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Lupenreiner Ferrari-Doppelsieg in Indianapolis

02. Juli 2006 - 20:39 Uhr

Nur neun Autos sahen in den USA nach Startcrash die Zielflagge, Schumacher und Massa mit verdientem Doppelsieg - Alonso nach farbloser Leistung Fünfter

Podium in den USA 2006
Ein Jahr nach dem Skandalrennen feierte Ferrari wieder einen Doppelsieg
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Ein Jahr nach dem skandalösen Michelin-Reifenfiasko von 2005 sahen auch beim diesjährigen Grand Prix der USA nur neun von 22 gestarteten Autos die Zielflagge. Die eher spärlich erschienenen Fans auf den Tribünen bekamen aber ein sauberes Formel-1-Rennen geboten, bei dem sich schlussendlich mit Michael Schumacher der erklärte Topfavorit souverän durchsetzte.

Der Grand Prix wurde bei 35 Grad gestartet, die Temperaturen erreichten später aber bei leicht bewölktem Himmel bis zu 38 Grad. Dies könnte Bridgestone nach der ohnehin schon starken Leistung am Freitag und Samstag zusätzlich in die Hände gespielt haben, denn Ferrari musste sich am Renntag nicht einmal wirklich strecken, um das Verfolgerfeld zu kontrollieren. Der erste lupenreine Doppelsieg seit Monza 2004 war der gerechte Lohn.

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Massa ging am Start an Schumacher vorbei

Den Start entschied zunächst Felipe Massa vom zweiten Platz aus von sich, denn der Teamkollege des mehrfachen Ferrari-Weltmeisters stach als Erster in die erste Kurve. Von hinten wäre beinahe sogar noch Fernando Alonso (Renault) an Schumacher vorbeigegangen, doch der amtierende Champion musste nach einem sehenswerten Rad-an-Rad-Fight zurückstecken und sich zunächst mit Rang drei vor seinem Teamkollegen Giancarlo Fisichella abfinden. Rubens Barrichello (Honda) folgte als Fünfter.

Jacques Villeneuve (BMW Sauber F1 Team), Ralf Schumacher (Toyota) und Nico Rosberg (Williams-Cosworth), der einen Raketenstart erwischte und in der ersten Kurve das nötige Glück hatte, kamen auf den Positionen sechs bis acht aus der ersten Runde zurück. Insgesamt überstanden die ersten 4,192 Kilometer nur 15 Piloten, denn gleich auf den ersten hundert Metern gab es zwei voneinander unabhängige Karambolagen in den ersten beiden Kurven.

Montoya schob Räikkönen von hinten an

Nick Heidfeld
Nick Heidfeld hatte Riesenglück, dass er beim Startunfall unverletzt blieb
© xpb.cc

Der vordere Crash wurde am ehesten von Juan-Pablo Montoya (McLaren-Mercedes) ausgelöst, der seinen Teamkollegen Kimi Räikkönen beim Einlenken in Kurve zwei leicht anschubste und damit eine Kettenreaktion auslöste, bei der unter anderem Nick Heidfeld (BMW Sauber F1 Team) in einen Überschlag geschickt wurde. Der Deutsche hatte aber mehrere Schutzengel und entstieg unverletzt dem zerstörten Auto.

Weiter hinten wurde die erste Kurve ebenfalls für einige Piloten zu eng: Christian Klien (Red-Bull-Ferrari) dürfte nach mäßigem Start und einer Feinberührung quer ins Rutschen gekommen sein, womit er ebenfalls eine Kettenreaktion auslöste. Damit waren nach zwei Crashes Räikkönen, Montoya, Heidfeld, Mark Webber (Williams-Cosworth), Lokalmatador Scott Speed (Toro-Rosso-Cosworth), Franck Montagny (Super-Aguri-Honda) und eben Klien eliminiert.

