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Das große Siegerinterview mit Michael Schumacher

30. Juli 2006 - 16:59 Uhr

Ein extrem optimistischer Michael Schumacher über seinen vierten Hockenheim-Sieg und seine mehr denn je intakten Chancen auf den WM-Titel

Michael Schumacher
Michael Schumacher fehlen nur noch elf Punkte auf die Führung in der WM
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Michael, das war dein 70. Sieg für Ferrari, der insgesamt 100. für Bridgestone - ein phänomenaler Tag, nicht war?"
Michael Schumacher: "Ja. Das sind sehr wichtige Zahlen, aber im Moment ist die Elf die wichtigste Zahl, denn mir fehlen noch elf Punkte auf Fernando (Alonso; Anm. d. Red.). Wir hatten ein Superwochenende, unser Auto funktionierte einfach klasse. Unser letzter Test vor der Sommerpause war sehr positiv und wir haben dort eng mit Bridgestone zusammengearbeitet, um uns zu sortieren und alles bis ins letzte Detail zu verbessern."

"Das Team hat das Auto verbessert, 'Shell' noch einmal ein neues Benzin geliefert. Das ist ein Paket, mit dem wir eben so stark fahren konnten - auch wenn mich der große Vorsprung ehrlich gesagt ein bisschen überrascht. Jetzt sind wir da, jetzt ist der richtige Zeitpunkt für eine solche Performance. Dann können wir den Rückstand reduzieren und den Druck aufrechterhalten."

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Ferrari musste nicht einmal ans Limit gehen

"Wir hatten einen großen Vorsprung und konnten die Autos schonen."
Michael Schumacher

Frage: "Gab es im Rennen überhaupt einmal einen kritischen Moment?"
Schumacher: "Nicht wirklich, nein. Wir hatten einen großen Vorsprung und konnten die Autos schonen. Das einzig Gefährliche war, dass es neben der Ideallinie sehr schmutzig war, weil so viele Autos neben der Strecke waren. Alle hatten ziemlich weiche Reifen auf dieser Strecke, dadurch sammelte sich noch mehr Gummiabrieb an als sonst, und in der letzten Kurve waren ein paar Mal Autos neben der Linie. Dadurch sammelte sich Dreck und Staub an. Wenn man am Limit gefahren ist, war das sicher nicht einfach, aber das mussten wir ja nicht tun. Insofern gab es keine Schwierigkeiten."

Frage: "Was war an diesem Wochenende am Ferrari-Paket so stark?"
Schumacher: "Alles."

Frage: "Vielleicht besonders die Reifen?"
Schumacher: "Ich würde schon behaupten, dass man da alles nennen muss. Die Reifen haben sehr gut funktioniert. Das ist Voraussetzung, um so eine Leistung zu zeigen. Wir haben am Auto verbessert. Der Motor hat sehr gut funktioniert, 'Shell' hat nachgelegt - und wir konnten es umsetzen."

Frage: "Fast wie in alten Zeiten, nicht wahr?"
Schumacher: "Im Prinzip stimmt das. Wer im letzten Jahr unsere Performance gesehen hat, der hätte wahrscheinlich keinen Pfennig darauf gesetzt, dass wir noch einmal so auftrumpfen würden, wie uns das jetzt wieder gelingt. Wir haben in den letzten Monaten einfach sehr konzentriert und gut gearbeitet, haben mit dem Auto eine Stufe vorwärts gemacht für dieses Rennen, haben uns auf den Punkt genau entschieden, was die Reifen angeht. Mein Teamkollege hat einen tollen Job gemacht - und das ist das Resultat."

Duell mit dem Bruder war keine Eitelkeit

"Mir war klar, dass ich Ralf vorbeilassen würde, sobald er nahe genug dran ist."
Michael Schumacher

Frage: "Als du vor deinem Bruder Ralf Schumacher lagst, wirkte es so, als wäre da noch einmal der Ehrgeiz in dir geweckt worden, denn plötzlich wurdest du schneller. Warum hast du ihn nicht direkt vorbeigelassen?"
Schumacher: "Zu der Zeit ist Kimi Räikkönen mit relativ schnellen Rundenzeiten auf Platz drei gefahren. Rein von der Kalkulation her wäre es möglich gewesen, dass er uns noch einmal nahe kommt - da ging es um drei Sekunden. Von daher wollte ich das Tempo noch einmal ein bisschen anziehen. Mir war aber klar, dass ich Ralf vorbeilassen würde, sobald er nahe genug dran ist, so dass ich nicht zu viel Zeit verliere."

Frage: "Das war dein vierter Sieg in Hockenheim. Weißt du, was in den drei Jahren, in denen du bisher hier gewonnen hast, immer passiert ist?"
Schumacher: "Du wirst es mir bestimmt sagen..."

Frage: "Du warst immer Weltmeister!"
Schumacher: "Na, dann freuen wir uns darauf, dass das ein gutes Omen ist, aber es ist noch ein weiter Weg bis dahin."

