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Warum 1996 alles anders war... oder doch nicht?

04. Mai 2007 - 20:47 Uhr

Geschichte wiederholt sich: Als Benetton Ende 1995 von einem Weltmeister verlassen wurde, ging es steil bergab - genau wie heute wieder...

Jean Alesi und Gerhard Berger
Bild mit Symbolcharakter, anno 1996: Berger als Autostopper bei Alesi

(Motorsport-Total.com) - Selten zuvor in der Geschichte der Formel 1 ist ein Weltmeisterteam so dramatisch abgestürzt wie Renault es in diesem Jahr vorexerziert: Nach drei Rennen stehen die Franzosen mit mageren neun Pünktchen - das entspricht im Schnitt einem sechsten Platz pro Grand Prix - auf Rang vier bei den Konstrukteuren, der beste Fahrer, Giancarlo Fisichella, ist gar nur WM-Sechster.

Dass all das damit zu tun haben könnte, dass Fernando Alonso zu McLaren-Mercedes gegangen ist, wollen Flavio Briatore und Co. natürlich nicht hören, schließlich würde ein solches Eingeständnis die oft PR-wirksam gepredigte Philosophie der vergangenen Erfolgsjahre ("Das Team ist der Star!") nachträglich völlig über den Haufen werfen. Fakt ist aber: Fisichella ist im Vergleich zu seinen eigenen Vorjahresergebnissen zumindest nicht extrem eingebrochen - nur die Alonso-Punkte fehlen.


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Die Geschichte wiederholt sich

Heikki Kovalainen
Auch elf Jahre später befindet sich das heutige Renault-Team auf Abwegen
© xpb.cc

Gewiss, der Spanier würde mit dem aktuellen R27 auch keine Rennen gewinnen, dass er die Spitze zumindest gelegentlich etwas mehr ärgern würde als Fisichella und der bisher schwer enttäuschende Rookie Heikki Kovalainen steht aber außer Frage. Insofern erinnert die Situation sehr an 1996, als das Renault-Vorgängerteam Benetton damit zurechtkommen musste, den Weggang des damaligen Doppelweltmeisters Michael Schumacher zu Ferrari zu verkraften.

Als Briatore damals sein neues Team auf Sizilien präsentierte, sagte er über den Verlust des Deutschen: "Das ist so, als würde ein großer Hollywood-Regisseur Sylvester Stallone gegen Robert de Niro austauschen - im Endeffekt wird der Film genauso gut!" Ein Irrglaube: Die Altstars Gerhard Berger und Jean Alesi waren zwar genauso teuer wie ein de Niro, jedoch gelang ihnen während der gesamten Saison kein einziger Sieg - ein Schicksal, das Renault wohl auch elf Jahre später blühen wird.

1996er-Benetton war angeblich ein gutes Auto

"Wir hatten 1996 ein verdammt gutes Auto, aber wir konnten sein Potenzial nicht ausschöpfen."
Pat Symonds

Dennoch lässt Chefingenieur Pat Symonds, der schon damals in leitender Funktion mit von der Partie war, den jahrzehnteübergreifenden Vergleich nicht gelten: "Wir hatten 1996 ein verdammt gutes Auto, aber wir konnten sein Potenzial nicht ausschöpfen", übt er via 'autosport.com' nachträglich sanfte Kritik an Berger/Alesi. "Der Unterschied jetzt ist, dass wir zugegebenermaßen kein sehr gutes Auto haben - und nicht mehr die Arroganz, die wir damals hatten."

"Wenn Leute solche Parallelen ziehen, tut uns das wirklich weh", gibt der 53-jährige Brite achselzuckend zu Protokoll. "Wir sind heute ein ganz anderes Team als 1996. Damals waren wir unglaublich arrogant - wir waren felsenfest davon überzeugt, dass Michaels Abgang Ende 1995 schlechtestenfalls eine Unannehmlichkeit darstellen würde." In Wahrheit konnte der überragende Deutsche, der später noch fünfmal auf Ferrari Weltmeister werden sollte, nie ganz ersetzt werden.

Benetton quälte sich 1997 ein weiteres Jahr mit Berger/Alesi durch den Grand-Prix-Zirkus, doch als die Zerfallserscheinungen immer deutlicher wurden, verabschiedeten sich der Reihe nach die Masterminds der beiden WM-Titel: Ross Brawn, Rory Byrne, später Briatore mit den Renault-Werksmotoren, um nur einige zu nennen. Stattdessen wurde mit David Richards ein neuer Teamchef installiert - und wieder gefeuert, als er gegen den Willen von Luciano Benetton mit Ford anstelle von Renault flirtete.

Triumphale Rückkehr von Briatore

"Mann, da wurde uns aber eine Lektion erteilt!"
Pat Symonds

Der große Umbruch erfolgte 1998 mit der jungen Fahrerpaarung Fisichella/Wurz, die nur anfangs erstaunlich gute Resultate zustande brachte, doch bis zur Jahrtausendwende folgte der endgültige Totalabsturz. Als Briatore Ende 2001 mit Renault im Rücken triumphal zurückkehrte und radikal ausmistete, um in Enstone und Viry ein neues Team aufzubauen, matchten sich die hellblauen Boliden meistens nur noch mit Gegnern wie Jaguar oder Minardi.

Bleibt die Frage offen: War der Schumacher-Weggang damals der Hauptgrund für den Beginn der Krise oder nicht? "Natürlich wünschten wir uns das damals nicht, aber wir dachten nicht, dass es das Ende der Welt sein würde. Wir dachten, so schwierig kann es nicht sein, ohne Michael dort weiterzumachen, wo wir aufgehört hatten. Mann, da wurde uns aber eine Lektion erteilt!", weiß Symonds heute. Eine Lektion, die sein Team vielleicht ein zweites Mal lernen muss...