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Surer: "Habe schon das Schlimmste befürchtet"

11. Juni 2007 - 04:03 Uhr

Formel-1-Experte Marc Surer über die Dramen im Kanada-Grand-Prix, den Unfall von Robert Kubica und die Perspektiven für Indianapolis

Marc Surer
Marc Surer: "Einen viel schlimmeren Unfall kann man nicht haben"
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Fangen wir einmal nicht mit dem Rennsieger an, sondern mit dem Rennwunder Robert Kubica, der diesen wirklich brutalen Unfall vergleichsweise gut überstanden hat."
Marc Surer: "Dass er es überhaupt überstanden hat, ist schon ein kleines Wunder, weil einen viel schlimmeren Unfall kann man nicht haben, wenn man den Einschlagwinkel anschaut. Es war eine Stelle, an der die Mauer leider nicht parallel zur Rennstrecke stand. Ich habe schon das Schlimmste befürchtet."

Frage: "Ich habe mit Scott Speed gesprochen, der stand noch an der Stelle, weil er dort mit seinem Auto stehen geblieben war. Er hat gesagt, er hat richtig Angst gehabt, weil das Auto an ihm vorbeigeflogen ist. Er hat vor dem ersten Einschlag überhaupt nicht verzögert."
Surer: "Ja, die Mauer verlangsamt ja in dem Sinne nicht, sie beißt das Auto ja nur ab. Sie nimmt aber sehr viel Energie auf, aber optisch gesehen ist das Verlangsamen natürlich sehr bescheiden."

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Frage: "Robert hat das vergleichsweise gut überstanden, aber in Indianapolis wird er wohl nicht fahren können."
Surer: "Nein. Ich glaube, so ein Unfall, so eine Verzögerung - da kommen die Nachwirkungen erst einen Tag später. Am Montag wird er sicher alle möglichen Probleme und überall Schmerzen haben. Das kann nicht sein, dass ein Körper so etwas schadlos übersteht."

Frage: "Wenn man diese Sicherheit auch auf die Straße übertragen könnte, dann wäre auch da einigen geholfen."
Surer: "Es ist sicher so, dass ein Formel-1-Auto mindestens zehnmal so stabil ist wie ein Straßenauto."

Frage: "Es kostet aber auch mehr."
Surer: "Es kostet ein bisschen mehr, aber man müsste sich trotzdem mal überlegen, ob man die Fahrgastzelle bei Autos nicht einfach stabiler macht. Aber man müsste die Leute dann auch besser anbinden. Das ist ja der Vorteil in der Formel 1, inzwischen sind auch die Helme angebunden. Die Fahrer sind einfach festgebunden in ihrer Fahrgastzelle."

Frage: "Schauen wir auf das Rennergebnis. Lewis Hamilton gewinnt hier sensationell und ungefährdet seinen ersten Grand Prix. Ebenfalls ganz stark und ungefährdet Nick Heidfeld auf Rang zwei."
Surer: "Ja, der Hamilton-Sieg war unantastbar. Und der Nick wäre auch ohne die ganzen Dramen, die sich abgespielt haben, Zweiter geworden. Er war sehr stark unterwegs, teilweise sogar schneller als Hamilton. Somit ist der zweite Platz auch ohne Dramen verdient."

Frage: "Dritter wurde Alexander Wurz von Startplatz 19. Hättest du darauf einen kanadischen Dollar gesetzt?"
Surer: "Nein. Aber als ich gemerkt habe, dass er eine Ein-Stopp-Strategie hat, hab ich gedacht: 'Hoppla, das könnte das Richtige sein.' In Monaco hat BMW das versucht, weil sie mit einem Safety Car gerechnet haben, und da gab es keine Safety-Car-Phase. Die Taktik, von da hinten mit einem Stopp zu fahren, geht nur auf, wenn es eine Safety-Car-Phase gibt, sonst bist du viel zu schwer und zu langsam. Jetzt ist sie aufgegangen und ich freu mich für den Alex, der ja wirklich schon viel Pech hatte in diesem Jahr. Das Training hier hat er auch wieder versaut. Jetzt plötzlich läuft es, es war auch für das Team ein Erfolgserlebnis."

Frage: "Wo war Ferrari in diesem Rennen?"
Surer: "Sie waren besser, als sie schlussendlich ausgesehen haben. Der Fehler von Massa hätte nicht sein müssen, oder das Team hätte aufpassen müssen. Die rote Ampel zu überfahren, ist ein peinlicher Fehler. Das hat Montoya hier vor einigen Jahren auch schon gemacht. Natürlich ist man als Fahrer darauf konzentriert, so schnell wie möglich aus der Box rauszufahren. Aber man fährt mit 80 km/h auf die Ampel zu, die müsste man eigentlich sehen. Und das Team muss natürlich auch aufpassen."

Frage: "Als nächstes Rennen steht der Große Preis der USA in Indianapolis an. Wie wird es dort sein?"
Surer: "Ich hoffe auf ein bisschen weniger Action. Aber ein Drunter und Drüber im Rennen ist immer gut, denn es gibt dann auch wieder Leute, die davon profitieren können. Ich freue mich immer, wenn nicht immer die Gleichen auf dem Podest stehen. Aber grundsätzlich werden die Teams stark sein, die auch hier stark waren, weil man fährt mit einer ähnlichen Flügeleinstellung."

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