Frage: "Dein Rückstand auf Fernando Alonso beträgt nur noch elf Punkte. Wie zufrieden bist du mit diesem Rennen?"
Schumacher: "Das macht mich sicher sehr happy, vor allem in der jetzigen Situation. Man könnte vielleicht davon ausgehen, dass wir in den nächsten Rennen ein bisschen mehr als zwei Punkte pro Rennen abknabbern können. Das wäre ideal."

WM-Titel nun wieder ein echtes Thema

"Ich möchte mich nicht wirklich über die Konkurrenz auslassen."
Michael Schumacher

Frage: "Renault stagniert ein bisschen. Haben die einen weniger guten Job gemacht?"
Schumacher: "Ich möchte mich nicht wirklich über die Konkurrenz auslassen, sondern jeder hat mit sich selbst genug zu tun. Ich bin natürlich schon froh darüber, dass wir in der jetzigen Situation so viel Boden gutmachen konnten."

Frage: "Jetzt kannst du auch wieder aus eigener Kraft Weltmeister werden..."
Schumacher: "Absolut!"

Frage: "Dein Renningenieur Chris Dyer hat in der Auslaufrunde am Funk gesagt, dass du jetzt nur noch alle Rennen gewinnen musst, um Weltmeister zu werden..."
Schumacher: "Das kann man nicht wirklich erwarten, aber angesichts unserer Performance in den letzten drei Rennen gegenüber unserem Konkurrenten sind wir sehr zuversichtlich. Hoffentlich können wir dieses Niveau zumindest für ein paar weitere Rennen halten und den Rückstand so schnell wie möglich zu reduzieren. Dann hätten wir in den letzten Rennen einen spannenden Fight, aber wir müssen damit rechnen, dass Renault wieder zurückkommt und auch noch das eine oder andere Mal gewinnt. Umso mehr müssen wir diesen Vorsprung jetzt voll ausschöpfen."

"Der Spirit und die Motivation im Team sind außergewöhnlich. Das ist auch Felipe (Massa; Anm. d. Red.) zu verdanken, der einen großartigen Job macht, auch beim Testen. Ich bin froh, ihn als meinen Teamkollegen zu haben."

Frage: "Ein paar Millionen deutsche Fans würden es sehr vermissen, wenn du in Zukunft nicht mehr hier fahren würdest..."
Schumacher: "Das würde mir auch so gehen, wenn es denn so weit wäre."

Frage: "McLaren-Mercedes ist wieder vorne mit dabei. Glaubst du, dass das Kräfteverhältnis in den nächsten Rennen so bleiben wird?"
Schumacher: "Das ist schwer zu beurteilen. Es war schon ein bisschen überraschend, dass wir seit Magny-Cours so einen Schritt machen und so dominieren konnten. Ob wir das bei den nächsten Rennen beibehalten werden, weiß ich nicht, aber die Möglichkeit sollte zumindest bestehen, uns mit beiden Autos vor den Renaults zu platzieren, weil wir im Moment sehr stark sind."

Testpause sollte Ferrari entgegenkommen

"Es ist definitiv ein Vorteil, dass wir mitten in der Testpause sind."
Michael Schumacher

Frage: "Ist es ein Vorteil, dass das nächste Rennen nun schon in einer Woche stattfindet?"
Schumacher: "Es ist definitiv ein Vorteil, dass wir mitten in der Testpause sind, denn wenn es bei jemandem Probleme gibt, dann hat er jetzt weniger Möglichkeiten, diese auszusortieren. Wie man bei uns im Moment sieht, gibt es bei uns keine Probleme."

Frage: "Dein Fazit nach diesem Wochenende?"
Schumacher: "Es war ein supertolles Wochenende für uns, das nicht hätte schöner laufen können - mit dem kleinen Wehrmutstropfen des Qualifyings, aber die Gründe dafür haben wir ja heute gesehen. Wir waren doch um einiges schwerer unterwegs. Nichtsdestotrotz: Was heute passiert ist, war wichtig, denn wir haben zu einem entscheidenden und wichtigen Zeitpunkt in der Saison viele Punkte gutgemacht."

"Auch die nächsten Rennen sollten nicht wirklich ein Problem für uns darstellen. Wenn wir das umsetzen können, wird die Meisterschaft noch einmal richtig, richtig spannend. Wir sollten uns alle Möglichkeiten offen halten. Dank einer Superleistung des Teams in all den letzten Monaten ist das alles möglich. Dafür ein Riesenkompliment!"

Frage: "Du wirfst deinen Manager nach jedem Hockenheim-Sieg ins Schwimmbad. Muss Willi Weber heute auch dran glauben?"
Schumacher: "Nein. Wir werden heute Abend nach Hause gehen. Es gibt keine Aktion, sondern wir werden uns ganz normal auf die Heimreise begeben, denn nächste Woche geht es ja schon in Ungarn weiter."

Frage: "Ein bisschen Zeit zum Feiern bleibt aber schon, oder?"
Schumacher: "Viel wird nicht bleiben. Wir wollen heute Abend noch nach Hause, aber wir werden sicher nachher noch ein Bierchen trinken."