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Schumacher: "Stehe ich hier vor Gericht?"

27. Mai 2006 - 22:34 Uhr

Der Ferrari-Pilot wehrt sich gegen die Unterstellung, er habe mit Absicht agiert und geht mit seinen Kritikern ins Gericht

Michael Schumacher
Michael Schumacher stellte sich am späten Abend den Medien
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Auch am Abend, als sich Michael Schumacher um kurz vor 22 Uhr vor seiner Abreise von der Strecke den Medien stellte, wusste der Ferrari-Pilot noch nicht, ob er nun seine Pole Position behalten darf, oder ob er von der Rennleitung bestraft werden wird. Unter dem Klicken zahlreicher Fotoapparate und den Rufen einiger Schumacher-Fans stellte sich der Ex-Weltmeister den Fragen der Journalisten.

Frage: "Kannst du uns etwas über den Ausgang der Anhörung sagen?"
Michael Schumacher: "Nein, mir tut es leid, dass ich euch nicht mehr sagen kann, als ihr selbst wisst."

Frage: "Was ist genau passiert?"
Schumacher: "Ich habe viel Druck gemacht, habe die Räder blockiert und kam ins Rutschen. Mir ging dann die Straße aus, was hier in Monte Carlo typisch ist."

Frage: "Warst du dir bewusst, dass Fernando Alonso in dieser Runde auf die Pole Position fahren würde?"
Schumacher: "Ich war ziemlich damit beschäftigt, mein Auto zu fahren. Ich hatte überhaupt keine Kommunikation über Funk. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, was die anderen Jungs tun."

Frage: "Machst du dir Sorgen, dass die Länge der Beratung der Rennleitung ein Zeichen dafür ist, dass es eine harte Strafe geben könnte?"
Schumacher: "Ich habe keine Ahnung, was der Grund dafür ist, dass es so lange dauert. Überhaupt nicht."

Frage: "Kannst du gut damit leben, dass du jetzt noch keine Entscheidung vernommen hast?"
Schumacher: "Für mich ist das in Ordnung, denn ich weiß, was ich getan habe. Ich weiß, was dort draußen passiert. Ich weiß, dass es ein paar Leute gibt, die eine andere Meinung darüber haben. Aber das liegt in meiner Natur und ist der Grund, warum ich seit vielen Jahren so erfolgreich bin, ich habe dies schon sehr oft gesehen. Ich kann damit sehr gut schlafen. Man hat seine Feinde und Leute, die an dich glauben. Wenn einer sich für die eine Richtung entschieden hat, dann kann ich ihn sowieso nicht überzeugen, was er denken soll oder nicht denken soll. Ich bin seit vielen Jahren dabei und die Leute sollten besser wissen, wer ich bin und wer ich nicht bin."

Frage: "Wie war es aus deiner Sicht bei der Rennleitung?"
Schumacher: "Ich habe den Stewards das gesagt, was ich auch schon auf der Pressekonferenz gesagt habe. Wir haben die erforderlichen Daten dazu gebracht, wie FIA hat zusätzliche Daten dazu gebracht, diese haben übereingestimmt. Jetzt warten wir alle auf die Entscheidung."

Frage: "Hattest du in dieser spezifischen Kurve Probleme?"
Schumacher: "Es hat schon etwas vorher angefangen, dass ich in Schwierigkeiten gekommen bin. In Kurve sechs musste ich schon etwas mehr Arbeit am Lenkrad leisten, dann noch einmal in Kurve zehn, der schnellen Schikane. Das Auto war alles in allem etwas unruhiger."

"Aber von der Zeit her war ich immer noch so unterwegs, dass ich mich hätte verbessern können. Ich war knapp zwei oder anderthalb Zehntel langsamer, aber der letzte Sektor ist ziemlich entscheidend. Vom Gefühl her weißt du, dass du etwas hinterherhinkst, auch wenn ich die Zeiten zu diesem Zeitpunkt nicht mehr ablesen konnte. Deshalb habe ich natürlich ein bisschen mehr versucht. Und das ist in die Hose gegangen."

Frage: "Du bist dann aus dem Auto gestiegen und hast dich gefreut. Dann hast du gehört, dass du zur Rennleitung musst. Was waren deine ersten Gedanken, die dir durch den Kopf geschossen sind?"
Schumacher: "Ich habe es erst eine ganze Ecke später mitbekommen, dass da irgendetwas mit den Stewards ist. Wenn man jemandem einen Vorwurf macht, wenn man zu schnell fährt und Fehler macht, und wenn man dann auf diese Art, wie es hier teilweise rüberkommt, bestraft werden soll, dann hätte ich dafür wenig Verständnis. Aber jetzt lasst uns erstmal abwarten."

Frage: "Es wurden ja auch einige Fahrer befragt und eigentlich alle sagen, dass du das mit Absicht gemacht hat. Wie reagiert du auf solche Anfeindungen?"
Schumacher: "Ich glaube, die Frage sollte man relativieren. Ich denke, dass ihr hauptsächlich mit jenen gesprochen habt, die mir nicht unbedingt gesonnen sind. Es sind ja über die Jahre hinweg immer die gleichen, die das behaupten. Wenn man über so viele Jahre hinweg erfolgreich ist und dort oben in Anführungszeichen steht, dann versuchen natürlich viele daran zu rütteln und nutzen jede Gelegenheit dazu."

"Wer im Auto sitzt, der weiß selber, was Sache ist. Und ob alle die richtigen Informationen haben, die ich in diesem Moment spüre und die wir den Stewards auch vorlegen konnten, das wage ich zu bezweifeln. Nur anhand dessen kann man wirklich beurteilen, was da heute passiert ist."

Frage: "Du fühlst dich also definitiv nicht schuldig?"
Schumacher: "Stehe ich hier vor Gericht? Wenn ich schuldig sein soll, dafür, dass ich zu schnell fahre und dabei Fehler mache, dann bin ich schuldig, ja. Aber ansonsten glaube ich nicht."

Frage: "Weswegen ist dir der Motor abgestorben?"
Schumacher: "Das habe ich auch noch nicht analysieren können. Er ist glaube ich rund zehn Sekunden gelaufen. Wir haben einen Mechanismus, der den Motor nach einer gewissen Zeit automatisch abstellt. Ich habe aber versucht, wieder etwas vorwärts zu fahren, nachdem ich etwas zurückgerollt war, um zu versuchen, doch noch rumzukommen. Es kann sein, dass er dabei abgewürgt wurde. Das kann sein, das weiß ich nicht."

Frage: "Haben dich die vielen harten Vorteile im Fahrerlager überrascht und enttäuscht?"
Schumacher: "Ich bin lange genug dabei, um zu wissen, dass man in diesem Sport oder auch in anderen Bereichen sehr schnell verurteilt wird. Das glättet sich dann etwas, wenn sich es die Leute mit etwas Abstand und einer anderen Gemütsverfassung wieder anschauen."

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