februar ist es schon lange fertig."

Frage: "Ferrari steht in der ersten Reihe der Ankläger. Hältst du das angesicht der Dinge, die sich Ferrari in der Vergangenheit selbst erlaubt hat, für gerechtfertigt?"
Wurz: "Wir haben jetzt Freitagabend, ich habe vorrangig andere Dinge zu tun. So tief möchte ich in die Materie jetzt nicht einsteigen."

Frage: "McLaren-Mercedes muss 100 Millionen US-Dollar zahlen. Heißt das, dass McLaren im nächsten Jahr schwächer sein wird?"
Wurz: "Die Strafe ist komisch. Die Bestrafung mit den Punkten kann ich schon akzeptieren. Bei der Geldstrafe frag ich mich immer, worauf das basiert und wer das festsetzt. Und was mich auch riesig interessiert: Was macht die FIA jetzt mit diesen 72 Millionen Euro? Ich hoffe, sie setzen es sinnvoll bei der Verkehrssicherheit oder bei Wohltätigkeitssachen sein."

Frage: "Was wäre, wenn euer Team so viel Strafe zahlen müsste?"
Wurz: "Dann wäre der Frank (Williams, Teamchef; Anm. d. Red.) nicht glücklich."

Frage: "Könntet ihr dann überhaupt noch weitermachen?"
Wurz: "100 Millionen Euro sind ein Haufen Holz, das steckt man nicht so einfach weg. Die Teams operieren alle mit einem Gewinn von null bis zu ein paar Millionen. Da müsste man also schon ganz schön schlucken. Bei McLaren haben sie das Glück, dass sie in den Vorjahren gut gewirtschaftet und vor allem starke Sponsoren und einen starken Motorenpartner haben. Die werden das überleben. Aber es geht mir auch, das hat auch noch niemand bedacht, um die Mitarbeiter. Das sind 1.000 Mitarbeiter. Die haben alle Familien, haben Kinder zu Hause. Da spielt ein Haufen Verantwortung mit. McLaren wird das wegstecken, aber ich schätze, die Hälfte der Teams würde so etwas in den Bankrott treiben."