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Kreuzverhör mit Renault-Ingenieur Bob Bell

11. Juli 2007 - 14:40 Uhr

Renaults Technischer Direktor stellt sich im vom Team zur Verfügung gestellten Kreuzverhör einigen Fragen, die sonst eher selten gestellt werden

Bob Bell
Bob Bell ist bei Renault so etwas wie Adrian Newey bei Red Bull Racing
© Renault

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Bob, was war dein erster Kontakt mit dem Motorsport?"
Bob Bell: "Ich war sechs oder sieben Jahre alt. Nebenan lebte eine Familie mit mehreren Söhnen. Einer baute einen Formel Ford, ein anderer ein Kart. Ihre Leidenschaft und ihr handwerkliches Geschick beeindrucken mich bis heute."

Frage: "Welches Rennen hast du als erstes live an der Strecke gesehen?"
Bell: "Den Großen Preis der Niederlande 1979. Ich sah, wie Gilles Villeneuve seinen Ferrari auf drei Rädern bis in die Boxen zurückprügelte - für mich und für wohl jeden Formel-1-Fan auf der Welt eines der legendärsten Bilder."

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Von John Barnard zu McLaren geholt

Frage: "Wie bist du in die Formel 1 gekommen?"
Bell: "Ich habe Luft- und Raumfahrttechnik studiert und dann bald festgestellt, dass mir die Geduld fehlt, um an Projekten zu arbeiten, die bis zu ihrer Verwirklichung zehn Jahre oder länger brauchen. Also entschloss ich mich, mein Glück in der Formel 1 zu versuchen. Das klappte: John Barnard holte mich zu McLaren."

Frage: "Seit wann bist du bei Renault?"
Bell: "Ich kam Ende 2001 von Jordan zum Team."

Frage: "Was war dein schönstes Erlebnis bei Renault?"
Bell: "Fernando Alonsos Sieg in Malaysia 2005. Da waren keine glücklichen Umstände im Spiel, sondern es war klar zu erkennen, dass wir aus eigener Kraft um den Titel kämpfen konnten. Dieser Grand Prix war der Auftakt zu einem fantastischen Abenteuer."

Frage: "Wer war der beste Fahrer, mit dem du je gearbeitet hast?"
Bell: "Ich hatte das Privileg, mit einer Reihe außergewöhnlicher Piloten arbeiten zu dürfen. Wenn ich einen davon herausheben soll, wäre das Ayrton Senna. Wie intensiv er sich in technische Fragen einbrachte, war einzigartig - ebenso wie das Selbstvertrauen, das er ausstrahlte."

Frage: "Was war der beste Grand Prix, den du je gesehen hast?"
Bell: "Suzuka 2005, als Kimi Räikkönen in der letzten Runde Giancarlo (Fisichella; Anm. d. Red.) noch den Sieg wegschnappte. Ein tolles Rennen, auch wenn es für uns nicht gerade positiv ausging."

Frage: "Was ist der lustigste Spruch, den du von Flavio Briatore kennst?"
Bell: "In Silverstone am vergangenen Wochenende wollte Flavio erreichen, dass alle Teamchefs eine Vereinbarung unterzeichnen. Er ging zu Rob White, unserem Motorenchef und sagte zu ihm: 'Rob, an den Motoren gibt es diese Saison doch sowieso nichts zu arbeiten, also kannst du dich um das Papier kümmern!'"

Luftfahrtindustrie ist Bell zu langweilig

Frage: "Was würdest du tun, wenn du nicht in der Formel 1 wärst?"
Bell: "Ich hätte angefangen, in der Luftfahrtindustrie zu arbeiten. Wäre ich dort lange geblieben? Das bezweifle ich."

Frage: "Was fehlt der heutigen Formel 1?"
Bell: "Wir müssen uns daran erinnern, dass es bei der Formel 1 vor allem um Unterhaltung geht. Das Anschauen eines Grand Prix muss eine einzigartige Erfahrung bieten für die Leute, die unter teils großen Kosten und Mühen an die Strecke kommen. An sie müssen wir an erster Stelle denken."

Frage: "Was würdest du am aktuellen technischen Reglement gerne ändern?"
Bell: "Ich würde die Massedämpfer wieder erlauben, die uns 2006 verboten wurden."

Frage: "Wenn du während eines Grand Prix Musik hören würdest: Welcher Stil wäre der passende?"
Bell: "In diesem Jahr rackern wir derart, um den Anschluss zu finden - da wäre etwas mit einem treibenden Rhythmus geeignet, vielleicht sogar Marschmusik."

Frage: "Gegen welches Team gewinnst du am liebsten?"
Bell: "McLaren, auch wenn ich 15 Jahre lang dort gearbeitet habe!"

Frage: "Wie lange wirst du noch in der Formel 1 bleiben?"
Bell: "Wenn wir nicht bald zu den Spitzenteams aufschließen, könnte meine Karriere Ende dieser Saison vorbei sein... (lacht; Anm. d. Red.)"

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