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Geld ist (fast) alles: Europa hat schon verloren

24. September 2007 - 12:49 Uhr

Die Formel 1 verliert Rennen in Europa und gewinnt Grands Prix in aufstrebenden Ländern hinzu - weil der Kommerz längst den Sport bezwungen hat

Silverstone
In der Formel 1 stehen die kommerziellen über den sportlichen Interessen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Seit dieser Saison gibt es nur noch ein Formel-1-Rennen auf deutschem Boden - der Grand Prix war für den Hockenheimring zu teuer geworden und auch am Nürburgring ächzt man unter der hohen finanziellen Belastung durch die Formel 1. Die Formel 1 zu verlieren, das wäre ein herber Image-Verlust, und so schleppt man das Millionen-Verlustgeschäft nun nur noch alle zwei Jahre mit.

Zuletzt machte die Formel 1 wieder in Belgien Halt und das Rennen in den Ardennen hat bewiesen, dass es den Platz im Formel-1-Kalender verdient hat. In den vergangenen vier Jahren musste die "Königsklasse des Motorsports" aber ohne den Ardennen-Klassiker auskommen. 2003 wegen des von der belgischen Regierung vorgezogenen Tabakwerbeverbots, 2006 wegen der Pleite des Promoters und anstehender Renovierungsarbeiten.

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In diesem Jahr und im kommenden Jahr gab und gibt es kein Rennen in Imola und es ist fraglich, ob das neben Monza zweite Rennen auf italienischem Boden überhaupt jemals wieder aufgenommen wird - Renovierungsarbeiten hin oder her. Gleiches gilt für den Großen Preis von Frankreich - den will Formel-1-Boss Bernie Ecclestone nicht mehr im "Nirgendwo" von Magny-Cours sehen, auch wenn der Gnadenersuch für kommendes Jahr erhört wurde.

Sieht man einmal von Valencia ab, wird die Formel 1 in den kommenden Jahren vermehrt Rennen außerhalb von Europa erhalten, zum Beispiel in Singapur, Abu Dhabi oder Indien. Der Grund hierfür ist relativ simpel: Die Veranstalter - und meist auch die Regierungen - sind bereit, tief in die Tasche zu greifen.

Das ist auch notwendig, denn das Private Equity-Unternehmen 'CVC', das im Jahr 2005 durch den Erwerb der 'SLEC' die kommerziellen Rechte an der Formel 1 erworben hat, braucht höhere Einnahmen. Das zu 'CVC' gehörende Unternehmen 'Alpha D2' hat laut 'Telegraph' einen Gewinneinbruch von umgerechnet 222 Millionen Euro auf rund 4,3 Millionen Euro hinnehmen müssen. Grund hierfür ist die Abbezahlung von Schulden in Höhe von rund 156 Millionen Euro für den 1,77 Milliarden Euro schweren Einkauf bei der Formel 1.

Diese enormen Kosten muss das Unternehmen in der Formel 1 wieder reinholen, um aus dem "Abenteuer" kein Verlustgeschäft zu machen. Dies beinhaltet auch, sich die Veranstaltungsorte so rauszusuchen, dass die Einnahmen maximiert werden können. So wurde zum Beispiel kein neuer Vertrag mit dem Großen Preis der USA abgeschlossen, weil der Veranstalter nicht bereit war, die geforderte Summe zu zahlen.

Andere Länder wie China oder Bahrain sollen bereit sein, pro Jahr deutlich mehr als 18 Millionen Euro zu zahlen. Die neuen Rennen sollen in den kommenden Jahren pro Saison 100 Millionen Euro in die Kassen spülen. Die Anzahl der Rennen in Europa, die in den vergangenen zehn Jahren von 12 auf acht reduziert wurde, könnte noch weiter gesenkt werden, um mehr Einnahmen zu generieren.

Die Einnahmen, die neben den Austragungsrechten auch TV-Rechte und Werbeeinnahmen an den Strecken beinhalten, sind um 6 Prozent auf insgesamt rund 514 Millionen Euro gestiegen, und hinken damit hinter den sonst üblichen Zehn-Prozent-Steigerungen pro Jahr hinterher. Immer wieder ist die Rede davon, dass die Veranstalter in ihren Verträgen verankert haben, dass sie jedes Jahr 10 Prozent mehr an Gebühren für das Austragungsrecht berappen müssen.

'Alpha D2' muss laut 'Concorde Agreement' einen Teil der Einnahmen an die Teams ausschütten - die Rede ist von rund 270 Millionen Euro. Vor Rückzahlung der Schulden erzielte das Unternehmen damit einen operativen Gewinn von rund 170 Millionen Euro.