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McLaren-Mercedes: "Krieg der Sterne", Episode II

17. September 2007 - 01:28 Uhr

Bei den Silberpfeilen ist wieder Feuer am Dach: Spionage, angebliche Erpressung - und gewaltiger Stunk zwischen den beiden Fahrern...

Fernando Alonso vor Lewis Hamilton
Fernando Alonso beim Grand Prix von Belgien vor Lewis Hamilton
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - So harmonisch schien alles abzulaufen: Nach der ersten Episode im "Krieg der Sterne", die mit der Blockadeaktion im Qualifying in Ungarn ihren Höhepunkt erreicht hatte, setzten sich Fernando Alonso und Lewis Hamilton an einen Tisch - und in der Türkei schien wieder alles in Ordnung zu sein, tauschten sie sogar Fotos am Handy aus und spielten PlayStation. Friede, Freude, Eierkuchen. Doch nun brodelt es wieder.

Auslöser der zweiten Episode des "Kriegs der Sterne" war der gestrige Grand Prix von Belgien, den Alonso als Dritter, Hamilton als Vierter beendete. Die beiden kamen in etwa gleich gut vom Start weg, doch Alonso drückte seinen Teamkollegen am Ausgang der La Source nach außen - und das in äußerst fragwürdiger Manier, denn alle anderen Autos waren dazu in der Lage, eine wesentlich engere Linie zu fahren, und in der TV-Analyse konnte man feststellen, dass er die Lenkung leicht aufmachte, als er Hamilton neben sich sah.

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Hamilton schimpft erstmals in der Öffentlichkeit

"Fernando beschwert sich immer über andere, die unfair sind, aber er hat mich eindeutig absichtlich rausgedrückt."
Lewis Hamilton

Letzterer war unmittelbar nach dem Rennen entsprechend sauer: "Ich verfolge die Formel 1 schon seit einigen Jahren im Fernsehen. Fernando beschwert sich immer über andere, die unfair sind, aber er hat mich eindeutig absichtlich rausgedrückt. Für einen jungen Fahrer wie ich, der zu einem Doppelweltmeister aufschaut, hat er seine Vorbildfunktion nicht erfüllt", gab er vor laufenden TV-Kameras zu Protokoll.

"Wir kamen am Start gleich weg, ich vielleicht ein bisschen besser. Ich bremste ziemlich spät und war außen, nahe am Ferrari dran, begann zu beschleunigen. Und auf einmal schwenkte Fernando zu mir rüber! Er wusste, dass ich da war. Derjenige, der außen ist, kriegt die Kurve nicht immer, aber es war genug Platz für uns beide, um fair und sauber herumzukommen. Es war Absicht, das konnte ich sehen", so Hamilton. Auf die Frage, ob es ein faires oder ein normales Rennmanöver gewesen sei, antwortete er nur: "Nein."

Den Presseleuten des Teams, die bei allen Interviews als Aufpasser dabei sind, muss angesichts dieser brisanten Aussagen ganz schwindlig geworden sein - so deutlich hatte der WM-Leader seinem Stallgefährten noch nie Unsportlichkeit unterstellt. Zwar war Hamilton schon nach dem Nichtangriffspakt von Monaco und nach Alonsos Handzeichen in den USA sichtlich nicht begeistert, aber bislang konnte er seinen Ärger meistens artig hinunterschlucken.

War es Absicht? Haug will erst analysieren...

"Ich bilde mir so schnell kein Urteil, möchte mir erst das Replay mehrere Male anschauen."
Norbert Haug

Bezeichnend auch, wie Mercedes-Sportchef Norbert Haug den Zwischenfall in der La-Source-Haarnadel bereits wenige Minuten später in einer TV-Liveschaltung beurteilte: "Das hätte man auch anders machen können." Mit etwas Abstand wollte er sich nach der Zieldurchfahrt aber nicht mehr festnageln lassen: "Ich bilde mir so schnell kein Urteil, möchte mir erst das Replay mehrere Male anschauen."

In der Endphase des Rennens gab Hamilton - wahrscheinlich mit Wut im Bauch - noch einmal alles, um doch noch an Alonso heranzukommen, wobei er sich einen ungefährlichen Ausritt leistete. Teamchef Ron Dennis sagte dazu: "Fernando ließ ein bisschen nach, um Lewis dazu zu verleiten, zu pushen und einen Fehler zu machen - und Lewis hat einen Fehler gemacht, aber an einer sicheren Stelle." Dies sei aber "kein Problem" gewesen.

