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Briatore: "Wir haben zu viel Demokratie"

14. Juli 2007 - 10:56 Uhr

Flavio Briatore erklärt, was seiner Meinung nach in der Formel 1 falsch läuft, und plädiert für ein diktatorisches Führungssystem

Flavio Briatore
Flavio Briatore hat so seine Ideen, wie man die Formel 1 verbessern könnte
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Immer wieder kommt die Diskussion über die Attraktivität der Formel 1 auf, denn während die Weltmeisterschaft an sich so spannend ist wie schon lange nicht mehr, werden die Rennen meistens nur durch den Start und die Boxenstrategie entschieden. Dabei wünscht sich eine überwältigende Mehrheit der Fans mehr Überholmanöver auf der Strecke.

Renault-Teamchef Flavio Briatore vertritt die Ansicht, dass die Wurzel allen Übels nicht primär das Reglement ist, das derzeit ja reformiert wird, sondern das demokratische System in der Königsklasse des Motorsports, durch das gute Ideen von Einzelpersonen immer wieder abgewürgt werden: "Wir haben zu viel Demokratie in der Formel 1. Mit 100-Prozent-Mehrheiten kommst du nicht weiter", erklärte er gegenüber 'Motorsport-Total.com'.


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Formel 1 soll es wie die GP2 machen

Die GP2-Serie, in der nur zwei Leute - er selbst und Bruno Michel - das Sagen haben, biete wesentlich spannenderen Rennsport. Das liegt natürlich primär am Format der Rennwochenenden: Die Nachwuchskategorie fährt am Samstag ihr Haupt- und am Sonntag ihr Sprintrennen, wobei im zweiten Lauf die Top 8 der Startaufstellung gestürzt dem Ergebnis des ersten Laufs entsprechen, so dass die Schnellsten etwas weiter hinten stehen und aufholen müssen.

"Wenn unser Geld stellvertretend dafür wäre, wie gut die Rennen sind, dann wären wir die Allerbesten."
Flavio Briatore

"Wenn unser Geld stellvertretend dafür wäre, wie gut die Rennen sind, dann wären wir die Allerbesten", gab der Renault-Teamchef kritisch zu Protokoll. "Die GP2-Rennen sind meistens aber um einiges spannender. Die fahren ein Rennen am Samstag, eines am Sonntag, der Sieger vom Samstag muss am Sonntag von hinten starten - und der überholt dann logischerweise. Wir müssen einfach etwas anders machen. Wir müssen Entertainment machen."

Und weiter: "Die Rennen sind immer dann gut, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, ein Unfall zum Beispiel oder Regen. Erinnert ihr euch noch, als Fernando (Alonso; Anm. d. Red.) und Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.) in Japan 2005 am Ende der Startaufstellung standen? Da war alles fantastisch! Oder Michael (Schumacher; Anm. d. Red.) in Brasilien. Das Problem ist: Die Schnellsten stehen im Qualifying vorne, also werden sie auch im Rennen vorne landen. Um das zu verstehen, muss man kein Genie sein."

Entertainment muss im Vordergrund stehen

"Ich finde, wir müssen den Leuten ein Rennen anbieten, gute Unterhaltung, gute Typen. Wir müssen näher an die Zuschauer ran, denn wir treten manchmal zu klinisch auf. Die Leute sollen die Rivalität zwischen Ferrari, McLaren, Renault und so weiter genießen, diese Fights der Fahrer", so der Italiener, der das Gefühl hat, dass andere Teamchefs wie Jean Todt von Ferrari die Dinge langsam genau wie er zu sehen beginnen.

"Renault ist wegen der Show in der Formel 1."
Flavio Briatore

Auch die Geldverschwendung mit der Weiterentwicklung und den teuren Testfahrten ist Briatore ein Dorn im Auge. Selbst das Technologieargument und den Transfer auf die Serienproduktion könne man vernachlässigen: "Renault ist wegen der Show in der Formel 1. Die Technologie ist sehr zweitrangig, denn dafür haben wir 11.000 Leute in Paris, die darüber nachdenken. Der Punkt ist: Die Teams sind zu klein für große technologische Entwicklungen für die Serie, aber zu groß für das Racing", analysierte er.

"McLaren war sehr clever und hat das Getriebe ohne Zugkraftunterbrechung eingeführt. Jetzt haben es alle - und geändert hat sich dadurch unterm Strich nichts", sagte der 57-Jährige. "Die Formel 1 hat 50 Millionen Euro dafür ausgegeben, dass sich nichts verändert hat. Alle sind auf dem gleichen Niveau. Und noch dazu bringt das Getriebe absolut nichts für die Show und du gewinnst kein Rennen mit einem Getriebe. Das Getriebe kann ein Rennen höchstens verlieren."

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