Naturgemäß musste das Safety-Car auf die Strecke geschickt werden, um die Wracks zu bergen und die Karosserieteile von der Fahrbahn zu entfernen. In der neutralisierten Phase stellte dann auch noch Jenson Button (Honda) sein Auto an der Box ab, und beim Restart dürften sich Tiago Monteiro (MF1-Toyota) und Takuma Sato (Super-Aguri-Honda) in die Haare geraten sein, die daraufhin ihren Arbeitstag ebenfalls beenden mussten.

Fisichella durfte Alonso in Runde 15 überholen

Vorne zogen die beiden Ferraris gleich auf und davon, während Fisichella in der 15. Runde nach mehreren erfolglosen Versuchen endlich an Alonso, dessen Balance und Motorleistung nicht ideal waren, vorbeiging und sich von seinem Teamkollegen rasch absetzen konnte. Zeitgleich arbeitete sich von hinten auch der aus der Boxengasse gestartete Jarno Trulli (Toyota) immer weiter nach vorne, der von der Safety-Car-Phase profitiert hatte und schon in Runde 16 erstmals als Achter geführt wurde.

Unmittelbar vor der ersten Serie der Boxenstopps schied Villeneuve mit Motorschaden aus, wobei anzumerken ist, dass der Kanadier trotz der enormen Hitze und trotz des langen Volllaststücks im Oval das einzige Opfer einer V8-Überlastung blieb. Praktisch zeitgleich kam in Runde 24 Barrichello als Erster an der Box, während die Ferraris im 29. (Schumacher) beziehungsweise 30. (Massa) Umlauf nachtanken und Reifen wechseln ließen.

Massa hatte seinen Vorsprung zwischenzeitlich auf 1,5 Sekunden ausgebaut, dennoch konnte er beim ersten Stopp seine Führung wenig überraschend nicht verteidigen. Durch die Stopps der Renaults wurde dann Trulli zwischenzeitlich auf Rang drei gespült, denn der Italiener setzte gemeinsam mit David Coulthard (Red-Bull-Ferrari), Vitantonio Liuzzi (Toro-Rosso-Cosworth) und Rosberg auf eine Einstoppstrategie, während alle anderen zweimal regulär an die Box kamen.

Liuzzi mit erstem Punkt für die Scuderia Toro Rosso

Christian Klien und Franck Montagny
Christian Klien wurde beim Crash in der ersten Kurve aus dem Rennen geworfen
© xpb.cc

Apropos Coulthard, Liuzzi und Rosberg: Das Trio lieferte sich einen spannenden Fight, wobei Rosberg durch seinen Stopp hinter Coulthard zurückfiel. Später ging dann auch noch Liuzzi an Rosberg vorbei - und als Ralf Schumacher in der Schlussphase wegen eines schadhaften Radlagers seinen Toyota an der Box abstellen musste, rutschte Liuzzi sogar noch auf den achten Platz nach vor, was den ersten Punkt für die Scuderia Toro Rosso bedeutete.

Vorne ließ sich Schumacher, der seinen Vorsprung auf 7,9 Sekunden ausbaute, die Butter in einer ereignislosen zweiten Rennhälfte nicht mehr vom Brot nehmen, kam vor Massa, Fisichella, Trulli, Alonso, Barrichello, Coulthard, Liuzzi und Rosberg ins Ziel. Insgesamt wurden nur neun von 22 gestarteten Fahrzeugen gewertet, womit acht von neun Piloten für ihre Zuverlässigkeit mit Zählbarem belohnt wurden. Damit war Indianapolis der bisher ausfallsreichste Grand Prix der Saison.

Auch in der Weltmeisterschaft bewegte sich heute einiges: Schumacher hat seinen Rückstand auf Alonso auf 19 Punkte reduziert, womit Alonso jedoch bei acht verbleibenden Rennen nach wie vor lauter zweite Plätze in jedem Fall zum WM-Titel reichen würden. In der Konstrukteurswertung hat Ferrari den Abstand zu Renault verringert, der Stand ist nun 105:131 gegen die Italiener. Auf Platz drei liegen trotz des Doppelausfalls in den USA die "Silberpfeile" mit 65 Zählern.

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