Auseinandersetzung laut Dennis im fairen Rahmen

Fernando Alonso und Lewis Hamilton
Erst in der Senke Eau Rouge musste Lewis Hamilton den Fuß vom Gas nehmen...
© xpb.cc

Dennis wollte auch den La-Source-Zwischenfall nicht überbewerten: "Sie sind halt Rennfahrer! Sie haben nichts gemacht, was zu aggressiv wäre." Allerdings räumte er ein, die Atmosphäre zwischen seinen beiden Titelanwärtern sei "ein bisschen unterkühlt, na und? Manchmal kommt das einfach mit dem Ehrgeiz. Ich habe das früher schon erlebt und ich werde es auch diesmal wieder überleben", spielte er auf die legendäre Feindschaft zwischen Ayrton Senna und Alain Prost Ende der 1980er-Jahre an.

Dass der 60-Jährige auf den spanischen Doppelweltmeister nicht gut zu sprechen ist, ist seit Samstag aber kein Geheimnis mehr. Angeblich wollte sich Alonso am Ungarn-Wochenende eine Bevorzugung im Team erpressen, indem er damit drohte, seinen Spionage-E-Mail-Verkehr mit Pedro de la Rosa an die FIA zu übermitteln. Dennis wurde proaktiv, zeigte McLaren-Mercedes in einem Telefonat mit Max Mosley selbst an - was die neue Entwicklung, die zum Ausschluss aus der Konstrukteurs-WM und zur Geldbuße von 100 Millionen US-Dollar führte, überhaupt erst ins Rollen brachte.

Haug wurde darauf direkt angesprochen, entgegnete nur mit ernster Miene: "Klar ist: Wenn ein Fahrer sagt, 'Ich habe Material, da steht der Name eines Konkurrenten drin', in dem Fall eine E-Mail - da hat Ron sofort zum Telefon gegriffen. Das ist nur richtig und offen und fair. Das war beim Grand Prix Ungarn. Was soll er auch anderes tun? Ich denke, das muss man ihm hoch anrechnen." Ein klares Dementi ließ er sich nicht entlocken.

Alonso auch 2008 noch im Silberpfeil?

"Wir bekundeten unsere Absicht, diese schwierige Situation zu überstehen, um den Vertrag gemeinsam zu bestreiten."
Ron Dennis

Dass Alonso auch 2008 im Silberpfeil sitzen wird, kann sich kaum noch jemand vorstellen - außer Dennis: "Als ich das letzte Mal mit ihm gesprochen habe, bekundeten wir beide unsere Absicht, diese sehr schwierige Situation zu überstehen, um den Rest dieser Saison und den Vertrag gemeinsam zu bestreiten", so der Brite. Gleichzeitig ist in Belgien aber durchgesickert, dass es Kontakte zu Nico Rosberg geben soll, der seinerseits "ein paar Anfragen" bestätigte, dabei aber keine Teamnamen nannte.

Und dann ist da noch die Geschichte um das angebliche Interviewverbot für Alonso - laut Dennis "ein Gerücht", das er nicht nachvollziehen kann: "Er kann sprechen, mit wem er will und wann er es will." Nur: Alonso selbst lehnte in Begleitung seines Physiotherapeuten Fabrizio Borra kurz vor dem Start ein Interview mit unserem Partnersender 'Premiere' trotz zweimaligen Nachhakens des Kollegen Simon Südel ab: "Das Team hat gesagt, ich darf nichts sagen." Wer lügt?

Gerüchte um Testverbot nur ein Hirngespinst

"Das ist seit Anfang des Jahres vom Team festgelegt."
Fernando Alonso

Entkräften kann man hingegen die Spekulation, wonach Alonso diese Woche in Jerez wegen all dieser Unstimmigkeiten nicht mehr testen darf. Der Doppelweltmeister selbst hielt fest, er dürfe natürlich fahren, aber er habe das "nicht in der Planung" vorgesehen: "Das ist seit Anfang des Jahres vom Team festgelegt." Dennis kosteten derartige Verschwörungstheorien sowieso nur ein mildes Lächeln: "Alles Unfug!"

Auch am Gleichbehandlungsgrundsatz der beiden Fahrer will der Brite ungeachtet aller Geschehnissen festhalten: "Man kann nicht eine Sache predigen und eine andere anwenden. Unterm Strich behandeln wir unsere Fahrer gleich. Das muss auch niemand überwachen, sondern wir sorgen uns selbst darum. Sie haben jede Gelegenheit, einander zu besiegen", so Dennis. Und: "Wir können nur noch die Fahrerweltmeisterschaft gewinnen, und darauf konzentrieren wir uns natürlich."

Fazit: Auch wenn sich Dennis, Haug und Co. weiterhin bewundernswert vor ihr Team stellen und kategorisch alle heiklen Fragen so beantworten, als sei McLaren-Mercedes das harmonischste Team im Fahrerlager, brodelt es hinter den Kulissen ganz gewaltig - "Krieg der Sterne", Episode II. Umso höher muss man allerdings die unwiderstehliche sportliche Leistung der Silberpfeile bewerten - schade nur, dass diese momentan völlig untergeht...

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