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Emotionaler Dennis stellt sich vor das Team

05. August 2007 - 22:27 Uhr

Ron Dennis spricht erstmals offen über die internen Probleme bei den Silberpfeilen, stellt sich vor sein Team und will den Streit bis Istanbul schlichten

Ron Dennis
Nachdenklich: Die vergangenen Tage haben Ron Dennis sichtlich mitgenommen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Wer Ron Dennis kennt, der weiß, dass ihm das Ansehen seines Teams über alles geht. Insofern muss es ihm gestern fürchterlich weh getan haben, als Fernando Alonso und Lewis Hamilton mit der heiß debattierten Boxenblockade nach der Spionageaffäre den nächsten Skandal rund um die Silberpfeile heraufbeschwörten.

Doch während der Öffentlichkeit nach dem Qualifying am Hungaroring trotz der offensichtlichen Unstimmigkeiten zwischen den beiden Fahrern noch eine heile Welt vorgespielt wurde, stellte sich Dennis heute nach dem Grand Prix von Ungarn in einem ausführlichen Briefing den Medien, um die Ereignisse der vergangenen Tage aus seiner Sicht ehrlich zu beleuchten. Dabei zeigte er sich - nicht zum ersten Mal in diesem Jahr - von seiner emotionalen Seite.

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Gleichbehandlung bleibt oberste Priorität

"Wir haben das Team und die Firma auf dem Gleichheitsprinzip aufgebaut."
Ron Dennis

Zunächst wischte er noch einmal alle Vorwürfe vom Tisch, wonach einer der beiden Fahrer bevorzugt werden könnte: "Wir haben das Team und die Firma auf dem Gleichheitsprinzip aufgebaut. Gleichheit ist ungemein schwierig zu regeln", sagte er. "Es gibt viele Teams, die das genauso sehen wie wir, die aber entweder kein konkurrenzfähiges Auto haben oder nicht zwei konkurrenzfähige Fahrer. Wenn man eine Kombination dieser beiden Faktoren hat, dann hat man es definitiv schwer."

Damit spielte er auf den "Krieg der Sterne" zwischen Alonso und Hamilton an, der in den vergangenen Wochen immer weiter eskalierte und an diesem Wochenende seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte. Dabei hat alles schon viel früher begonnen: In Monaco war Hamilton nach dem Nichtangriffspakt stinksauer, in Indianapolis fuchtelte Alonso wild gestikulierend in Richtung Kommandostand, als er vom Team nicht an seinem Stallkollegen vorbei in Führung gewunken wurde.

Viele Beobachter fühlen sich dabei an das erbitterte Duell zwischen Alain Prost und Ayrton Senna in den Jahren 1988 und 1989 erinnert, als die beiden damaligen Superstars unter McLaren-Regie zunächst gut miteinander zu harmonieren schienen, sich dann aber immer weiter voneinander entfernten. Auch damals war übrigens ein Nichtangriffspakt - allerdings ein von Senna gebrochener in Imola 1989 - der Auslöser der Eskalation.

Das Internet macht alles schwieriger...

"Das Internet ist ein Fluch!"
Ron Dennis

Dennis relativierte die Parallelen zwischen Alonso/Hamilton und Prost/Senna jedoch, sprach heute von "anderen Charakteren" und "anderen Umständen - und ganz egal, wie der Ausgang auch sein mag, er wird höchstwahrscheinlich anders sein als damals." Außerdem seien derartige Situationen früher medial einfacher zu managen gewesen, weil heute das Internet (Zitat Dennis: "Ein Fluch!") Nachrichten in Sekundenschnelle verbreitet.

Doch ungeachtet dessen, was Alonso, Hamilton oder die Öffentlichkeit auch fordern mögen, wird der 60-Jährige am Gleichheitsprinzip festhalten, denn "wenn man einen anderen Weg einschlägt, steht man am Ende mit einem Rennteam mit nur einem Rennauto und einem Rennfahrer da. Dann muss es nämlich intern unweigerlich ein starkes Interesse an einem bestimmten Fahrer geben, aber ich denke nicht, dass das die Art und Weise ist, wie man Weltmeisterschaften gewinnt."

"Bitte versteht, dass dies eine Angelegenheit des Teams ist. Ich gebe offen zu, dass wir einige schwierige Situationen im Team hatten, aber ich werde mich nicht zu irgendeinem Teammitglied äußern. Wir sind eine sich nahe stehende Familie mit schwierigen Zeiten hinter und wahrscheinlich auch vor uns, aber wir werden zusammenhalten und nicht von unseren Werten abweichen. Ein Team ist nicht nur ein Wort. Es ist eine Lebenseinstellung", sinnierte er nicht ohne Pathos.

Alonso petzt immer nur bei spanischen Journalisten

Ron Dennis
Ron Dennis stand in Ungarn im Mittelpunkt des Medieninteresses
© xpb.cc

Aber ob das auch die Fahrer so sehen? Alonso, bei den britischen und deutschen Journalisten wie immer ganz handzahm, tobte in den spanischen Medien heute wieder einmal über seinen Teamchef. Dennis wich allen Anspielungen darauf aber aus und stellte nur in den Raum: "Jeder, der unsere Werte nicht teilen will, hat die Wahl. Aber wir werden von unseren Werten ganz bestimmt nicht abrücken."

Alonsos Andeutungen, wonach er damit liebäugle, McLaren-Mercedes vor Vertragsablauf zu verlassen, blieben von Dennis ebenfalls nicht ungehört: "Wir haben zwei Fahrer, die für mehrere Jahre bei uns unter Vertrag stehen. Wir werden unseren Teil der Abmachung respektieren und hoffen, dass die Fahrer auch ihren Teil respektieren, denn dafür sind Verträge nun einmal da", gab er in bestimmtem Ton zu Protokoll.

Dennis will in der Sommerpause Frieden stiften

"Das zu handhaben, ist eine herausfordernde Situation."
Ron Dennis

Als seine größte Aufgabe für die nächsten Wochen sieht er es jetzt, "wieder etwas Ruhe ins Team zu bringen. Das zu handhaben, ist eine herausfordernde Situation, das ist mir bewusst, aber das ist mein Job", so Dennis. Er habe zwar Personen wie Geschäftsführer Martin Whitmarsh, auf die er sich jederzeit verlassen kann, doch letztendlich sei er selbst derjenige, der alle signifikanten Entscheidungen treffen muss.

"Ich muss ein Leader sein", sagte er, "gemeinsam mit meinen Kollegen - und versuchen, aus dieser Serie an Problemen als Team wie auch als Einzelperson gestärkt hervorzugehen. Wenn man zwischen 30 und 60 Jahren alt ist, hakt man Erfahrungen oft als charakterbildend ab, aber ich kann euch sagen: Mit 60 Jahren muss sich mein Charakter nicht mehr bilden!" Und, nach einem tiefen Luftholen: "Diese Situation ist extrem herausfordernd für mich, sie geht mir nahe und ist stressig."

Daher ist es auch kein Wunder, dass Dennis nun erst einmal ein paar Tage abschalten will, ehe es in drei Wochen mit dem Grand Prix der Türkei weitergeht: "Ich freue mich sehr auf meinen Urlaub und darauf, heute Abend zu Hause in aller Ruhe ein Glas Wein zu trinken", grinste er. "Martin wird sich in den nächsten Tagen um die Geschäfte kümmern, aber natürlich werden ohne mich keine signifikanten Entscheidungen diskutiert."

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