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Pollock: "Villeneuve kann einmaligen Rekord aufstellen"

21. Juni 2007 - 15:22 Uhr

Der Manager des Ex-Formel-1-Weltmeisters Jacques Villeneuve im Exklusiv-Interview mit 'Motorsport-Total.com' über die Zukunft seines Schützlings

Craig Pollock
Craig Pollock möchte zusammen mit Jacques Villeneuve Rekorde brechen
© Edi Nikolic

(Motorsport-Total.com) - Abgesehen von seinem jüngsten Einsatz in Le Mans und ein paar kritischen Kommentaren über das neue Formel-1-Wunderkind Lewis Hamilton ist es um Jacques Villeneuve in den letzten Monaten ziemlich ruhig geworden. Während der kanadische Ex-Weltmeister die Fangemeinde noch immer polarisiert, galt sein Manager, Craig Pollock, stets als umgänglich und allseits beliebt. Im Exklusivinterview für 'Motorsport-Total.com' trauert der ehemalige BAR-Teamchef den guten alten Zeiten in der Königsklasse nach und wähnt im internationalen Rennsportgeschäft vor allem NASCAR im Aufwind.

Frage: "Du hast hier in Le Mans mit deinem Fahrer, Jacques Villeneuve, das aufregende Comeback von Peugeot erlebt. Welchen Stellenwert hat dieses Event aus deiner Sicht?"
Craig Pollock: "Ich war hier schon 1993 dabei, als Peugeot zum vorläufig letzten Mal gewonnen hat. Inzwischen hat das Rennen und der Sport, der hier geboten wird, schon deutlich an Professionalität zugelegt. Was aber noch fehlt, ist ein dritter Hersteller. Daher wäre es gut, im kommenden Jahr auch einen Honda Acura am Start zu sehen."

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Frage: "Kann man die 24 Stunden in gewisser Weise mit der Formel 1 vergleichen?"
Pollock: "Die Zuschauermassen sind gigantisch und die Atmosphäre ist im Prinzip mit der Formel 1 vergleichbar. Aber mit jener Formel 1, wie wir sie vor 20 Jahren erlebt haben, viel persönlicher und weniger kalt. Die Fans können hier Rennsport pur erleben, mit den Fahrern in Kontakt treten und das ist genau das, was der Formel 1 inzwischen abhandengekommen ist."

Frage: "Als die 'Großen Drei' des Autorennsports gelten nach wir vor die Formel 1, die Indy 500 und der Klassiker hier in Frankreich."
Pollock: "Da muss man inzwischen auch, ganz klar, die Daytona 500 dazuzählen, zumal NASCAR in Amerika eine schier unglaubliche Popularität genießt. Als Event und auch als Rennen. Jacques hat übrigens eine gute Chance, als erster Fahrer diesen einzigartigen Rekord aufzustellen. Er hat die Formel 1 gewonnen, die 500 Meilen von Indianapolis, noch dazu in einer Zeit, als die beiden Serien noch vereint waren, dann hat er hier in Le Mans noch gute Chancen und mit NASCAR reden wir in Wahrheit schon seit 5 Jahren."

Frage: "Worin liegt der Reiz, sich auf ein solches Abenteuer in den USA einzulassen?"
Pollock: "Da spielt natürlich auch das Timing eine gewisse Rolle, denn irgendwann in nächster Zeit wird sich Jacques wieder in Kanada niederlassen. Da macht ein Engagement in der stärksten amerikanischen Rennklasse einfach Sinn. Außerdem kam ihm das Fahren im Oval schon bei den IndyCars sehr entgegen. Und dass er mit geschlossenen Autos schnell ist, hat er hier bei Peugeot bewiesen."

Frage: "In der Formel 1 scheint eine neue Ära anzubrechen, in der es für Talente immer schwieriger wird, sich bis dorthin durchzukämpfen."
Pollock: "Sie wird auch immer schwieriger für uns Fahrermanager, weil die Werke zu starken Einfluss auf die Fahrer ausüben. Um ehrlich zu sein, mag ich es nicht, wenn sich ein Team für einen Fahrer entscheiden muss, weil er genau zum Markt passt, den sich die Sponsoren wünschen. Es sollte auch keinen Unterschied ausmachen, ob jemand Hill, Villeneuve oder sonst wie heißt. Von daher war mir die alte Formel 1, in der noch der Sport im Mittelpunkt stand, um Welten lieber."

Frage: "Was wird falsch gemacht und wie kann man es richten?"
Pollock: "Die Formel 1 wird mir heute zuviel von Konzerndenken beeinflusst, das ist eine gefährliche Entwicklung, weil sie dem Sport nicht gut tut. Schau dir nur die alte Fahrergeneration mit Stars wie Prost oder Mansell an. Das waren noch Persönlichkeiten, die sich richtig bekriegt haben, was letztlich das Salz in der Suppe dieses Sports ist. Es braucht also wieder Typen mit Ecken und Kanten, aber genau das ist schwierig, weil der Fahrermarkt von ein paar mächtigen Leuten kontrolliert wird, die eben das nicht mehr zulassen."

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