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Renault und McLaren üben Kritik an Michelin

02. Juli 2006 - 03:41 Uhr

Pat Symonds und Ron Dennis führen die schwachen Qualifyings ihrer Teams auf die bescheidene Leistung von Reifenhersteller Michelin zurück

Michelin-Reifen
Michelin scheint in Indianapolis erstmals in dieser Saison ohne Chance zu sein
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Vor einem Jahr erlebte Michelin in Indianapolis die schwärzeste Stunde in der Motorsportgeschichte des Unternehmens, als wegen eines Sicherheitsproblems alle 14 Autos vom Start zurückgezogen werden mussten, doch mit einem Sieg zur Wiedergutmachung dürfte es heute Abend beim Grand Prix der USA wohl eher nichts werden. Davon sind zumindest Ron Dennis und Pat Symonds überzeugt.

Der Teamchef von McLaren-Mercedes und der Chefingenieur von Renault zeigten sich im Anschluss an das Qualifying enttäuscht über die von ihren Piloten herausgefahrenen Startpositionen, suchten die Schuld dafür aber nicht bei sich selbst, sondern schoben den Schwarzen Peter den Reifen zu. Michelin habe zu harte Reifen an den 'Indianapolis Motor Speedway' gebracht, was speziell auf eine schnelle Runde bekanntermaßen ein Handicap darstellt.

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McLaren-Mercedes setzt auf langen ersten Stint

"Jeder Michelin-Fahrer akzeptiert, dass die Dinge mal besser, mal schlechter laufen können", erklärte Dennis gegenüber 'ITV'. "Bridgestone ist mit einem sehr starken Reifen hierher gekommen, daher müssen wir jetzt eine Strategie anwenden, die uns die bestmögliche Chance auf ein gutes Resultat eröffnet, und damit meine ich einen langen ersten Stint. Die Frage ist aber, wie lang er sein soll und wie sich das Rennen entwickeln wird."

"Man könnte annehmen, dass Michelin mit einem gewissen Maß an Vorsicht hierher gekommen ist, aber ich glaube nicht, dass das der Fall ist", fügte der Brite an. "Es lässt sich nicht vermeiden, dass sich die Reifenfirmen um die Positionen rangeln werden. Dies ist ganz klar ein Rennwochenende, an dem Bridgestone sehr stark ist, aber das soll keine Kritik an Michelin sein, sondern das liegt einfach in der Natur eines Reifenkriegs."

Symonds bestätigt "integeres" Herangehen von Michelin

Symonds unterstrich indes, dass er nicht die Meinung vertrete, Michelin sei zu konservativ nach Indianapolis gegangen: "Ich weiß nicht, ob konservativ das richtige Wort ist", runzelte er die Stirn. "Ich denke, wir mussten das Reifenthema hier auf sehr integere Art und Weise anpacken. So etwas wie im Vorjahr hätten wir uns nicht noch einmal erlauben dürfen. Ja, das hat Performance gekostet, aber bei den Tests war das in diesem Ausmaß nicht absehbar."

Michelin-Reifen
In diesem Jahr sollte die Stabilität der Michelin-Reifen für die Steilkurve reichen
© xpb.cc

"Ich habe in diesem Jahr schon oft gesagt, dass die Situation anders ist, wenn man sich im Reifenkrieg befindet", ergänzte er. "Vergangenes Jahr traten wir mit den gleichen Reifen gegen McLaren an, daher war der Status quo die ganze Saison hindurch mehr oder weniger unverändert. Wenn der Konkurrent jedoch auf anderen Reifen ist, kann der Status quo extrem schnell von einem Extrem ins andere pendeln, und genau das erleben wir hier."

Ein paar Zahlen, die das Ausmaß der Michelin-Niederlage im gestrigen Qualifying verdeutlichen: Renault und Ferrari veränderten zwischen Kanada und den USA nichts an ihren Autos, doch vor einer Woche waren Alonso/Fisichella am Samstag im Teamschnitt noch um 0,743 Sekunden schneller als Schumacher/Massa, während Ferrari gestern in Indianapolis um 0,904 Sekunden die Oberhand behielt. Bridgestone hat also binnen sieben Tagen mehr als anderthalb Sekunden aufgeholt.

Konstanz und Speed von Bridgestone beeindruckend

Freilich sind derartige Berechnungen immer mit Vorsicht zu genießen, doch dass es sich um einen ernstzunehmenden Wert handelt, bestätigte Symonds durchaus: "Ferrari hat nicht in einer Woche das Auto verbessert, denn niemand kann das in Nordamerika tun, daher müssen sie hier logischerweise einen geeigneteren Reifen haben", meinte der 53-Jährige achselzuckend. "Am Freitag war ihre Konstanz beeindruckend, heute ihr Speed."

Doch bei aller Kritik an Michelin darf man nicht vergessen, dass die Franzosen bisher eine erstklassige Saison hinlegt haben: "Wir hatten bei fast jedem Rennen einen überlegenen Reifen", stärkte Dennis seinem Partner den Rücken. "Hier erleben wir es zum ersten Mal, dass Bridgestone wirklich dominiert, aber wir werden diesen Schmerz hinnehmen und schauen, was wir im Rennen noch ausrichten können."