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Vasselon: "Der letzte Hochgeschwindigkeitskurs"

05. September 2006 - 11:07 Uhr

Der Chassis-Chef von Toyota schildert die Bedeutung des Grand Prix in Monza für die Formel 1 und die Ansprüche, die der Kurs an Fahrer und Teams stellt

Pascal Vasselon
Freut sich auf den Italien-Grand-Prix: Pascal Vasselon
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Wenige Tage vor dem Italien-Grand-Prix im traditionsreichen Monza steigt bei den Teams die Vorfreude. Toyotas Chassis-Chef Pascal Vasselon erklärt ausführlich die technischen Besonderheiten der letzten verbliebenen Hochgeschwindigkeitsstrecke im Formel-1-Jahr und ihre Anforderungen an die Boliden. Außerdem schildert Vasselon, wie ihm sein Job hilft, seine Vorliebe für italienische Spezialitäten zu befriedigen.

"Monza ist der letzte verbliebene Hochgeschwindigkeitskurs der Formel 1", so der Franzose zur Bedeutung der Strecke im Rennkalender. "Früher hatten wir noch andere superschnelle Strecken, wie zum Beispiel Hockenheim, aber heute ist Monza einzigartig. Durch Schikanen wurde die Geschwindigkeit reduziert, aber der Kurs bleibt schnell. Wir erwarten Durchschnittsgeschwindigkeiten über 250 km/h. Vor ein paar Jahren war er nichts Besonderes, aber nun ist er es."


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"Zusätzliche Arbeit für die Ingenieure"

Der Kurs, so der Chassis-Chef weiterhin, bedeute "zusätzliche Arbeit für die Ingenieure. Die Leute entwickeln ein spezielles Aerodynamik-Paket, nur für Monza. Früher konnten wir das gleiche Paket mit dem geringen Abtrieb auch in Hockenheim verwenden, aber jetzt ist es ein Einzelstück. Wir haben ein vollkommen neues Paket inklusive Front- und Heckflügel." Der geringe Abtrieb beim Rennen mache es dabei noch schwerer für die Fahrer. "Der klassische Kommentar nach der ersten Runde in Monza lautet 'kein Grip', weil die Fahrer nicht gewohnt sind, mit so wenig Abtrieb zu fahren. Wir haben die gleichen Probleme, wenn wir in Anschluss an ein paar Rennen mit hohem Abtrieb nach Montréal kommen, aber besonders zeigt sich das in Monza."

"Für die Bremsen ist der Kurs einzigartig", schilderte der Franzose weiterhin. "Wir haben lange Geraden mit Höchstgeschwindigkeiten und langsame Kurven - also alles, was Bremsen nicht mögen. Bremsen und Bremsbelag sind Dinge, an denen wir während der gesamten Saison arbeiten. Monza gehört zwar zu den härtesten Strecken, ist aber auch nicht die schlimmste. Wir sind gut vorbereitet."

"Werden gut vorbereitet sein"

Für die Reifen gelten in Monza ebenfalls besondere Bedingungen. "Es gibt keine großen Probleme mit Graining oder Abnutzung, aber die Durchschnitzgeschwindigkeit ist so hoch, dass sich innerhalb der Reifen die Temperatur stark erhöht. Und Monza kann schwierig werden, was die Blasenbildung betrifft. Blasenbildung kommt von dieser internen Hitzeentwicklung. Was die Reifen betrifft, hat die Strecke also einen speziellen Schwierigkeitsgrad." Was die Reifen betrifft, sei also ein guter Kompromiss nötig. "Man kann in Monza nicht auf weichen Reifen antreten. Durch die hohen Geschwindigkeiten und die dortigen Hochgeschwindigkeitskurven muss man einen mittleren Reifen wählen."

Bei der Setup-Strategie, erläuterte Vasselon, seien auch die Kerbs zu berücksichtigen. "Gerade in Monza sind Schikanen mit rauen Kerbs ein Charakteristikum. Wenn man gut abschneiden will, muss man diese überfahren." Was die ebenfalls hohe Belastung für die Motoren betrifft, fühlt man sich bei Toyota gut gewappnet: "Circa 75 Prozent der Strecke werden unter Vollgas gefahren, in diesem Jahr, durch den Einsatz der V8-Motoren und durch die Reifenwechsel, wird das sogar noch mehr. Das wird eine Herausforderung, aber wir wissen alles darüber und werden gut vorbereitet sein."

Testfahrten als essentieller Bestandteil der Vorbereitung

Dafür sorgen auch die Testfahrten, die alle Teams in der vergangenen Woche in Monza absolviert haben. "Die Tests sind ein wichtiger Bestandteil der Rennvorbereitung. Man muss bei der Reifenauswahl sehr präzise vorgehen- Die Tests helfen auch, einige Probleme zu lösen, die für Monza typisch sind - wie die Vibrationen, die mit den hohen Geschwindigkeiten einhergehen. Es ist also bedeutsam, diese Tests zu haben, wir versuchen immer das Beste aus ihnen rauszuholen. Wir lassen unsere Stammfahrer und ihr Team die Tests durchführen, um so gut wie möglich vorbereitet zu sein."

Das habe gewisse Vorteile für das anstehende Rennwochenende. Jedoch erklärte der Mann aus Frankreich auch, dass es immer Unsicherheiten geben wird. "Wir sind dadurch am Anfang schon näher am endgültigen Setup. Aber was uns die letzten Rennen in Monza gezeigt haben ist, dass das Leben so einfach nicht läuft. Wir wissen, in welchem Rahmen die Dinge passieren müssten, aber in vielen Fällen unterschieden sich die Bedingungen sehr von denen bei den Tests."

Nachdem die FIA ihre Vorstellungen zur Homologation der Motoren herausgegeben hat, ist dies ein weiteres Thema, dass die Technischen Angestellten in der Königsklasse beschäftigt. "Alle Motorenhersteller versuchen, die Motorenspezifikationen zu entwickeln, die sie in den nächsten Jahren gerne sehen würden, aber es wäre sinnlos, dabei hohe Sicherheitsrisiken in Kauf zunehmen. Das trifft besonders auf die zu, die um den Titel kämpfen", meinte Vasselon.

Geschichtsträchtiges in jedem Winkel

Es gibt aktuell Gerüchte, dass Monza nicht mehr lange Bestand als Teil des Formel-1-Geschehens haben wird, da der Kurs, durch den in Imola ausgetragenen Grand Prix von San Marino, genau genommen nicht das einzige italienische Rennen ist. Vasselon erklärte zu dieser Frage: "Wenn man pragmatisch herangehen würde müsste man berücksichtigen, dass die meisten Fahrer nicht gerne nach Monza kommen, einfach weil sie sich auf den langen Geraden wie Passagiere im eigenen Auto fühlen. Monza bedeutet Risiko, ist aber andererseits ein Teil der Formel-1-Legende, wie beispielsweise Monaco - am anderen Ende der Geschwindigkeitsskala!"

Zum Abschluss befragt, wie er denn persönlich zum Formel-1-Land Italien stehen würde, geriet er ins Schwärmen: "Ich liebe Italien. Für mich ist Italien ein Land, dessen einzigartiger Geschichte man in jedem Winkel begegnen kann. Das Land ist reizvoll und ich mag ebenfalls das Essen, also habe ich immer einen Grund, mich auf Monza zu freuen. Ich komme jedes Mal mit Parmesan und Balsamicoessig zurück - sehr klassisch also."