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Wurz: "Renault ist das Maß der Dinge"

05. Mai 2006 - 18:49 Uhr

Alexander Wurz freut sich über seine Galavorstellung am Nürburgring und erklärt, warum für ihn Fernando Alonso wieder Topfavorit ist

Alexander Wurz
Alexander Wurz war heute um 0,904 Sekunden schneller als alle anderen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Frage: "Alexander, Bestzeit muss man erst einmal fahren, oder?"
Alexander Wurz: "Klar! Heute bin ich echt happy. Ich hatte heute Bestzeit im ersten und im zweiten Training. Im ersten Training ist mir eine Superrunde ausgekommen - da hätte ich wirklich nichts mehr besser machen können. Im zweiten Training hatte ich einen wahnsinnig starken Long-Run. Dass ich zum Schluss noch Pole Position (eigentlich Bestzeit; Anm. d. Red.) gefahren bin, taugt mir eigentlich gar nicht so, denn da hatte ich mit dem neuen Reifensatz einen Vorteil. Nichtsdestotrotz bin ich heute happy, weil ich nicht nur meine Teamkollegen, sondern auch alle anderen in Schach halten konnte."

Frage: "Zwischen den beiden Trainings warst du noch der Ansicht, dass Bridgestone hier einen Nachteil haben könnte. Hat sich das dann gewendet?"
Wurz: "Ja, das stimmt. In der Pause war ich nicht so happy, denn als die Strecke noch rutschig war und wenig Gummiabrieb hatte - was am Nürburgring ganz normal ist in der Früh -, dachte ich: Oje, hier kommen wir nicht ganz zurecht!"

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Wurz sieht Bridgestone diesmal im Vorteil

"Im zweiten Training lag aber mehr Gummiabrieb, was den Bridgestone-Reifen entgegenkommt. Ich glaube, dass uns das auf das Wochenende gesehen helfen wird, denn unsere französische Konkurrenz ist ein bisschen stehen geblieben. Das taugt mir natürlich, aber eine Freitagsbestzeit ist eine Sache. Abgerechnet wird am Sonntag, wenn man über die Linie fährt."

"Rechts ist das Gaspedal - und das habe ich ganz stark durchgedrückt!"
Alexander Wurz

Frage: "Ganz ehrlich: Wie konntest du zum Schluss noch Bestzeit fahren?"
Wurz: "Rechts ist das Gaspedal - und das habe ich ganz stark durchgedrückt! Im Ernst: Im Long-Run war ich schon mit viel Sprit Dritter, ganz knapp hinter der Zeit von Alonso. Das war schon sehr stark, darauf bin ich sehr stolz. Dann hatte ich weniger Sprit drin als die Konkurrenz, aber ich war zum Schluss ja auch um eine Sekunde schneller. Ich war heute in guter Form."

Frage: "Wann werden die Teamchefs endlich draufkommen und dich fahren lassen?"
Wurz: "Das musst du die Teamchefs fragen, nicht mich."

Frage: "McLaren-Mercedes hat zum Beispiel keinen Freitagsfahrer mehr. Ist das ein Nachteil für das Team?"
Wurz: "Auf jeden Fall. Freitagstester sind sicherlich von Vorteil. Mein heutiges Beispiel zeigt das: Ich konnte Reifenvergleiche machen, das Setup für die Rennfahrer erarbeiten. Das hilft einem Team natürlich. Andererseits haben die Teams, die in den Top 4 der Konstrukteurs-WM waren, einen Haufen mehr Geld von Ecclestone bekommen. Dieses Geld kann man in die Entwicklung stecken. Williams wurde im Vorjahr Fünfter, also haben sie den Vorteil des dritten Fahrers, aber dafür bekommen sie viel weniger TV- und Reisegeld. In der Formel 1 ist es wie immer: Geld bedeutet Entwicklungsmöglichkeiten. Das braucht man, das ist logisch."

Frage: "Man soll nie etwas Schlechtes über einen ehemaligen Arbeitgeber sagen, aber McLaren-Mercedes hat momentan Entwicklungsprobleme. Hängt das auch mit deinem Weggang zusammen?"
Wurz: "Nein, das glaube ich nicht. Pedro (de la Rosa; Anm. d. Red.) ist ein Supertyp. Meines Erachtens läuft es dort von der Entwicklung her sehr gut. Man muss abwarten, was die am Wochenende machen. Heute waren sie mit wenig Drehzahl unterwegs. Nur Räikkönen verbrannte einen Satz Reifen, als er im Verkehr war. Insofern haben sie ihre Karten noch nicht aufgedeckt, denn mit viel Sprit waren sie irrsinnig schnell. Man muss schon auf sie aufpassen. Andererseits ist Renault das Maß der Dinge. Ich glaube, dass auch McLaren-Mercedes Renault noch nicht antasten kann."

Hat Ferrari die falsche Reifenwahl getroffen?

"Ich glaube, Ferrari hat sich heute für den falschen Reifen entschieden."
Alexander Wurz

Frage: "Es sieht so aus, als würde Michael Schumacher hier wieder ganz vorne mitfahren. Was glaubst du - von der Reifensituation her?"
Wurz: "Ich glaube, sie haben sich heute für den falschen Reifen entschieden. Laut meinen Informationen hat er den harten gewählt, aber der war heute nicht so optimal. Mal schauen, was die heute Nacht analysieren und dann für morgen ändern, aber grundsätzlich hat Ferrari in Imola gezeigt, dass sie ein wahnsinnig starkes Chassis haben und auch einen guten Motor. Es wird verdammt knapp für sie, vorne mitzumischen."

Frage: "Glaubst du, dass es zum Duell Fernando Alonso gegen Michael Schumacher kommen wird?"
Wurz: "Nein. Ich glaube, Alonso wird das hier mehr unter Kontrolle haben als in Imola."

Frage: "Warum?"
Wurz: "Weil er ein guter Fahrer ist, ein gutes Paket hat - und ich glaube, dass die anderen im Moment nicht mit Renault mithalten können."

Frage: "Obwohl du sagst, dass Michelin ein bisschen schwächelt?"
Wurz: "Ja, aber das Chassis von Renault ist so gut, dass für sie im Augenblick andere physikalische Gesetze gelten."