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Speed Boulevard: Die Boxengasse in der Formel 1

02. Juni 2006 - 11:51 Uhr

Abseits der Rennen geben sich hier die Stars die Ehre, während dem Rennen wird hier oftmals über Sieg und Niederlage entschieden: in der Boxengasse

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© Allianz

(Motorsport-Total.com) - In den Stunden vor dem Start ist die Boxengasse die Flaniermeile der Formel 1. Wenn sich Stars und Sternchen die Ehre geben, machen Fotografen und Kamerateams reiche Beute. Doch der Asphaltstreifen zwischen Boxenmauer und Garagen ist mehr als nur ein Boulevard der Eitelkeiten. In der Boxengasse werden Rennen gewonnen - und manchmal auch verloren.

Die Boxenstopps gehören zu den aufregendsten Momenten eines Formel-1-Rennens. Bei den Teams herrscht Alarmstufe rot, wenn einer ihrer Boliden zum Service hereinkommt. Jeder Stillstand während der Rundenjagd bringt den Puls auf Touren, nicht nur bei den Zuschauern auf der Tribüne an der Start-Ziel-Geraden, sondern auch bei den Boxencrews. Die fixen Jungs, die selbst bei Sonnenschein so vermummt sind wie Astronauten bei einem Ausflug ins All, lösen sich wie auf Kommando aus der Lauerstellung. Und dann beginnt der Nervenkitzel im Sekundentakt.

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Rüstzeit von im Notfall nur 15 Sekunden

"Normalerweise sind wir innerhalb von 30 Sekunden einsatzbereit", sagt Paul Singlehurst von WilliamsF1, wo Boxenstopps immer wieder trainiert werden, bis wirklich jeder Handgriff sitzt. "Wenn es darauf ankommt, schaffen wir es aber auch in 15 Sekunden."

Wenn die Formel 1 in eine neue Saison startet, haben die Jungs von WilliamsF1 bereits 150 Boxenstopps absolviert. Kein Wunder, dass jeder aus dieser Elite-Truppe genau weiß, was er zu tun hat. Was auf den Blick aussieht wie ein wildes Durcheinander, ist in Wirklichkeit eine perfekt einstudierte Choreographie für 22 Männer, bei der es nicht auf Anmut und Haltung ankommt, sondern allein darauf, dass es schnell geht und jeder Handgriff sitzt.

Sicherheit geht vor

Passt der Tankschlauch perfekt? Klappt der Reifenwechsel oder klemmt irgendwo eine Mutter? Für die Piloten, in ihren Sitzen festgezurrt und zur Untätigkeit verdammt, sind es Sekunden zwischen Hoffen und Bangen. Angst müssen sie allerdings nur um ihre Position im Rennen haben, denn eine ganze Reihe von Sicherheitsmaßnahmen verhindert, dass es in der Boxengasse zu gefährlichen Situationen kommt.

Zwischen Boxenmauer und Garagen gelten so strenge Vorschriften wie auf der Rennstrecke. Wer dagegen verstößt, wird sofort bestraft. Das Strafmaß ist bekannt: Wer beispielsweise die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit überschreitet (80 km/h im Training, 100 km/h im Qualifying und im Rennen), wird im Training und im Qualifying für jeden zu schnell gefahrenen Kilometer mit 250 US-Dollar zur Kasse gebeten. Im Rennen kassiert er dafür eine zeitraubende Durchfahrtstrafe - eine zusätzlichen Fahrt durch die Boxengasse ohne anzuhalten.

Die Boxengasse in der Formel 1 ist in zwei Fahrspuren unterteilt. Die Spur entlang der Boxenmauer ist die "fast lane", die entlang der Garagen die "inner lane". Nur hier darf, in einem vorher festgelegten Bereich, an den Autos gearbeitet werden, beispielsweise beim Boxenstopp.

Die Boxengasse als Startplatz

Auch bei der Startprozedur spielt die Boxengasse eine wichtige Rolle. Wer es beispielsweise nicht schafft, spätestens fünfzehn Minuten vor dem Start der Einführungsrunde auf die Strecke zu fahren beziehungsweise spätestens fünf Minuten vorher auf seiner Startposition zu stehen, muss das Rennen aus der Boxengasse in Angriff nehmen. Dabei muss er am Ende der Boxengasse warten, bis nach dem Start das gesamte Feld vorbeigefahren ist.

Weil in dieser Saison wieder Reifenwechsel erlaubt sind, ist in der Boxengasse auch während des Rennens viel los. Dabei geht es oft enger und spannender zu als auf der Rennstrecke. Auf den meisten Kursen kann nur sehr schwer überholt werden, deshalb müssen die Teams ihren Fahrern mit schnellen und gut getimten Boxenstopps die entscheidenden Sekundenbruchteile sichern, um vor einem Konkurrenten zurück auf die Strecke zu fahren.

Mit den Boxenstopps steht und fällt jede Rennstrategie. Deshalb sind sie nicht nur ein aufregendes Spektakel am Rande der Piste, sondern machen die Rennen interessanter und spannender für die Fans.

An der Boxenmauer haben die Teams ihre Kommandostände aufgebaut, regelrechte High-Tech-Burgen mit Computern, Monitoren und Funkantennen. Während des Rennens laufen dort alle Drähte zusammen, werden von den Teamchefs, Cheftechnikern, Renningenieuren und Strategen die wichtigen Entscheidungen getroffen. Es sind die exklusivsten Logenplätze in der Formel 1.