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Vettel: Gebt uns ein bisschen Zeit!

28. August 2007 - 12:09 Uhr

In seiner aktuellen Kolumne berichtet Sebastian Vettel von seinem zweiten Rennen für Toro Rosso in Istanbul und dem Verlauf seiner Eingewöhnung

Sebastian Vettel
Zwei Rennen, aber noch kein einziger Test für Toro Rosso sind absolviert
© Red Bull

(Motorsport-Total.com) - Liebe 'Motorsport-Total.com'-Leser,

nach meinem ersten Grand Prix für Toro Rosso in Ungarn ging es gleich mal in die dreiwöchige Sommerpause. Ihr könnt euch sicher sein, dass ich da keinen Urlaub gemacht habe! Stattdessen wurde beinhart trainiert. Ehrlich gesagt wäre mir eine kürzere Pause zwischen Budapest und Istanbul lieber gewesen, aber andererseits ist die Zeit auch recht schnell vergangen.

Die Strecke in der Türkei kannte ich schon aus dem Vorjahr, als ich als Freitagsfahrer für das BMW Sauber F1 Team unterwegs war und auf Anhieb Bestzeit fuhr. Das war damals natürlich ein klasse Moment für mich! Weil die Strecke relativ wenig von anderen Rennserien befahren wird, hat sie speziell zu Beginn des Wochenendes immer recht wenig Grip. Als die Linie dann sauber gefahren war, lief es aber ganz gut für mich. Meine Zeiten waren auf Anhieb auch nicht weit weg von denen meines Teamkollegen Tonio Liuzzi, der das Auto ja schon viel besser kennt.

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Gullydeckel legt die Formel 1 lahm

"Echt kurios, dass die Formel 1 wegen solch einer Groschenpanne stillgelegt wird."
Sebastian Vettel

Leider hatte ich am Nachmittag ein Getriebeproblem, aber der Schaden hielt sich im Vergleich zu den Konkurrenten in Grenzen, weil die Session wegen einer lockeren Drainageabdeckung für fast eine halbe Stunde unterbrochen war. Echt kurios, dass die Formel 1 wegen solch einer Groschenpanne stillgelegt wird, aber der Abbruch war aus Sicherheitsgründen schon richtig. Generell war ich nach dem Freitag recht zufrieden.

Im Qualifying wurde ich 20. Das Problem war, dass ich in der Aufwärmrunde sehr viel Verkehr hatte, weil ich als Letzter aus der Box rausfuhr. Dadurch konnte ich meine Reifen nicht aufwärmen, was die erste Hälfte meiner fliegenden Runde negativ beeinflusst hat. Da verliert man relativ schnell viel Zeit. Das Qualifying war also nicht optimal. Hinzu kam, dass man ja nach dem Qualifying am Auto nichts mehr verstellen darf, was uns auch am Sonntag viel gekostet hat.

Der Start an sich war gar nicht so schlecht, ich kam gut von der Linie weg, aber beim Hochschalten verlor ich gegenüber meinen unmittelbaren Konkurrenten an Boden. Ich fuhr einen recht langen ersten Stint, wodurch ich die Pace der Vorderleute nicht ganz mitgehen konnte, und an der Box starb auch noch der Motor ab. Schlussendlich wurde ich 19. Das ist natürlich nicht das, was ich mir erhofft hatte, aber jetzt setzen wir uns halt zusammen und schauen, was wir anders machen können.

Setup ist die größte Baustelle

"Das geht in der Formel 1 nicht von heute auf morgen."
Sebastian Vettel

Dazu gehört sicher einmal das Setup. Ich bin neu bei Toro Rosso und kenne das Auto noch kaum, weil ich ja abgesehen von den Rennwochenenden noch keinen einzigen Test damit hatte. Also orientiere ich mich von der Basis her in Sachen Abstimmung zunächst immer an Tonio, der aber einen anderen Fahrstil pflegt als ich. Und dann gehe ich von dieser Basis aus mehr in meine Richtung. Irgendwann werde ich ganz meine Richtung finden, was mir liegt und was weniger. Da ich neu bin, ist es ja auch für das Team schwierig, meine Bedürfnisse genau einzuschätzen. Das geht in der Formel 1 nicht von heute auf morgen.

Ansonsten fühle ich mich menschlich schon sehr wohl im Team. Ich wurde von den Leuten - Mechaniker, Ingenieure und Teamführung - sehr positiv aufgenommen und verstehe mich mit allen gut. Die Italiener sind generell sehr familiär, da findet man sich schnell zurecht. Mein Chef, Gerhard Berger, ist früher selbst Formel-1-Rennen gefahren. Er kann sich daher sehr gut in mich hineinversetzen, wenn ich ihm zum Beispiel das Fahrverhalten schildere. Und man spürt, dass ihn das wirklich interessiert.

Das ganze Team befindet sich im Aufwind, ist im Wachsen. Man muss uns einfach ein bisschen Zeit geben, bis wir dann soweit sind. Wie gesagt: In der Formel 1 geht das nicht von heute auf morgen.

Hoffnung auf ein besseres Monza-Wochenende

Sebastian Vettel
In der Türkei fehlte ein bisschen Zeit auf Teamkollege Vitantonio Liuzzi
© xpb.cc

Vielleicht wird es ja schon in Monza besser. In Istanbul ist alles zusammengekommen, aber Monza ist eine ganz andere Strecke, ein Low-Downforce-Kurs. Ich bin jetzt schon an der Strecke, weil alle Teams diese Woche in Monza testen. Danach geht es noch mal zurück in meine Wohnung in die Schweiz und in den Tagen vor dem Grand Prix stehen ja schon wieder diverse Termine und Interviews an.

Ich freue mich jedenfalls schon auf die nächsten Rennen. Jetzt habe ich einmal ein bisschen reingeschnuppert, aber ich bin sicher, dass da noch um einiges mehr drin ist. Und natürlich freue ich mich immer darüber, wenn ihr mir dafür fest die Daumen drückt!

Euer Sebastian

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