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Todt: "Zählen zu den Erfolgsanwärtern"

19. März 2007 - 09:40 Uhr

Ferrari-Teamchef Jean Todt analysiert das erste Rennwochenende, klagt über die schlechte Zuverlässigkeit und freut sich über die tolle Stimmung

Jean Todt
Jean Todt durfte sich gleich im ersten Rennen über einen Sieg freuen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Jean Todt wirkte gelöst, als er gestern Abend in Melbourne eine Hand voll Journalisten in sein Ferrari-Motorhome lud, um mit ihnen den Grand Prix von Australien zu analysieren. Hätte Kimi Räikkönen im ersten Rennen nach Michael Schumacher versagt, wären nämlich einige unangenehme Fragen gekommen, so aber konnte er genüsslich den ersten Triumph der neuen Ära unter die Lupe nehmen.

Frage: "Jean, wie lautet dein Fazit nach diesem ersten Wochenende der neuen Saison?"
Jean Todt: "Wir sind definitiv glücklich über unser Resultat in diesem ersten Grand Prix. Der ist immer wichtig, der Auftakt in eine neue Weltmeisterschaft, und wie jeder weiß, war es für uns der Beginn eines neuen Kapitels. Wir haben mit neuen Leuten, einer neuen Struktur und einer neuen Aufgabenverteilung begonnen, mit neuen Autos, und von der Performance her sind wir sehr zufrieden, denn wir haben ein sehr starkes Paket aus Motor, Chassis, Team."

Zuverlässigkeit noch nicht gut genug

"Unsere Schwäche ist, dass wir noch nicht zuverlässig genug sind. Damit meine ich das gestrige Problem von Felipe (Massa; Anm. d. Red.), der als Letzter ins Rennen ging und noch Sechster wurde. Das waren drei wichtige Punkte, aber gemessen an unserem Potenzial war es eher enttäuschend. In den nächsten Tagen und Wochen vor Malaysia müssen wir uns anstrengen, um unsere Zuverlässigkeit zu verbessern. Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch an der Performance arbeiten werden. Wir haben bereits ein Entwicklungsprogramm in die Wege geleitet. Der Sieg war wirklich wichtig, ermutigend und zufrieden stellend für das Team, für die Motivation in unserer Situation. Wir zählen definitiv zu den Erfolgsanwärtern. Wir wissen, dass unsere Konkurrenten stark sind, aber wir werden dazu in der Lage sein, es mit ihnen aufzunehmen."

"Wir denken, dass wir im Rennen eine bessere Konstanz haben als unser Wettbewerber."
Jean Todt

Frage: "Im Qualifying schien der Abstand zwischen Ferrari und McLaren-Mercedes sehr klein zu sein, aber im Rennen betrug er eine Sekunde. Wird das dem derzeitigen Kräfteverhältnis gerecht?"
Todt: "Wir denken, dass wir im Rennen eine bessere Konstanz haben als unser Wettbewerber, aber wenn man Fernandos (Alonso; Anm. d. Red.) Zeit im Q3 heranzieht und bedenkt, dass er drei Runden nach Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.) an die Box kam, dann war Kimis und Ferraris Zeit trotzdem sehr stark, auch im Qualifying. Ich denke aber, zumindest hier war der Unterschied im Rennen noch größer."

Frage: "Kommt die Sekunde Abstand ungefähr hin?"
Todt: "Ich weiß es nicht, das hängt von der Situation ab. Ich glaube nicht, dass es eine Sekunde ist, aber Kimi war im Rennen schon sehr schnell, die Balance des Autos war gut und die Reifen gaben keinen Grund zur Beanstandung. Dadurch konnte er schnell fahren."

