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Fisichella hat seinen Ferrari-Traum aufgegeben

14. Juni 2007 - 12:56 Uhr

Giancarlo Fisichella gibt einige Einblicke in sein Privatleben und äußert sich über Flavio Briatore sowie zu einigen anderen Themen rund um die Formel 1

Giancarlo Fisichella
Giancarlo Fisichella über viele Themen rund um sich und die Formel 1
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Glück ist für Giancarlo Fisichella, "zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein." Rückblickend betrachtet hatte der Römer nach seiner Definition in Sachen Formel-1-Weltmeisterschaft wenig Glück, denn erst nach acht Jahren und mehr als 100 Grands Prix landete "Fisico" in einem wirklichen Topauto - nur um 2005 prompt von Fernando Alonso geschlagen zu werden.

Und dies, obwohl viele Experten in Fisichella einen zukünftigen Formel-1-Weltmeister sahen, der sich zuvor etwas unter Wert in Mittelklasseteams wie Jordan, Benetton oder Sauber abrackerte und auch dort immer wieder in der Lage war, ansprechende Ergebnisse einzufahren.

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Ferrari-Traum mittlerweile aufgegeben

Giancarlo Fisichella
Fisichella fühlt sich wohl bei Renault und hat Ferrari ad acta gelegt
© xpb.cc

Acht Jahre alt war der kleine Giancarlo, als er zum ersten Mal in einem Kart saß, und die Leidenschaft für die Formel 1 hat ihn sofort gepackt. "Als ich ein Kind war, habe ich zusammen mit meinem Vater die Formel-1-Rennen am Fernseher gesehen", erzählt der Römer. "Ich saß dabei auf dem Fußboden im Wohnzimmer und war so glücklich und aufgeregt, ich habe sogar die Gänge mit einer Klobürste geschalten."

Fisichella ist ein bekennender Italiener und als römischer Fußballfan Anhänger des AS Rom. Doch auf seinem Helm findet man keine Spur von Rot - eine Farbe, die sowohl in der italienischen Flagge, als auch im Wappen der "Roma" präsent ist. Die Auflösung ist einfach: "Mein Helm ist in meinen Lieblingsfarben Blau, Grün und Gelb gehalten und das erste Design habe ich vor 20 Jahren mitgestaltet", so Fisichella.

Apropos Rot: Seinen Traum, eines Tages vielleicht einmal für Ferrari zu fahren, hat er mittlerweile aufgegeben. "Für einen Formel-1-Fahrer ist es entscheidend, in einem Topteam zu fahren und um Siege zu kämpfen", sagt der 34-Jährige. "Speziell Ferrari ist mit Sicherheit ein fantastisches Team, aber ich denke, die Möglichkeiten dorthin zu gehen, sind für mich verschwindend gering geworden. Ich fühle mich bei Renault sehr glücklich und ich würde mich freuen, wenn es eine Möglichkeit gäbe, auch weiterhin dort zu fahren."

Briatore als wichtige Persönlichkeit

Flavio Briatore
Vor Flavio Briatore hat Giancarlo Fisichella immer noch großen Respekt
© Renault

Das wird stark vom Wohlwollen Flavio Briatores abhängen, den er als einen "sehr wichtigen Menschen in meinem Leben" bezeichnet. "Er hat mich in meiner Karriere zweimal engagiert. Zuerst nach 1997 und dann erneut 2005. Er hat mir eine gute Chance gegeben, wir haben eine schöne Freundschaft und ich hoffe, dass wir noch einige Zeit zusammenarbeiten können."

An sein erstes Treffen mit dem damaligen Chef des frischgebackenen zweifachen Weltmeisterteams Benetton denkt er heute noch mit etwas Schaudern zurück: "Wir trafen uns Ende 1995 in der Fabrik", erinnert sich Fisichella an Briatore. "Ich war ganz alleine, denn mein Manager war nicht dabei und ich war unglaublich nervös. Es war, als wenn ein kleines Kind mit einem großen Mann spricht."

Fisichellas Vorbild war, wie für so viele Piloten seiner Generation, Ayrton Senna - aber "nicht nur als Fahrer", betont er, "sondern auch als Mensch." Als seinen bislang besten Teamkollegen nennt er wenig überraschend Fernando Alonso, den er jedoch auch als Kollegen hoch geschätzt hat: "Wir hatten eine tolle Freundschaft und wir haben auch gut für das Team zusammengearbeitet. Neben der Strecke haben wir oft gemeinsam Fußball, Tennis oder Karten gespielt." Letzteres kann er mit seinem neuen Teamkollegen Heikki Kovalainen nicht praktizieren: "Heikki versteht die Regeln noch nicht."

Familie gibt Stabilität

Giancarlo Fisichella
Abstand vom anstrengenden Beruf findet Fisichella bei seiner Familie
© Renault

Sich und seinen Charakter will er nicht beurteilen, das könnten andere besser, sagt er. Einen Fehler will er jedoch ausgemacht haben, denn er glaubt, dass er manchmal einfach etwas "zu ruhig" sei: "Mein Job ist sehr schwierig und stressig. Aber sobald ich nach Hause komme, lege ich einen Schalter um und werde zu einem anderen Menschen. In der Formel 1 bin ich Giancarlo Fisichella, der Fahrer."

"Aber zu Hause bin ich Giancarlo Fisichella, der Vater. Ich habe dann keine Lust, über die Formel 1 zu reden, ich möchte mit meinen beiden Kindern spielen. Die Stabilität meiner Familie gibt mir eine fantastische Balance." Und seine Lieblingspizza genießen, deren Zusammenstellung auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheint: "Meine Lieblingspizza ist ganz simpel: einfach ein paar Kartoffelscheiben, etwas Rosmarin und Olivenöl."

Als Höhepunkte seiner Karriere bezeichnet er verständlicherweise seine drei Grand-Prix-Siege von Brasilien 2003, Australien 2005 und Malaysia 2006, wobei er seine beiden Jahre im Jordan von 2002 und 2003 im gleichen Atemzug als den Tiefpunkt seiner mittlerweile über zehn Jahre in der Formel 1 betrachtet: "Um Positionen 14 oder 15 zu kämpfen, das war mental sehr anstrengend und frustrierend."