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Herausforderung Logistik

12. August 2006 - 12:12 Uhr

Der Türkei-Grand-Prix ist das einzige Rennen, zu dem die Teams per Schiff anreisen - "Vorfreude" auf die neue Herausforderung Fuji 2007

Honda-Mechaniker
Honda-Mechaniker beim Verladen von Boxen in den LKW
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Rennen auf dem Hungaroring scheint sich die Formel 1 in den Ruheschlaf zu begeben, denn es gibt nun eine dreiwöchige Pause bis zum nächsten Rennen, es gibt keine Testfahrten und die Autos und die Ausrüstung werden per Schiff zurück in den Hafen von Trieste transportiert.

Im vergangenen Jahr gastierte die Formel 1 zum ersten Mal in der Türkei, einem Rennen, das von den Logistikmitarbeitern in Anlehnung an die "flyaway"-Rennen als "floataway"-Grand-Prix bezeichnet wurde, weil das Material per Schiff verfrachtet wird. Im Gegensatz zu den Überseerennen, für die das Material auf dem Luftweg transportiert wird, können die Teams in Istanbul auch ihre Motorhomes nutzen, die ebenfalls per LKW auf das Schiff gebracht werden.

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Ferrari-Logistik mit dem "Todt-Faktor"

Bei Ferrari ist Miodrag Kotur für die Logistik verantwortlich, dessen Karriere eng mit jener von Ferrari-Rennleiter Jean Todt verbunden ist: "Ich begann 1988 bei Peugeot Talbot Sport, wo ich Jean Todt kennenlernte und arbeitete an Rallye Raid-Veranstaltungen wie der Paris-Dakar und anderen afrikanischen Rennen."

"Es war ein Glückstreffer, dass ich den Job erhielt und man kann sagen, dass ich durch die Hintertür in ihn gekommen bin. Nach den Rallye Raid-Veranstaltungen wechselte Peugeot mit dem berühmten 905 zu Sportwagen-Rennen und das war der Punkt, an dem ich vermehrt in die logistische Seite involviert wurde."

"Nach einem Dreifachtriumpf bei den 24 Stunden von Le Mans unterzeichnete Herr Todt einen Vertrag bei Ferrari und er fragte mich, ob ich mit ihm kommen möchte. Das war kein Angebot, das ich ablehnen konnte, ich durfte für Ferrari arbeiten! Ich war jung und unverheiratet und sprach kein Italienisch." Das erste Projekt war der Umzug von Todt von Frankreich nach Italien, ab 1994 war er dann für die Logistik bei Ferrari verantwortlich.

Ein Job den man lieben muss...

Ein verpackter Ferrari
Jedes Teil wird sorgfältig verpackt und dann verladen
© xpb.cc

Obwohl er mittlerweile über ein Jahrzehnt bei den Italienern arbeitet, ist Kotur immer noch voller Enthusiasmus bei der Sache: "Es ist ein Job, den ich mag, in dem wir uns immer verbessern können, es mit verschiedenen und unerwarteten Dingen zu tun bekommen. Du musst versuchen, zu erahnen, was passieren könnte und das ist interessant, denn die Logistik beinhaltet bei Ferrari eine große Bandbreite an Verantwortlichkeiten wie Transport, Hotels, Teamausrüstung und Catering. Das ist ein solch umfangreicher Job, dass man keine Zeit hat, gelangweilt zu sein."

Per See- oder per Landweg?

Der letztjährige Türkei-Grand-Prix war ein gutes Beispiel für die Arbeit Koturs: "Es verlief alles gut. Wir waren uns unsicher, ob wir die Autos per Schiff oder per LKW über die Straße von Ungarn versenden sollten. Aber angesichts der Tatsache, dass wir komplexe Probleme bekommen könnten, wenn wir an Grenzen in Serbien und Bulgarien kommen würden, die nicht in der EU sind, entschieden wir uns für die Reise per Schiff von Trieste nach Istanbul. Das ist ein 56-Stunden-Trip."