Frage: "Ihr arbeitet schon seit Jahren mit Bridgestone zusammen. Viele Teams haben Probleme mit dem Wechsel auf Bridgestone-Reifen. Inwiefern könnt ihr von eurer vergangenen Erfahrung profitieren?"
Todt: "Wir sind nicht die Einzigen, die schon in der Vergangenheit mit Bridgestone unterwegs waren. Dieses Jahr ist Bridgestone Einheitsreifenhersteller. Es gibt andere Teams - und ich werde sie nicht namentlich nennen -, auf die das Gleiche wie auf uns zutrifft, aber man sieht ja, wo die stehen. Die Regeln sind jetzt ganz anders, der Vorteil ist also nichtig."

Frage: "Zu Beginn war euer Auto nicht schneller als die Konkurrenz, aber bei den Tests in Barcelona und Bahrain wurdet ihr immer schneller. Hier war der Vorsprung riesig. Wie groß ist euer Vorsprung?"
Todt: "Bei den ersten beiden Tests hatten wir noch nicht die endgültige Spezifikation des Autos. In Barcelona und Bahrain bekamen wir dann die neuen Teile. Das ist der Grund dafür."

Räikkönens Performance keine Überraschung

Frage: "Hat dich Kimi Räikkönen an diesem Wochenende überrascht?"
Todt: "Ehrlich gesagt nicht. Wir hatten die Gelegenheit, uns sehr früh vor Saisonbeginn zu treffen. Kimi ist genau das, was ich erwartet hatte. Er lächelt bei uns mehr als früher, was ja eigentlich nicht gerade unsere Spezialität ist. Wir freuen uns aber mit ihm und er scheint sehr glücklich bei uns zu sein."

"Wir haben ein professionelles und freundliches Verhältnis."
Jean Todt

Frage: "Wie verstehst du dich mit ihm?"
Todt: "Wir haben ein professionelles und freundliches Verhältnis. Er verbringt Zeit mit den Ingenieuren, die happy mit ihm sind, und er verbringt Zeit mit dem Team. Am Samstag war ich mit ihm und Felipe beim Abendessen und sie wirkten glücklich. Die Atmosphäre ist gut und bestätigt nur das Gefühl, das alle im Team haben. Wenn Michael (Schumacher; Anm. d. Red.) anruft, wenn wir gerade zur Siegerehrung gehen, dann zeigt das, was wir gemeinsam machen und wie glücklich wir gemeinsam sind. Dass das Auto auch noch gut ist, macht es noch besser. Dennoch müssen wir vorsichtig bleiben, denn was mit Felipe passiert ist, entspricht nicht unseren Standards. Diesbezüglich sind wir nicht zufrieden."

Frage: "Keine Sorgen für die neue Ära?"
Todt: "Das wird die Zeit zeigen. So weit, so gut."

Frage: "Wie steht es um Felipe Massa?"
Todt: "Felipe ist großartig, ein guter Junge. Er ist ein talentierter Fahrer. Er hat sich im Vorjahr fantastisch verbessert und er ist ein voll integrierter Bestandteil des Teams. Das Team liebt ihn sehr und er ist talentiert, ein guter Junge. Wir sind sehr glücklich mit ihm."

Frage: "Machst du dir Sorgen darüber, dass McLaren-Mercedes hier Fernando Alonso einen strategischen Vorteil verschafft hat? In der Weltmeisterschaft setzen sie also auf ihn, während eure beiden Fahrer sich gegenseitig Punkte wegnehmen könnten..."
Todt: "Die Saison fängt doch gerade erst an. Unser Ziel ist, so oft wie möglich vorne zu sein. Es gibt keine Nummer eins und keine Nummer zwei. Wir warten mal ab, wie sich die Saison entwickelt. Im Moment ist es uns egal, was passiert, solange wir wie heute gewinnen."

Frage: "Was hat Martin Whitmarsh nach dem Rennen zu dir gesagt?"
Todt: "Gratuliere!"

Frage: "Das ist alles?"
Todt: "Dann hatten wir eine persönliche Unterhaltung. Das hatte nichts mit dem Rennen zu tun."

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