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Wie Felipe Massa "erwachsen" wurde
In Italien wird Massa heute als würdiger Nachfolger von Schumacher bei Ferrari gefeiert, dabei begann die Karriere des Brasilianers ziemlich stürmisch
(Motorsport-Total.com) - Peter Sauber saß am Schreibtisch und leckte sich die Finger ab. Erstens, weil er die vielen Geldscheine zählen musste, die ihm Ron Dennis für seinen Fahrer Kimi Räikkönen auf den Tisch geblättert hatte. Zweitens hatte der Schweizer längst Ausschau nach dem "nächsten Räikkönen" gehalten.
Der junge Finne war für den kleinen Rennstall aus Hinwil ein Glücksgriff gewesen. Er konnte 2001 im Sauber derart überzeugen, dass der McLaren-Teamchef den Rennfahrer aus Espoo aus seinem Vertrag frei kaufte.
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Für den Schweizer Rennstall war das in vielerlei Hinsicht ein lohnendes Geschäft. Räikkönen konnte bei seinem Formel-1-Debüt kein fürstliches Gehalt verlangen, er sorgte für eine gute PR, fuhr anständige Ergebnisse ein und wurde gewinnbringend an ein Top-Team weiterverkauft.
Dass aus einem Glücksfall plötzlich ein Routinefall wird, verbietet alleine schon das Wort, aber Sauber wollte es ein Jahr später erneut probieren. Er schickte aus diesem Grund Felipe Massa im Formel-1-Boliden auf jene Strecke, auf der auch schon Kimi Räikkönen bei seinem ersten Test zeigen konnte, was er im Gasfuß hat: Mugello.

Damals war Jacky Eeckelaert für die Versuche des Teams verantwortlich und er kannte den Brasilianer bereits, beobachtete ihn in der italienischen Formel-3000-Meisterschaft, wo er der Konkurrenz davon fuhr: "Die Leute sagten, dass er ein außergewöhnliches Talent ist und er es wert ist, mit ihm einen Test durchzuführen", erinnert sich der heutige Honda-Ingenieur im Interview mit 'Autosport'.
"Er war direkt aus der Box sehr schnell, aber manchmal auch etwas zu erregbar", erinnert sich der Belgier, wie er recht früh einen Dreher hinlegte und in die Reifenstapel einschlug. "Er wollte wirklich zeigen, wie gut er ist. Ich holte ihn etwas runter und sagte ihm, dass er sich Zeit nehmen soll."
Der Maßstab an jenen zwei Testtagen war nicht Kimi Räikkönen sondern Nick Heidfeld. Und an der Seite des erfahreneren Deutschen zog sich Massa gut aus der Affäre: "Er war in den schnellen Teile sofort sehr flott verlor jedoch in den langsamen Kurven Zeit. Aber nicht, weil er zu früh bremste, sondern weil er zu spät auf der Bremse stand..."

Damals überfuhr Massa das Auto, probierte mehr, als mit dem Sauber möglich war. Das Team war sich nach den Versuchen einig, dass dieser Kerl über das notwendige Talent und eine gute Fahrzeugbeherrschung verfügt, aber dass er sich erst noch einschießen muss: "Es ist viel einfach, einen schnellen Fahrer ruhig zu bekommen als einen langsamen Fahrer schnell zu bekommen", weiß der Ingenieur.
Die Formel-1-Saison 2002 bewies jedoch, dass das Risiko Massa im Gegensatz zu jenem mit Räikkönen nicht aufging. Die Hoffnung, Massa werde innerhalb kurzer Zeit reifen, erwies sich als eine Fehleinschätzung. Ferrari-Rennleiter Jean Todt - wo Massa damals schon unter Vertrag stand - und Peter Sauber waren sich einig, dass der Paulista bei Ferrari ein Jahr als Testfahrer "reifen" sollte.

Der Plan ging dieses Mal auf: "Das hat sein Vertrauen deutlich gesteigert", erinnert sich Eeckelaert. "Wenn er sich im Sauber als 12. qualifizierte wusste er nicht, wie viel er für die Zeit verantwortlich war und es herrschte deshalb etwas Panik." Nun konnte er sehen, dass er mit einem Michael Schumacher sehr gut mithalten kann und arbeitete an seinen Schwachpunkten, um dem Deutschen noch näher zu kommen.

Als Massa 2004 wieder mit Sauber auf die Rennstrecke ging, war er deutlich gereifter: "Wenn er eine Sekunde Rückstand hatte, gab es keine Panik." Stattdessen arbeitete er konzentriert und ohne die Versuchung zu kommen, das Auto wieder zur überfahren: "Das Testjahr hat ihm sehr gut getan und ich bin froh, dass er das gewisse Extra gefunden hat und nicht in der Formel 1 verloren gegangen ist."
Nach zwei Jahren kehrte Massa zu Ferrari zurück - als Stammfahrer an der Seite von Michael Schumacher in dessen letzter Formel-1-Saison. Es ging um alles. Hätte Felipe Massa an der Seite des in Richtung Rente düsenden Deutschen alt ausgesehen, wäre seine Formel-1-Karriere damit wohl beendet gewesen. Stattdessen war sich Ferrari nach diesem Jahr sicher, dass Massa der nächste Weltmeister am Steuer eines Ferrari werden kann.
Zudem hat Massa in diesem Jahr an der Seite des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters noch einmal "schrecklich viel" gelernt. Eine Frage ist aber dennoch offen geblieben: Wie gut kann Massa mit Druck umgehen, wenn er am Ende der Saison wirklich um den Titel fahren sollte, wenn es einmal nicht so rund läuft: "Das ist eine andere Geschichte. Das werden wir dieses Jahr sehen. Er ist nun ruhiger und ein sehr netter Kerl, vielleicht zu nett..."
Nun sind mit Kimi Räikkönen und Felipe Massa zwei alte Sauber-Bekannte Teamkollegen im bekanntesten Rennstall der Welt. Eeckelaert glaubt, dass Räikkönen im Vorteil sein wird, wenn das Auto in einem Rennen nicht optimal funktioniert und dass Massa vor allem auf eine schnelle Rundenzeit gut mithalten kann: "Das ist Kimis Stärke, in solchen Situationen möglichst wenig Rundenzeit zu verlieren, genauso wie bei Michael."