Ferrari-Transporter
Im Logistik-Zentrum des Teams werden die LKW beladen
© Ferrari

"Er wurde von einem Unternehmen wirklich gut organisiert, das sich auf internationale LKW-Transporte spezialisiert hat. Sie haben speziell für die Formel 1 Schiffe reserviert, ohne andere LKW an Bord zu lassen. Das war für die Rückreise nach Trieste besonders wichtig, denn uns ging die Zeit aus, da wir nur 14 Tage später den Großen Preis von Italien in Monza hatten. Wenn du 56 Stunden unterwegs bist, dann darfst du das Schiff nicht verpassen."

"In diesem Jahr werden die LKW Trieste am Freitag (18. August) verlassen und wir kommen am Montagmorgen zur kurzen Fahrt an den Kurs außerhalb von Istanbul an. Wenn wir erst einmal angekommen sind, ist es wie bei anderen europäischen Rennen, abgesehen davon, dass es in Asien stattfindet."

Moderne Arbeitsbedingungen in Istanbul

Frachtboxen
Bei den Überseerennen wird in Frachtboxen gepackt...
© xpb.cc

"Die Infrastruktur ist komplett neu, es gibt jede Menge Platz, da der Kurs entworfen wurde, um lange bestehen zu bleiben und den aktuellen Anforderungen der Teams gerecht zu werden. Die türkischen Zöllner kooperieren und helfen uns bei unseren administrativen Anforderungen. Alles wird wirklich schnell erledigt und wir hatten vergangenes Jahr sicherlich keine Probleme."

Flugzeug
...bevor es dann in den Transport-Flieger geht...
© xpb.cc

Während die Reise in die Türkei reibungslos verlief, lernten die Teams im vergangenen Jahr, dass die Reise zur Strecke nicht so reibungslos verläuft, aus diesem Grund hat man für dieses Jahr umgeplant: "Morgens an die Strecke zu kommen ist das größte Problem und wir hören, dass der Verkehr in diesem Jahr noch schlimmer werden könnte", fährt der Logistik-Chef des Ferrari-Formel-1-Teams fort.

Eine schöne Brücke zum Verfluchen...

Die Bosporus-Brücke in Istanbul
Die Bosporus-Brücke in Istanbul ist das Schreckgespenst der Logistiker
© Red Bull

"Am meisten wird man aufgehalten, wenn man die Hauptbrücke über den Fluss Bosporus überquert. Einige unserer Autos verfügen über keinen Telepass, dann kann es eine halbe Stunde dauern, bis man über die Brücke drüber ist. In diesem Jahr werden wir aus diesem Grund Chauffeure haben, da sie von vor Ort sind und die Abkürzungen kennen und sie kennen auch den ungewöhnlichen Fahrstil der Leute vor Ort!"

Kotur fiebert schon seiner neuen Herausforderung entgegen, denn 2007 geht es zum Japan-Grand-Prix nicht mehr nach Suzuka sondern nach Fuji: "Ich bin dort dieses Jahr nach dem Rennen in Australien hingereist, reiste von Melbourne nach Tokio, um mir den Kurs und das umgebene Gebiet anzuschauen, um nach Hotels Ausschau zu halten."

Fuji ist die neue Herausforderung im kommenden Jahr

Eröffnungsveranstaltung in Fuji
In Fuji erwartet die Logistiker eine neue, große Herausforderung
© Kikkawa

"Der Kurs selbst ist nicht übel, auch wenn es im Moment an Teambüros und Küchen mangelt. Sie planen das im Moment. Was mir Sorgen bereitet ist die Tatsache, dass es in Bezug auf Hotels und Zugängen zur Strecke einige Probleme geben könnte. Vom Zentrum Tokios braucht es eine Stunde, aber wenn das Rennen zu Ende ist, kann es vier oder fünf Stunden dauern."

"Der Zugang erfolgt über kleine Landstraßen und alle wollen mit dem Auto anreisen. Es gibt nicht viele Parkplätze, also werden sie allen Verkehr in einem 20-Kilometer-Radius anhalten und nur die Passinhaber durchlassen. Ich dachte immer, dass der Suzuka-Kurs logistisch schwierig ist, aber Mount Fuji scheint ein deutlich komplexeres Szenario zu sein..."

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