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Symonds: "Auf einmal hatten wir mehr Haftung"
In Barcelona kehrte sich erst durch die höheren Temperaturen am Sonntag das Kräfteverhältnis um - im Reifenkrieg entscheiden kleinste Veränderungen
(Motorsport-Total.com) - Beim Grand Prix von Spanien in Barcelona fand das Duell der vorangegangenen Rennen, Fernando Alonso gegen Michael Schumacher, seine Fortsetzung. Schumacher wollte nach den Siegen in Imola und auf dem Nürburgring den Hattrick perfekt machen, Alonso dagegen wollte sich für die zwei vorangegangenen Niederlagen revanchieren und vor eigenem Publikum die Verhältnisse wieder zurechtrücken.
Nach den schnellen Runden von Ferrari in den Freien Trainings zeigte sich Renault zunächst besorgt: "Die Zeiten, welche die Ferrari da mit gebrauchten Reifen auf den Asphalt geknallt hatten, gaben mir zu denken. Ich war vor dem Rennen eher pessimistisch", wird Renault-Chefingenieur Pat Symonds von der 'Motorsport aktuell' zitiert. Daher habe er selbst über die Performance seines Teams im Rennen gestaunt: "Ich muss gestehen, dass wir davon überrascht wurden, wie konkurrenzfähig wir am Sonntag waren."
Höhere Temperaturen am Sonntag halfen Michelin
"Auf einmal hatten wir mehr Haftung als im Training, und die Reifen nutzten sich weniger ab als befürchtet", beschreibt der Brite. Aufgrund der plötzlich deutlich stärkeren Leistung im Rennen bereitete es Renault auch keine Schwierigkeiten, dass man für Alonso im Rennen nur noch einen neuen Reifensatz zur Verfügung hatte, wohingegen Schumacher bei beiden Boxenstopps neue Bridgestones aufziehen lassen konnte.
"Wir hatten uns für das Rennen spezifische Ziele punkto Rundenzeiten gesetzt, und ab Runde fünf wurde uns klar, dass wir diesen Zielen meilenweit voraus waren", unterstreicht Symonds, dass man sich quasi über Nacht deutlich steigern konnte. Doch der 52-Jährige hat eine konkrete Vermutung, woher die Leistungssteigerung im Rennen kam: "Am Samstag, als Ferrari diese tollen Zeiten gefahren hatte, war es kühler, heute Nachmittag war es wärmer, und ich schätze, das hat den Unterschied ausgemacht."
Bridgestone fiel aus dem Temperaturfenster
Auch der frühere Formel-1-Pilot Christian Danner kann sich die komplette Umkehr des Kräfteverhältnisses im Rennen im Vergleich zum Training nur durch die Reifen erklären: "Ich glaube, der Bridgestone-Reifen funktionierte am Ferrari innerhalb eines gewissen Bereichs fabelhaft. Da waren die Italiener wohl zu Beginn des Wochenendes locker drin, am Sonntag aber draußen. Etwa, weil es am Sonntagnachmittag wärmer war als an den Tagen zuvor."
Die höheren Temperaturen seien dann wiederum den Michelin-Pneus von Renault entgegengekommen: "Wenn bei der Konkurrenz von Renault und Michelin nun genau das Gegenteil passiert ist, man am Freitag und Samstag noch nicht optimal in diesem Fenster arbeiten konnte, am Sonntag dann jedoch schon, dann liegt so ein Wechsel drin."
Reifenhersteller liegen dicht beisammen
Dies unterstreicht einmal mehr, wie eng die beiden Reifenhersteller derzeit beieinander liegen, so dass bereits kleinste Änderungen der Bedingungen - wie eben in Barcelona ein Temperaturanstieg von einigen wenigen Grad - das Kräfteverhältnis komplett verändern können.
Derzeit weist jedenfalls keiner der beiden Pneu-Lieferanten einen signifikanten Vorteil auf, weshalb wohl davon ausgegangen werden kann, dass die jeweiligen Bedingungen an einem Rennwochenende den Ausschlag geben werden, je nachdem ob die Temperatur und der aktuelle Zustand der Strecke eher Bridgestone oder Michelin entgegen kommen.
Davon geht auch Symonds aus: "Wir glauben, dass das Pendel beim einen Rennen in die Richtung schwingen kann und beim nächsten in die andere. Ganz bestimmt gibt es keine Überlegenheit von Michelin mehr wie im vergangenen Jahr." Darüber hinaus seien präzise Vorhersagen, welche Bedingungen oder Strecken welchem Reifen entgegenkommen werden, kaum mehr möglich, "weil kleinste Veränderungen einen großen Unterschied ausmachen".










