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Michelin: Kein Imageschaden in den USA
Der Stachel des Skandalrennens 2005 sitzt nicht sehr tief: Die Öffentlichkeit habe verstanden, dass der Startverzicht ein Zeichen der Verantwortung war
(Motorsport-Total.com) - Der Auftritt der Formel 1 in Indianapolis lässt alte Wunden wieder aufbrechen, Erinnerungen an das Rennfiasko des Jahres 2005 werden wieder lebendig. Sechs Autos standen am Start einsam auf der langen und breiten Start-Ziel-Gerade, alle 14 Michelin-Autos wählten den Weg zurück an die Boxen. Den Belastungen in der überhöhten Kurve waren die Pneus der Franzosen nicht gewachsen.
Auch wenn Michelin einen großen Fehler beging, den sie zugaben und den sie fieberhaft versuchten wieder gutzumachen, Alternativen für eine Renndurchführung 2005 bestanden. Die FIA lehnte dies - mit Verweis auf Versicherungsangelegenheiten - ab. Schon im Laufe des Rennwochenendes wurde klar, dass die Belastungen für die Reifen einfach zu hoch waren. Doch warum sich Michelin so gravierend verrechnete, darüber mutmaßt auch Ex-Motorsportchef Pierre Dupasquier noch heute.

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Ein Zusammenspiel verschiedener Auslöser
Einige Zeit nach dem Skandalrennen wurde er in den USA auf einen Bericht aufmerksam gemacht. Es ging um Reifenschäden bei einem NASCAR-Rennen in Charlotte. "Und NASCAR ist NASCAR - Standardreifen, die für das gesamte Jahr hergestellt werden, die Autos ändern sich nicht, die Strecken sind gleich", so der Franzose gegenüber 'autosport.com'.
"Eine Sache aber war anders", fuhr er fort. "Die Strecke in Charlotte wurde neu asphaltiert und mit einem Diamantschnitt versehen, nach der gleichen Methode wie in Indianapolis. Heute bin ich überzeugt, dass dieser Diamantschliff der entscheidende Faktor für die Reifenschäden bei Michelin in Indianapolis war. Natürlich gibt es verschiedene Parameter, aber ich glaube, dass das der entscheidende war."
Der Schliff wurde der Oberfläche verpasst, nachdem sich Fahrer nach ersten Tests auf dem neuen Asphalt über mangelnden Grip beklagten. Interessanterweise hatte Bridgestone vor dem US-Grand-Prix direkte Daten von der neuen Oberfläche, denn Firestone - Ausrüster der IndyCar-Serie - ist der US-amerikanische Ableger der Japaner.
Doch für Michelin gilt dies nicht als Ausrede. "Unsere Einschätzung der Strecke war einfach nicht vollständig", so Dupasquier. "Die Reifen, die wir dabei hatten, konnten den Aufgaben nicht gerecht werden. Das ist ganz klar. Unser Reifen war für Indy nicht tauglich, so einfach ist das."
Michelin: Haben alle Probleme gelöst
Ein schlechtes Gefühl überkommt die Franzosen bei der Rückkehr nach Indianapolis aber nicht. Man kann sich vorstellen, wie hart in Clermont-Ferrand gearbeitet wurde, um ein neuerliches Scheitern am selben Ort zu verhindern. "Wir haben uns die Gründe angeschaut, sie verstanden und die nötigen Änderungen vollzogen", so Michelins Formel-1-Projektleiter Nick Shorrock.
"Wie haben schon kurz nach der Veranstaltung gesagt, dass es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren war, und das gilt auch noch heute", fuhr er fort. "Dabei kam zum Vorschein, dass die Spezifikation, die wir für 2005 entworfen haben, gegenüber 2004 und den weiteren Vorjahren nicht angepasst wurde." Dabei mussten die Reifen 2005 jedoch das gesamte Rennen über halten - ein weiterer Baustein der Misere.
Für 2006 sei alles gelöst und leistungsmäßig sei man nicht gewillt, Abstriche zu machen. "Reifen für ein Rennen entstehen in einem mehrschichtigen Prozess, von der Konstruktion bis zur Mischung", fuhr er fort. "Und wir versuchten sicherzustellen, dass wir einen konkurrenzfähigen Reifen für das Rennen haben. Zudem sind Reifenwechsel wieder erlaubt, auch daran wurde der Reifen angepasst."
Positive Reaktionen aus den USA
Michelins Kampagnen in den USA nach dem Fiasko stimmten die Franzosen zudem zufrieden. Ein Imageschaden sei nicht entstanden. "Die Reaktionen der vergangenen zwölf Monate, besonders in Amerika, haben gezeigt, dass die Öffentlichkeit sehr sicherheitsorientiert ist", so Shorrock. "Sie verstehen, dass es eine Entscheidung eines verantwortungsbewussten Unternehmens war, das auf die Sicherheit achtet."
Zudem erklärte sich Michelin bereit, 20.000 Tickets aus dem Jahr 2005 zu erstatten. 20.000 weitere Eintrittskarten wurden für das Rennen in diesem Jahr zur Verfügung gestellt. "Das hatte auf das Image, das wir haben, einen sehr positiven Einfluss. Die kommerziellen Aktivitäten in Nordamerika aber wurden gar nicht beeinflusst."
Auch Dupasquier, der 2005 noch als Verantwortlicher durch die USA reiste, bestätigte die positiven Reaktionen. "Ich wurde zweimal in die USA geschickt, zu den Autoshows in Detroit und Las Vegas", erklärte der Franzose. "Die Idee dahinter war, dass ich mich möglichen Reaktionen der Menge stellen sollte."
Dupasquier: "Die FIA wollte nicht helfen"
Die Art der Reaktionen schien auch den Franzosen überrascht zu haben. "Alle, ohne Ausnahme, waren positiv", erklärte er. "Mein Eindruck ist, dass jeder die Situation verstanden hat. Jeder versteht, dass es Michelin vermasselt hat, die Situation aber verantwortungsbewusst und bestmöglich behandelt hat."
Nach zwölf Monaten, die seither ins Land gingen, verbleibt jedoch auch ein wenig Bitterkeit, dass es 2005 nicht doch noch eine Lösung gab. Doch die vorgeschlagene Schikane wurde abgelehnt, auch unter dem Angebot, dass alle Michelin-Teams auf Punkte verzichten würden. "Mir erklärte später jemand, dass Max Mosley (FIA-Präsident; Anm. d. Red) überzeugt war, dass das ein politisches Manöver der Herstellerteams und Michelin gegen ihn persönlich war", so Dupasquier.
"Ich denke, dass Mosley hier schlecht beraten wurde, er verstand die Situation nicht. Das war so offensichtlich", fuhr er fort. "Er ist ein intelligenter Mann, daher bin ich überzeugt, dass er schlecht informiert und beraten wurde. Ja, wir haben es vermasselt. Aber danach haben wir richtig gehandelt und auch Lösungen vorgeschlagen. Die FIA wollte aber nicht helfen."










