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Haug: Montoya nur beurlaubt

14. Juli 2006 - 16:01 Uhr

McLaren-Mercedes stellt die Trennung von Juan-Pablo Montoya nach außen als einvernehmlich dar - Team schließt Comeback nicht aus

Norbert Haug und Juan-Pablo Montoya
Verkannte Männerfreundschaft? Haug schmiert Montoya Honig um den Mund...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Als Juan-Pablo Montoya am vergangenen Wochenende in den USA vor die Presse ging und eigenmächtig seinen Wechsel in die NASCAR-Serie ankündigte, dürfte sich auf der anderen Seite des Atlantiks ein gewisser Ron Dennis beim Durchlesen der täglichen Nachrichten sehr geärgert haben. Der Brite war zuvor nur kurz via Telefon von seinem inzwischen Ex-Fahrer informiert worden.

Der McLaren-Mercedes-Teamchef höchstpersönlich war dann die treibende Kraft hinter der vorzeitigen Trennung vom kolumbianischen Heißsporn, mit dem ihn noch nie viel verbunden hat. In der zugehörigen Pressemitteilung des Rennstalls aus Woking bezeichnete Dennis Montoya jedoch als "sympathischen Menschen", was der schreibenden Zunft angesichts der spannungsgeladenen Geschichte der beiden Charaktere einen kräftigen Lacher bescherte.

Montoya nicht vertragsfrei, nur beurlaubt

"Um es richtig zu sagen: Juan-Pablo ist nicht entlassen, sondern beurlaubt."
Norbert Haug

Heute äußerte sich schließlich Mercedes-Sportchef Norbert Haug erstmals zu den Ereignissen der vergangenen Tage: "Um es richtig zu sagen: Juan-Pablo ist nicht entlassen, sondern beurlaubt", erklärte der Deutsche. "Wir haben die Optionen offen und wissen nicht, wie sich die Dinge weiterentwickeln. Im Moment ist geplant, dass er sich auf seinen nächsten Karriereschritt konzentriert. Da gibt es nicht viel mehr dazu zu sagen."

Auf die Frage einer TV-Reporterin, ob der beurlaubte Status denn bedeute, dass Montoya noch in diesem Jahr ein Formel-1-Comeback im "Silberpfeil" geben könnte, antwortete Haug nur: "Wir werden sehen." Außerdem beschrieb er die Trennung als einvernehmlich, was insofern sehr verwundert, als Montoya gerade mit rechtlichen Schritten ungefähr drei Millionen Euro als Abfindung von McLaren-Mercedes einklagen will.

Haug betonte außerdem, dass man weiterhin ein sehr gutes Verhältnis zu Montoya pflege: "Wir können uns beide nach wie vor in die Augen gucken", gab er zu Protokoll. Ferner unterstrich der 53-Jährige, dass sein nunmehriger Ex-Schützling dem Konzern nicht komplett den Rücken zukehrt: "Er fährt ja auch für Dodge, also ein Auto der DaimlerChrysler-Familie", spielte er auf die DaimlerChrysler-Verbindung zu Chip Ganassi an.

War Indy-Kollision der Auslöser für die Trennung?

"Klar ist, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält, wenn Fehler passieren."
Norbert Haug

Ob die Startkollision von Indianapolis für die Trennung ausschlaggebend gewesen sei, wollte Haug nicht beantworten: "Wir haben verabredet, dass wir darüber im Detail nicht reden", sagte er. "Klar ist, dass sich die Begeisterung in Grenzen hält, wenn Fehler passieren, und klar ist auch, dass wir intern darüber sprechen mussten, um gemeinsam eine Entscheidung zu treffen. Das hat auch einen rechtlichen Hintergrund. Wir haben eine für das Team und für Juan-Pablo gute Entscheidung getroffen."

Praktisch für die "Silberpfeile": Der als sehr temperamentvoll bekannte Montoya, der momentan im Grunde genommen sicher Lust hätte, mit der Motorsportfachpresse zu plaudern, hat wegen des schwebenden Verfahrens um seine Abfindung derzeit ein Redeverbot und verweilt außerdem mit seiner Familie in Miami, um einmal richtig abzuschalten und sich auf sein noch für diese Saison geplantes NASCAR-Debüt vorzubereiten...