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Kolles: "Ohne Budget nützt ein schneller Fahrer nichts"

23. Juli 2007 - 02:18 Uhr

Teamchef Colin Kolles spricht über die Chancen von Christian Klien bei Spyker, die Entwicklung des Formel-1-Engagements und seinen eigenen Werdegang

Colin Kolles
Teamchef Colin Kolles würde am liebsten keine Paydriver mehr engagieren
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Spyker-Teamchef Colin Kolles hat einen schwierigen Job. Der in Rumänien geborene Deutsche wird oft dafür kritisiert, dass er so genannte Paydriver engagiert, die für ihr Cockpit bezahlen oder einen Sponsor mit an Bord bringen.

Der gelernte Zahnarzt hat sich bereits in frühen Jahren dem Motorsport verschrieben, doch in dem noch jungen, kleinen Formel-1-Team muss sich Kolles nach der Decke strecken. Er versichert aber, dass er vom Herzen her liebend gerne auf Paydriver verzichten würde. Christian Klien müsste keinen Cent für das zweite Renncockpit bezahlen, allerdings ist Kolles immer noch auf der Suche - nach weiteren Sponsoren...


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Als 16-Jähriger im Rallyesport

"Ich war so circa 16 Jahre alt, als ich mit dem Rallyesport begonnen habe."
Colin Kolles

Frage: "Herr Kolles, Ihre Laufbahn verlief für einen Formel-1-Teamchef recht ungewöhnlich. Sie sind wohl der erste Zahnarzt, der auf der Kommandobrücke eines Formel-1-Rennstalls gelandet ist. Ich vermute: Nicht alle wissen, dass Sie in jungen Jahren mit dem Rallyesport begonnen haben."
Colin Kolles: "Ja, ich war so circa 16 Jahre alt, als ich mit dem Rallyesport begonnen habe - zunächst als Copilot, dann auch als Fahrer. Wir fuhren in der Deutschen Meisterschaft, haben aber auch Europameisterschaftsläufe bestritten. Die beste Platzierung war ein vierter Platz bei einem EM-Lauf. Doch dann musste ich mich entscheiden."

Frage: "Zwischen dem Motorsport und dem Medizinstudium?"
Kolles: "Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem beides einfach nicht mehr möglich war. Ich habe mich dann für das Studium entschieden und meine aktive Motorsportlaufbahn beendet."

Frage: "Aber dem Motorsport blieben Sie trotzdem treu?"
Kolles: "Ja, ich habe junge Fahrer unterstützt, aus dem Kartsport heraus. Das hat sich einfach von selbst ergeben. Einer von ihnen ist Elran Nijenhuis."

Frage: "Später haben Sie ein eigenes Formel-3-Team gegründet?"
Kolles: "Das eine, dass ich junge Fahrer unterstützt habe, dass ich dabei geholfen habe, Sponsoren zu finden, ergab das andere, das Formel-3-Team."

Frage: "Obwohl Ihre Wurzeln also tief im Motorsport verankert sind, wird Ihnen vorgeworfen, Sie würden nur Paydriver verpflichten."
Kolles: "Nicht hundertprozentig. Adrian Sutil beispielsweise brachte keine Sponsoren. Ich kämpfe jeden Tag um Sponsoren, damit wir Motorsport betreiben können."

Sponsorensuche beschäftigt Kolles

"Ich habe ein Formel-1-Team zu führen und dafür zu sorgen, dass es auch überlebt."
Colin Kolles

Frage: "Ihr Technikdirektor Mike Gascoyne hat versichert, dass er sich einen erfahrenen Fahrer wünscht, der das Team mit exakten technischen Feedbacks vorwärts bringt. Tut es Ihnen dann nicht in Ihrem Motorsportherzen weh, wenn Sie dann doch einen Paydriver verpflichten müssen?"
Kolles: "Sie können mir glauben, dass ich liebend gerne nach anderen Gesichtspunkten auswählen würde. Aber ich habe ein Formel-1-Team zu führen und dafür zu sorgen, dass es auch überlebt. Meine Arbeit besteht derzeit darin, dass ich rund um die Uhr versuche, Sponsoren aufzutreiben. Wenn Sie heute ein Technikerteam haben, das unbedingt ein Space-Shuttle bauen möchte, müssen Sie auch das nötige Geld dafür auftreiben. Spyker ist eine kleine Firma, die Sportwagen baut."

Frage: "Hat sich das Formel-1-Engagement bereits ausgewirkt auf die Verkaufszahlen von Spyker?"
Kolles: "Spyker ist durch die Formel 1 natürlich bekannter geworden, sicher wirkt sich das Formel-1-Team positiv auf die Firma Spyker aus, aber wir stehen erst am Anfang des Weges. Viele Menschen kannten Spyker vor dem Formel-1-Engagement nicht. Was wir hier zurzeit machen, ist ein intensives Branding. Sicher ist es ein Ziel, dass dadurch die Verkaufszahlen steigen und dass wir so in ein paar Jahren in die Lage kommen, an vorderster Front Motorsport zu betreiben. Aber das benötigt auch seine Zeit."

Frage: "Mike Gascoyne ist überzeugt, dass Christian Klien Ihr Team vorwärts bringen könnte. Wie stehen seine Chancen, ins zweite Renncockpit zu steigen?"
Kolles: "Die Chancen sind schon noch vorhanden, aber wir müssen auch schauen, dass wir unser Budget zusammenkriegen. Denn ohne Budget nützt mir auch ein schneller Fahrer nichts."

Frage: "Wann ist mit einer solchen Entscheidung zu rechnen?"
Kolles: "Wir müssen sicherlich bald eine Entscheidung treffen. Klar ist aber auch, dass wir Sponsoren benötigen."

Klien müsste kein Geld mitbringen

Frage: "Also muss auch Christian Klien einen Geldgeber an Bord bringen?"
Kolles: "Nein, muss er nicht."

"Wir lassen uns damit möglichst lange Zeit, damit ich schauen kann, was möglich ist."
Colin Kolles

Frage: "Wäre es also möglich, dass Sie einen Sponsor suchen, der quasi sein Engagement anstatt eines Paydrivers ausgleicht?"
Kolles: "Das mache ich sowieso die ganze Zeit. Deshalb warten wir ja auch so lange, bis wir eine Entscheidung treffen. Wir lassen uns damit möglichst lange Zeit, damit ich schauen kann, was möglich ist."

Frage: "Beim Grand Prix der Türkei wird die B-Version Ihres Autos debütieren. Welche Neuheiten befinden sich an dem Boliden?"
Kolles: "Es wird vor allem auch eine neue Aerodynamik geben, wir haben auch unseren Windkanal erneuert."

Frage: "Einige Teams hatten bei ihren neuen Windkanälen Probleme mit der Kalibrierung."
Kolles: "Da gibt es kein Problem, denn wir arbeiten auch in den Windkanälen von Lola und Aerolab."

Frage: "Was erwarten Sie sich von dem neuen Wagen?"
Kolles: "Wir wollen ins Mittelfeld vorstoßen."

Frage: "Ab wann soll das passieren?"
Kolles: "Am besten sofort."

Frage: "Wie? Gleich beim ersten Grand Prix?"
Kolles: "Nein, aber im Laufe der Saison sollte schon eine deutliche Steigerung möglich sein."

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