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Charme-Offensive in Indianapolis
Michelin schließt neuen Skandal aus und lockt die Fans mit 20.000 Freitickets - zahlreiche Attraktionen rund um den US-Grand-Prix
(Motorsport-Total.com/sid) - Michael Schumacher hofft auf einen Sieg in Indianapolis als letzten Strohhalm im WM-Kampf, aber ganz ohne Konkurrenz wie beim größten Skandalrennen der Formel-1-Geschichte vor einem Jahr wird er ihn diesmal wohl nicht bekommen. "Wir haben aus den Fehlern von 2005 gelernt. Unser Reifen wird nach menschlichem Ermessen sicher und konkurrenzfähig sein", sagt Michelins Formel-1-Direktor Neil Shorrock und schließt damit ein neues Debakel aus. Nachdem die Pneus im vergangenen Jahr versagt hatten, wurden die für Indy neu entwickelten Walzen diesmal bei Tests in Monza und Le Castellet extra noch einmal einem Härtetest unterzogen.
Unvergessen sind die schlimmen Bilder vom letzten Indy-Rennen, als die 14 Autos mit Michelin-Reifen nach der Aufwärmrunde aus Sicherheitsgründen wieder in die Box zurückfahren mussten. Sechs Boliden lieferten sich danach ein Rennen der Farce, in dem die 100.000 frustrierten Fans mit Bierbüchsen warfen und der beschimpfte Sieger Schumacher flüchten musste. Mit einer Charme-Offensive will die Formel 1 nun den immensen Imageschaden wieder gutmachen - Michelin verschenkte 20.000 Tickets, die Fahrer wie Weltmeister Fernando Alonso stellen sich Extra-Autogrammstunden, die Zuschauer können die Teamboxen besichtigen und sich mit Grid Girls fotografieren lassen.

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Trotzdem könnte es gut sein, dass das Rennen am Sonntag vorerst das letzte in Indianapolis und den USA sein wird, obwohl immerhin wieder 100.000 Tickets abgesetzt wurden. Der Vertrag läuft aus, und Rennstreckenchef Tony George möchte künftig die etwa 15 Millionen Euro "Antrittsprämie" für den Start der Formel 1 gern mit den finanziellen Verlusten aus dem Vorjahr verrechnen. Bernie Ecclestone lässt dagegen die Muskeln spielen: "Ich werde kein Rennen subventionieren. Wir haben selbst in Malta mehr TV-Zuschauer als in den USA." Michael Schumacher merkt süffisant an, dass es auch in Indy "nur zehn Punkte für den Sieg gibt" - nach dem Frust im letzten Jahr fürchtet er sich wohl ein wenig vor der Reaktion der frustrierten Fans.
Die Autohersteller drängen mit Blick auf den gigantischen US-Markt dagegen auf einen neuen Kontrakt mit dem Rennsport-Mekka Indy und würden wie BMW-Motorsportchef Mario Theissen sogar noch ein zweites Rennen in Las Vegas oder New York begrüßen. "Natürlich waren die Leute im vergangenen Jahr nicht glücklich und die Formel 1 ist in den USA nicht so populär. Aber wir werden eine gute Show bieten", verspricht Renault-Mann Alonso. Er führt die WM-Wertung bei Halbzeit nach vier Siegen in Folge souverän mit 25 Punkten Vorsprung vor Schumacher an und kündigt gleich mal den nächsten Sieg als endgültigen K.o.-Schlag für seinen Erzrivalen an: "Unser Paket hat überall funktioniert, und es wird auch in Indianapolis okay sein."
Allerdings hat Alonsos Reifenfirma Michelin hier seit seinem Wiedereinstieg in die Formel 1 noch nie gewonnen. Michael Schumacher dagegen fuhr bei sechs Starts vier Siege ein, und die 1,3 Kilometer lange Vollgasstrecke mit Tempo 330 dürfte seinem Ferrari liegen. Nach drei Tagen Ausspannen mit seinen Freunden glaubt er wieder an sich, zumal sein Reifenpartner Bridgestone nach dem Frust in Kanada einen neuen Wunderreifen angekündigt hat: "Indianapolis soll ein erfolgreiches Rennen für uns werden. Die WM ist für uns noch nicht beendet, und solange sie offen ist, werden wir alles in unserer Macht stehende tun, sie doch noch für uns zu entscheiden."
Michelin-Mann Shorrock, der neben Alonso auch die wiedererstarkten Mercedes-Silberpfeile um Kimi Räikkönen ausrüstet, glaubt das allerdings nicht: "Ein Sieg in Indy würde für uns natürlich besonders süß schmecken. Diesmal kommen unsere Autos ins Ziel."










